Jugendrecht

Drittes Gebäude für das Haus des Jugendrechts 

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In Frankfurt rückt die flächendeckende Vorsorge für straffällig gewordene Jugendliche näher.

Als erste deutsche Großstadt soll Frankfurt flächendeckend Häuser des Jugendrechts erhalten. Dafür sind neben den beiden bestehenden Einrichtungen noch Häuser im Süden und im Osten der Stadt erforderlich. Im Süden laufen die Planungen für ein drittes Haus bereits seit Ende 2016. Der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) tat sich allerdings sehr schwer, eine geeignete und bezahlbare Immobilie zu finden.

Von dem ursprünglichen Plan, deswegen von Sachsenhausen nach Niederrad auszuweichen, ist der LBIH wieder abgewichen. Mittlerweile sei eine Immobilie gefunden, sagt Axel Kreutz, der verantwortliche Frankfurter Staatsanwalt für die Häuser des Jugendrechts. „Das Konzept steht, die Verzögerungen sind jetzt nur noch technischer Natur“, so Kreutz. Die Immobilie in der Nähe des Henninger Turms sei allerdings so groß, dass zudem noch der Jugendverkehrsschutz des Polizeipräsidiums Frankfurt in dem Gebäude unterkommen soll. Kreutz geht davon aus, dass der „Echtbetrieb“ in Sachsenhausen Anfang 2020 beginnen kann. Das vierte Haus soll dann im Osten der Stadt gefunden werden.

Die mittelfristig geplante komplette Abdeckung des Stadtgebiets mit Häusern des Jugendrechts soll dann auch wissenschaftlich begleitet werden. „Das ist dann interessant für eine Evaluierung“, so Kreutz. In erster Linie dienen die Einrichtungen aber dazu, die Jugendkriminalität in der Stadt einzudämmen. Klaus-Dieter Strittmatter vom Präventionsrat Frankfurt hält eine flächendeckende Abdeckung daher für „absolut wünschenswert“. Die Häuser seien im Sinne der Prävention „absolut positiv zu bewerten“.

Das Haus des Jugendrechts Nord in Frankfurt gibt es seit mittlerweile vier Jahren. Die Einrichtung habe sich „sehr positiv entwickelt“, so Kreutz. Wer sich daran erinnert, wie häufig die Ginnheimer Platensiedlung allerdings zuletzt negativ in den Schlagzeilen war, die im Beritt des Hauses Nord liegt, stutzt. Doch die Leiterin der Einrichtung, Elke Pahl, kann das erklären: „Wir sind nur für das Jugendrecht und Täter bis 21 zuständig.“ Die meisten Beschuldigten in dem für Drogenkriminalität verrufenen Viertel sind demnach älter als 21. Den Erfolg ihres Hauses sieht Pahl vor allem im frühen Eingreifen, „wenn Erziehungsmaßnahmen noch helfen“. Die Fachleute kümmern sich besonders um die jungen Intensivtäter. Bereits seit 2005 gibt es in Frankfurt das Projekt „Basu 21“. Mit dem Begriff sind besonders auffällige Jugendliche unter 21 Jahren gemeint. Das Programm ist vorwiegend präventiv ausgerichtet. Es geht darum zu verhindern, das aus den jugendlichen Basu erwachsene Mehrfachintensivtäter (MIT) werden. Dies sei bislang gelungen, betont Pahl: „Bislang hatten wir in unserem Bereich noch keine Umstufung von einem Basu 21 zu einem MIT.“

Dafür investieren die Mitarbeiter viel Zeit in die Prävention. Im Jahr 2017 waren es im Bereich Nord 830 Stunden. Viel Arbeit fällt dabei auch der Jugendgerichtshilfe zu. Harald Schmitz, der Leiter des Hauses in Höchst bezeichnete die Jugendgerichtshilfe in einem Aufsatz für das Deutsche Polizeiblatt für Aus- und Fortbildung als „Schlüsselinstanz für die Verwirklichung des Erziehungsgedankens im Jugendgerichtsgesetz“. Die Jugendgerichtshilfe soll demnach „die erzieherischen, sozialen und fürsorglichen Gesichtspunkte in das Verfahren einbringen“. Die Aufgaben reichen von Gesprächen mit den Eltern der straffälligen Jugendlichen über die Vermittlung einer Schuldnerberatung bis hin zum Kontakt mit dem Job-Center. Mit der angestrebten Verdopplung der Häuserzahl in Frankfurt könnte die Jugendkriminalität in der Stadt womöglich also weiter eingedämmt werden.

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