Dreieich

Kritik an angeordneter Isolation für Kita-Kinder

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Die Elterninitiative „Familien in der Krise“ wehrt sich gegen die Anordnung des Gesundheitsamtes, Kita-Kinder in häusliche Isolation zu nehmen, die mit einem infizierten Kind Kontakt hatten.

Ein Covid-19-Fall in der Kindertagesstätte Schulstraße in Dreieich zieht Kreise. Erst schickte das Gesundheitsamt des Kreises Offenbach 60 Kinder und Erwachsene, die engen Kontakt zu dem infizierten Kind hatten, 14 Tage lang in die häusliche Quarantäne, jetzt steht das Gesundheitsamt in der Kritik. Die Initiative „Familien in der Krise“ moniert, dass zusätzlich die häusliche Isolation der Kinder angeordnet wurde.

Diese Anordnung stelle für die Kinder eine seelische Grausamkeit dar, schreibt die Initiative, die Ende April von Eltern aus Hessen und Nordrhein-Westfalen gegründet wurde. In dem Schreiben des Kreises Offenbach heißt es nämlich, das Kind sollte sich möglichst alleine in einem Raum getrennt von den anderen Haushaltsmitgliedern aufhalten. Außerdem solle es keine gemeinsamen Mahlzeiten geben.

Eltern würden also dazu aufgefordert, ihre drei, vier oder fünf Jahre alten Kinder 14 Tage in einem Zimmer zu isolieren, ärgert sich die Initiative. Auch die Mahlzeiten sollten die Kleinen alleine einnehmen. „Aus unserer Sicht verlangt diese Anordnung eine akute Vernachlässigung“, sagt Diane Siegloch, Mitgründerin der Initiative. Vor Corona sei die Isolation als Kindeswohlgefährdung eingestuft worden, erklärt sie. Jetzt spiele die psychische Gesundheit der Kinder anscheinend keine Rolle mehr.

Laut Ulrike Stroh, Sprecherin der Regionalgruppe Kreis Offenbach, sind Schreiben mit ähnlichem Wortlaut auch schon in anderen Kreisen und Bundesländern aufgetaucht. Diese Anordnung stehe in keinem Verhältnis zu den derzeitigen Infektionszahlen. Die Initiative verweist auf Dänemark: Dort seien die Behörden der Meinung, dass Umarmungen und Fürsorge wichtiger seien als Abstandhalten.

Die Antwort des Kreises Offenbach: Beim Infektionsschutzgesetz gelten für alle dieselben Vorgaben – egal, ob Erwachsene, Jugendliche oder Kinder. Deshalb enthalte die formelle Anordnung des Gesundheitsamts diese Maßnahmen, die die Ausbreitung des Virus verhindern sollten. Um sie „mit der Lebenswirklichkeit in Einklang zu bringen“, würden die Mitarbeiter des Gesundheitsamts mit den Betroffenen abklären, was von den gesetzlichen Vorgaben während der Quarantäne umsetzbar sei. Man rufe die Eltern täglich an, um Probleme zu erörtern und gemeinsam Lösungen zu finden. In jedem Einzelfall werde zwischen dem Willen des Gesetzgebers und der tatsächlich möglichen Umsetzung abgewogen.

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