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Studie sagt starken Zuzug in Hanau voraus

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Im Jahr 2035 werden 113.000 Einwohner in der Stadt leben. Das entspricht einem Anstieg um 18 Prozent.

Die Stadt Hanau wird auch künftig stark wachsen und 2035 voraussichtlich mehr als 113 000 Einwohner haben. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Hamburger Gewos-Instituts für Stadt-, Regional- und Wohnforschung im Auftrag der Stadt. Die 100 000er-Marke wird Hanau, wo gut 96 000 Menschen leben (Stand Ende 2017), demnach im kommenden Jahr überschreiten.

Als Basis für die 15 000 Euro teure Untersuchung dienten vor allem Daten des Hessischen Statistischen Landesamtes zur Entwicklung Hanaus in den Jahren 2011 bis 2017, in denen das Wachstum bei elf Prozent lag, sowie der erwartete Zuzug durch bereits entstehende sowie geplante Bauprojekte. Die Pläne sehen vor, dass bis 2035 insgesamt mehr als 9400 Wohneinheiten entstehen. Zu den neuen Quartieren zählen etwa der „Pioneer Park“ auf Kasernengelände im Stadtteil Wolfgang, wo schon gearbeitet wird und mehr als 1500 Wohnungen sowie Häuser sein werden, aber auch das Bautz-Areal in Großauheim am Main, wo die Bien Ries AG mehr als 1000 Einheiten plant. Besonders durch die Konversion von insgesamt 340 Hektar US-Militärflächen schafft Hanau Platz für neue Bewohner.

Laut OB Claus Kaminsky (SPD) sollen die Studienergebnisse dazu dienen, „bedarfsgerecht“ zu planen, etwa bei der Infrastruktur, und Erkenntnisse für die von Hanau angestrebte Lösung vom Main-Kinzig-Kreis liefern. Ein Aspekt dabei ist der Status Großstadt bei mehr als 100 000 Einwohnern. Damit wird eine Stadt nicht automatisch kreisfrei, die Zahl gilt jedoch als Richtwert. Kaminsky kündigte für Ende März ein „gesamtstädtisches Konzept“ für die geplante Kreisfreiheit an, über die letzten Endes der Landtag entscheidet.

In die Studie sind auch der Bundesschnitt bei der Sterbe- und Geburtenrate eingegangen. Bei letzterer haben die Verfasser sowohl mit dem aktuellen Schnitt von 1,4 Kindern pro Frau als auch mit dem prognostizierten Anstieg auf 1,6 Kinder bis 2028 gerechnet. Bei der ersten Annahme hätte Hanau in 16 Jahren 113 470 Einwohner, bei der zweiten 114 130 – was einem Anstieg von 18 oder 19 Prozent entspricht. Dieser ergibt sich in erste Linie aber aus „Wanderungen“ in die vielen Baugebiete.

Gewos-Geschäftsführer Jost de Jager sagt, Hanau entwickle sich im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich, was auch mit dem Drängen Richtung Frankfurt zusammenhängt. Die Brüder-Grimm-Stadt nutze ihre Chancen zu einem „strategischen Wachstum“ aber auch gut. Nach Ansicht von de Jager würde Hanau von einer Kreisfreiheit profitieren, weil es mehr Einfluss hätte, zum Beispiel auf die Betreuung von Langzeiterwerbslosen, die derzeit der Main-Kinzig-Kreis übernimmt. Die Brüder-Grimm-Stadt mit ihrer urbanen Struktur passe ohnehin besser zum Ballungsraum Frankfurt als zum eher ländlichen Kreis.

Kaminsky räumte ein, es werde „Wachstumsschmerzen“ geben, etwa durch Ausgaben für zusätzliche Schulen und Kitas oder mehr Personal in der Verwaltung. Es handele sich aber nicht um ein Wachstum um jeden Preis, sondern um ein „qualitatives“, das viele Chancen biete. Dazu gehören höhere Einnahmen durch die Einkommenssteuer oder eine gesteigerte Nachfrage in der Stadt, die weitere Arbeitsplätze schafft. Der neu geschaffene Wohnraum könne von den zahlreichen Pendlern, die in Hanau arbeiten, genutzt werden, so Kaminsky.

Stadtentwickler Martin Bieberle erklärte, der avisierte Zuzug durch neue Viertel sei absolut realistisch. Ein großer Teil der Projekte sei in trockenen Tüchern, wobei nicht auf der grünen Wiese, sondern auf versiegelten Flächen gebaut werde. Neues Bauland wird laut Studie ab 2031 erschlossen, für rund 3500 Wohneinheiten. Dabei wird mit einer Dichte von 50 Wohneinheiten pro Hektar gerechnet, was unter den derzeit im Flächennutzungsplan geforderten 60 liege.

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