Die Dachlüfter der neuen Züge, die auf der Dreieichbahn eingesetzt sind, erzeugen zu viel Lärm.

Dreieich

Dreieichbahn soll leiser werden

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Die Bahn hat den Lärm an der Strecke der Dreieichbahn gemessen. Das Ergebnis bestätigt die Beschwerden der Anwohner: Die neuen Dieseltriebwagen sind zu laut.

Es gibt Hoffnung für die lärmgeplagten Anwohner der Dreieichbahn: Die Deutsche Bahn (DB) hat die Geräusche messen lassen, die die Dachlüfter der neuen Pesa-Züge beim Bremsvorgang mit der Motorbremse verursachen. Ergebnis: in der Spitze zu laut. Deshalb hat sie das Unternehmen MTU, Hersteller der Motoren und Lüfter, sowie den Fahrzeughersteller Pesa Bydgoszcz SA nun angewiesen, technische Lösungen zu finden, um die Dieseltriebwagen beim Bremsen leiser zu machen.

Die Züge der Dreieichbahn verbinden Dieburg, Rödermark, Dreieich und Neu-Isenburg mit dem Frankfurter Hauptbahnhof. Seit Anfang Februar setzt die Deutsche Bahn auf der Strecke teilweise neue Dieseltriebwagen des polnischen Herstellers Pesa ein, der nach einer europaweiten Ausschreibung den Zuschlag erhalten hatte – und hat sich damit den Zorn der Anwohner zugezogen. Die neuen Fahrzeuge seien sogar noch lauter als die alten, beschwerten sie sich.

Am 4. Mai ließ DB Regio Mitte deshalb am Dreieichenhainer Bahnhof eine Lärmmessung beim Bremsvorgang der neuen Fahrzeuge durchführen. Die Ergebnisse hätten Handlungsbedarf bei der Lüfterleistung aufgezeigt, hieß es vonseiten der Bahn, und seien zur Lösungsfindung an den Hersteller MTU übergeben worden. „MTU führt aktuell weitere Prüfungen durch“, sagte eine Bahnsprecherin. Im übrigen halte DB Regio Mitte beim Hersteller den Druck aufrecht, „weitere Erkenntnisse über die Entstehung der Lärmentwicklung zu erlangen und entsprechende weiterführende Gegenmaßnahmen einleiten zu können“. Darüber hinaus seien die Triebfahrzeugführer angewiesen, ihr Bremsverhalten anzupassen, so dass möglichst wenig Geräusche entstehen.

Als gesundheitlich beeinträchtigend  sieht die Forschung heute Dauerbelastungen oberhalb von 60 Dezibel an.

Gehörschäden  können bereits bei Dauerlärm mit mehr als 85 Dezibel auftreten.

Zehn Dezibel  mehr Lärm empfinden Menschen in geschlossenen Räumen als doppelt so laut. ann

Auf Nachfrage wurde die Bahn-Sprecherin dann konkret: „90 Dezibel wurden Anfang Mai in der Spitze gemessen, 83 waren vereinbart.“ Die Fahrzeuge seien zwar vom Eisenbahn-Bundesamt zugelassen und würden die gesetzlichen Regelungen und Grenzwerte für Stand-, Anfahr- und Vorbeifahrtgeräusche erfüllen, doch die DB habe bei der Beschaffung der Triebwagen darüber hinaus „freiwillig und zusätzlich“ einen Grenzwert für die Schallemissionen beim Bremsen vorgegeben. Dieser Grenzwert sei für die Zulassung nicht relevant gewesen und sei gesetzlich nicht vorgeschrieben. „Wir haben ihn dennoch in einem vom Hersteller zu erfüllenden Lastenheft begrenzt“, erklärt die Bahnsprecherin. In einem Lastenheft sind die Anforderungen definiert, die ein technisches Produkt erfüllen soll. Und genau dort ist somit Schwarz auf Weiß vereinbart, dass der Schalldruckpegel für die Pesa-Züge höchstens 83 Dezibel betragen darf.

Zehn Dieseltriebwagen hat die Deutsche Bahn beim polnischen Hersteller Pesa bestellt. Nach wie vor sind auf der Dreieichbahn aber nur drei Neufahrzeuge unterwegs. Aktuell gebe es noch keinen Zeitpunkt, wann die restlichen Fahrzeuge in Betrieb genommen werden, so die Bahnsprecherin. Ursprünglich war von August die Rede. „Alle Auffälligkeiten, die im aktuellen Echtbetrieb auftreten, werden automatisch auch vor Inbetriebnahme an den noch ausstehenden Fahrzeugen geprüft.“

Erst vor einer Woche hatte die Bahn ihre Nutzer über ein vermindertes Sitzangebot wegen außerplanmäßiger Wartungsarbeiten an den Zügen der Dreieichbahn unterrichtet. Fahrzeugstörungen sowie eine defekte Hebebühne in der Werkstatt hätten für einen vorübergehenden Rückstau bei den Instandhaltungsarbeiten gesorgt, erklärt die Bahnsprecherin. Damit hätten nicht alle Pesa-Fahrzeuge zur Verfügung gestanden, und einzelne Züge seien deshalb nur einteilig unterwegs gewesen. Jetzt laufe aber alles wieder in geregelten Bahnen.

Zum 1. Januar dieses Jahres ist übrigens eine neue Förderrichtlinie Lärmsanierung in Kraft getreten, die besagt, dass in Wohngebieten Lärmschutzmaßnahmen gefördert werden können, wenn der Immissionspegel von 67 Dezibel am Tag beziehungsweise 57 Dezibel in der Nacht überschritten wird. Allerdings findet ein Abgleich mit der Verkehrsentwicklung statt, die im Bundesverkehrswegeplan prognostiziert wird. Ob die Anwohner der Dreieichbahn somit in naher Zukunft auf Lärmschutzmaßnahmen hoffen dürfen, erscheint fraglich.

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