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Andi Böcherer beim Ironman 2017 in Frankfurt: Triathleten haben einen enormen Flüssigkeitsbedarf, aber nicht alle Getränke tun dem Körper gut. 

Ironman in Frankfurt

Hitze beim Ironman: Darum kein Leitungswasser trinken

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Beim Ironman in Frankfurt wird es voraussichtlich sehr heiß. Wie können die Sportler mit diesen Strapazen umgehen?  Ein Experte gibt Tipps für Sportler aller Leistungsklassen.

Für den Ironman am kommenden Wochenende sind Temperaturen von über 30 Grad angekündigt. Welche Gefahren gibt es, wenn bei solchen Temperaturen Leistungssport betrieben wird?
Das Hauptproblem für die Sportler wird sein, dass sie eine ausgewogene Zufuhr an Flüssigkeit und Elektrolyten, vorwiegend Salzen, brauchen. Gerade beim Ironman wird es schwierig, die ausreichenden Mengen immer wieder konstant nachzuführen. Schon ein normaler Mensch verliert ungefähr einen Liter Schweiß pro Tag, und das bei eher eingeschränkter körperlicher Aktivität. Wie viel Flüssigkeit und Elektrolyte benötigt werden, ist aber von Sportler zu Sportler unterschiedlich. Die Sportler kennen ihre Körper natürlich sehr gut, und die ganze Veranstaltung wird auch medizinisch betreut, aber die Hitze muss als Faktor definitiv einkalkuliert werden. Das Wichtigste ist, dass man Mineralwasser oder Elektrolytedrinks zu sich nimmt – keinesfalls Leitungswasser.

Gab es wegen der Hitze in den letzten Jahren Probleme?
Wir machen den Ironman jetzt schon seit mehr als 15 Jahren in Frankfurt. Da hatten wir schon sowohl Wärme als auch Kälte. Natürlich sind die Einsatzzahlen bei so extremen Temperaturen etwas in die Höhe gegangen, sie waren aber noch nie so hoch, dass wir an unsere Belastungsgrenze gestoßen wären.

Die Vorbereitung auf den Ironman wird „von Jahr zu Jahr besser“

Und die Sportler?
Auch die nicht. Man darf nicht vergessen: Es gibt den Ironman auch auf Hawaii, und auch da werden jedes Jahr neue Bestzeiten gelaufen. Wenn wir uns die letzten 15 Jahre Ironman-Geschichte anschauen, sieht man ganz deutlich, dass die Vorbereitung auf den Wettkampf und das Training von Jahr zu Jahr besser werden. Sonst wären die Höchstleistungen, die hier erbracht werden, gar nicht denkbar. Das gilt nicht nur für die Athleten, die ganz vorne mitlaufen, sondern für Teilnehmer aller Altersklassen und aller Laufzeiten. Außerdem gab es bei der Hitze in den letzten Jahren auch vermehrt Sportler, die am Morgen des Wettkampfes für sich entschieden haben, dass sie bei solchen Temperaturen nicht mitlaufen wollen.

Sie leiten auch eine Fortbildung für Ärztinnen und Ärzte im Einsatz auf Großveranstaltungen. Worauf muss medizinisches Personal achten, wenn es bei einem Event wie dem Ironman arbeitet?
In der Fortbildung geht es vor allem darum, welche Rolle der Arzt im Rahmen eines Sanitätsdienstes bei einer Großveranstaltung spielt. Egal ob beim Ironman oder einem Konzert in der Commerzbankarena, die Ärzte sind nie alleine, sondern immer eingebettet in eine Gesamtsystematik. Wir haben beim Ironman 350 Sanitätshelfer im Einsatz, davon sind nur etwa zehn Prozent Ärzte. Da muss man den Ärzten vor allem Abläufe und Hierarchien vermitteln. Sowas lernt man nicht im Medizinstudium.

Im Zweifelsfalls kann es zu einer Schwellung des Gehirns kommen

Wie bereitet sich Ihr Team auf die angekündigte Hitze vor?
Es gibt einige spezifische Krankheitsbilder. Eines davon ist der akute Natriummangel, genannt Hyponatriämie, der im Zweifelsfall zu einer Schwellung des Gehirns führt. Dann kann es zu Krampfanfällen, Bewusstlosigkeit oder auch Todesfällen kommen. Dieses Krankheitsbild sehen wir in der alltäglichen Routinemedizin nicht. Daher verwenden wir bei unserer Fortbildung auch einige Zeit darauf, den Kollegen dieses Krankheitsbild zu erklären, damit sie die Warnzeichen, wenn sie auf Großveranstaltungen wie dem Ironman vorkommen, richtig einordnen können.

Woran können die Sportler selber merken, dass Ihnen die Hitze zu viel wird und sie besser aufhören sollten?
Abbruchkriterien für den Sportler wären zum Beispiel stärkstes Kopfweh, das nicht mehr weggeht, aber auch Übelkeit, kontinuierliches Erbrechen oder anhaltende Seh- oder Orientierungsstörungen.

Können sich die Sportler denn schon im Vorhinein auf die Hitze vorbereiten?
Gerade die Leistungssportler und Altersklassensieger werden bei der Vorbereitung medizinisch begleitet. Die kennen dann zum Beispiel ihre Schwitzmenge für jedes zusätzliche Grad wärmer. Das geht bis dahin, dass manche Sportler in Fitnessstudios trainieren, in denen gewärmt wird. Außerdem gehen die Sportler für die Vorbereitung üblicherweise in Trainingslager in den Süden, nach Italien, in die Türkei oder auf Mallorca. Da sind die Temperaturen schon höher als bei uns. Ich glaube, dass 32-Grad für die Mehrzahl der Sportler überhaupt kein Problem ist. Pascal Morillion, Renndirektor des Ironmans, hat die Laufstrecke auch noch mal verändert, um ihr mehr Schattenflächen zu geben. Es wird schon vieles getan, um die Sportler zu entlasten.

Zur Person:

Michael Sroka ist Kreisverbandsarzt des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Frankfurt. Gemeinsam mit seinem Team übernimmt er am Wochenende die Verantwortung für die medizinische Versorgung rund um den Ironman.

Mit rund 350 Sanitätshelfern und 30 Rettungswagen steht der DRK Bezirksverband am Schwimmstart, den Verpflegungstellen der Radstrecke sowie entlang der Rennstrecke bereit. Auch nach dem Zieleinlauf werden alle Teilnehmer zunächst ärztlich untersucht bevor sie in den Athlete’s Garden entlassen werden.

Darum sollten Sie beim Sport in der Hitze kein Leitungswasser trinken:

Ein Mensch, der in der momentanen Sommerhitze Sport treibt, schwitzt - bis zu zwei Liter pro Stunde. Das sagte Internist Matthias Marquardt der Zeitung „Welt“. Dieser Flüssigkeitsverlust muss ausgeglichen werden. Enthält das Wasser, das dafür getrunken wird, aber zuwenig Natrium, gerät das Gleichgewicht aus den Fugen. Der Körper ist ohne Salz nicht in der Lage, das Wasser im Blut zu binden und die Flüssigkeit sickert ins Gewebe und lässt dies anschwellen. Schwillt das Gehirn beispielsweise an, kann das sogar tödlich werden.

Viel trinken ist beim Sport in der Hitze wichtig, nur muss das Wasser mit Mineralstoffen angereichert sein. Wer trotzdem Leitungswasser trinken möchte, der soll laut Marquardt einfach eine Prise Salz zufügen.

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