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Kommentar

Ein dunkles Kapitel

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Nach der Nazizeit wirkten fatale medizinische Ansichten fort. Erst der Aufbruch von 1968 verhalf uns zum Umdenken.

Das Jahr 1945 war für Deutschland ein Einschnitt, ein Jahr der „Befreiung“, wie der frühere Präsident Richard von Weizsäcker richtig festgestellt hat. Doch die militärische Niederlage Nazi-Deutschlands führte nicht in jeder Hinsicht zu einem Neuanfang.

In der Medizin gingen nicht nur Karrieren von belasteten Ärzte unbeirrt weiter. Hier wirkten auch fatale Ansichten ungebrochen fort. Menschen wurden als „Krankengut“ benutzt, Kinder in Heimen zu Objekten degradiert. Das entsprach dem rigiden Geist einer Gesellschaft, die sich gerne jeden abweichenden Verhaltens entledigte, am besten unter dem Anschein wissenschaftlicher Korrektheit.

Der schreckliche Eingriff einer Pneumenzephalographie war nichts gänzlich Ungewöhnliches. So lange es keine Computertomographien gab, wurde die Enzephalographie zur Diagnose eingesetzt. Medizinern wie Willi Enke ging es aber offenkundig nicht darum, den Patienten zu helfen, sondern sie zu Versuchskaninchen zu machen, im Dienste seines eigenen Ansehens. Es ist ein dunkles Kapitel, dass das Kinderheim – und möglicherweise sogar benachbarte Schulen – dieses Treiben mitmachten.

Das Umdenken in der Medizin wie in der Heimerziehung war eine segensreiche Folge des gesellschaftlichen Aufbruchs von 1968. Endlich spielte Menschlichkeit die entscheidende Rolle. Das darf niemand zurückdrehen, der sich heute eine „konservative Revolution“ gegen die Folgen von 1968 herbeisehnt.

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