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Drittelhesse for president

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Von: Pitt von Bebenburg

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Gut gebrüllt, Pitt.
Gut gebrüllt, Pitt. © FR

Frank-Walter Steinmeier ist ein Drittelhesse. Der Kandidat weiß, wie man Küchen in Gießen sauber hält. Aber erst mal kommt nur sein Mitbewerber in den Landtag. Die FR-Kolumne.

Seit Jahren heißt der Slogan, mit dem für unser Bundesland geworben wird: „An Hessen führt kein Weg vorbei.“ Das ist ein bisschen peinlich. Als ob jede Fahrt von Kassel nach Bensheim ein einziges Elend wäre, das man gerne vermeiden würde, aber leider nicht kann.

Außerdem stimmt der Slogan nicht, jedenfalls aus politischer Sicht. In bald 70 Jahren gab es weder einen Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin noch eine Bundespräsidentin oder einen Bundespräsidenten aus Hessen.

Das aber ändert sich langsam. Präsident Joachim Gauck hat ein wenig Hessen ins Amt gebracht, dank seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt, die aus Hanau stammt. Mit Frank-Walter Steinmeier wird noch mehr hessischer Stallgeruch in Schloss Bellevue einziehen. Der Sozialdemokrat kann, obzwar er in Ostwestfalen geboren wurde und in Gerhard Schröders Niedersachsen politisch aufstieg, als Drittelhesse durchgehen.

15 Jahre lang hat er in einer Wohngemeinschaft in Gießen gelebt, von 1976 bis 1991, mit bis zu fünf Leuten in insgesamt sieben Zimmern. Journalistenkollegen hat der heutige Außenminister erzählt, wie die WG sauber gehalten wurde: „Wir haben es dann immer mit einem Putzplan versucht. Und wir hatten vor der Küche ein Plakat. Das zeigte einen russischen Komsomolzen mit dem Spruch: ,Auch du, Genosse, hältst die Küche sauber!‘“ Das wäre eine charmante Idee, um in Bellevue für Ordnung zu sorgen, könnte aber bei Staatsgästen auf Unverständnis stoßen.

Am 12. Februar wählt die Bundesversammlung den neuen Präsidenten. Bis zur Wahl tingelt Steinmeier durch viele Bundesländer zu den Wahlleuten. Und Hessen? Ausgerechnet für Steinmeiers Drittelheimat hat sich noch kein Termin gefunden.

Stattdessen kommt sein Mitbewerber Christoph Butterwegge am Dienstag in die Linken-Fraktion – ein Kölner Armutsforscher, den mit Hessen eine Dozentenzeit in Fulda und Gastbeiträge für die FR verbinden. An Hessen führt halt kein Weg vorbei.

Danach hält der Alltag im Landtag Einzug. Die erste Sitzung ist im Europaausschuss angesetzt.

Er befasst sich unter Punkt 1 mit dem EU-Vorschlag zur „Kennzeichnung von Spirituosen“ und dem „Schutz geografischer Angaben für Spirituosen“. Prost auf das neue Jahr im Landtag!

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