Taunus

Dreimal mehr Müll im Naturpark Taunus

  • Meike Kolodziejczyk
    vonMeike Kolodziejczyk
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Der Naturpark Taunus holt derzeit eine Tonne Unrat pro Woche aus Wald und Flur. Seit Beginn der Corona-Pandemie wächst die Menge an Müll drastisch an.

Ein Mundschutz baumelt im Busch, zwei Plastikgabeln stecken im Boden, keine zwei Meter entfernt vom nächsten, bis zum Bersten vollgestopften Mülleimer, den ein Stapel Pizzakartons krönt. Die Wiese auf dem Feldbergplateau ist bunt gesprenkelt, überall liegen Taschentücher, Chipstüten, Coffee-to-go-Becher. Und weitere Mundschutzmasken.

„Nach Wochenenden und Feiertagen ist es immer am schlimmsten“, sagt Carolin Pfaff, stellvertretende Geschäftsstellenleiterin des Naturparks Taunus. Seit Beginn der Corona-Krise kämpft der Zweckverband, dessen Gebiet sich über 135 000 Hektar und sechs Landkreise erstreckt, gegen eine immens angewachsene Masse von Müll. Die Mitarbeiter sammelten täglich den Abfall ein, berichtet Pfaff auf einem Rundgang an der Hohemark in Oberursel. Eine Tonne Unrat holten sie derzeit pro Woche aus Wald und Flur. „Das ist die drei- bis vierfache Menge dessen, was normalerweise anfällt.“

Besonders vermüllt ist die Gegend um beliebte Ausflugsziele, vor allem im Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis, wo es die Menschen in Scharen ins Gehölz und auf die Gipfel treibt. Laut Pfaff ist die Zahl der Naturparkgäste deutlich gestiegen. „Und es ist ja sehr schön, dass die Leute die Natur in ihrer Heimat wiederentdecken“, sagt die ausgebildete Försterin. „Aber dann sollen sie sich bitte angemessen verhalten.“ Was die meisten durchaus tun. Aber es gibt eben auch die, die den Alu-Einweggrill nach Gebrauch im Gestrüpp entsorgen.

Die unschönen Ausflugsrelikte sind mitunter gar gefährlich. Zum Beispiel für Tiere, wenn sie den Müll fressen oder sich daran verletzen. Glas und Metall können bei Trockenheit Waldbrände entfachen. Seit langem appelliert der Naturpark Taunus daher an seine Besucher, ihren Müll mit nach Hause zu nehmen und ihn nicht im Gelände zu hinterlassen – auch nicht neben bereits überquellenden Abfalltonnen. „Das ist nicht nur eine Frage des Anstands, sondern auch der Rücksicht auf Natur und Mitmenschen.“

Die Menge des Mülls ist dabei nicht das einzige Problem. „Auch die Art des Mülls hat sich verändert“, sagt Pfaff. So werde vermehrt privater Abfall im Wald abgekippt, von Haus- und Sperrmüll über Bauschutt und Elektroschrott bis hin zu Sondermüll. „Wir haben Autoreifen gefunden, Mikrowellen, Eimer mit Farbresten und Lösungsmitteln.“ Ganz extrem sei es in der Zeit gewesen, als die Deponien für Privatpersonen geschlossen gewesen seien. Allerdings habe sich die Lage seit deren Wiederöffnung nur unwesentlich gebessert, sagt Pfaff und zückt ihr Handy. „Diese Fotos hat ein Kollege vorigen Sonntag aufgenommen.“ Sie zeigen mehr als ein Dutzend blaue und schwarze Plastiksäcke, abgeladen am Waldrand.

„Wir sind wütend und verzweifelt“, sagt die junge Geschäftsstellenleiterin des Naturparks Taunus, der neben der Vermüllung auch mehr Vandalismus zu beklagen hat, etwa niedergerissene Absperrungen, abgebrochene Wegweiser, umgeworfene Bänke. Das alles habe es schon vor Corona gegeben. „Aber das Ausmaß hat massiv zugenommen.“

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