Historische Aufnahme des Kalmenhof-Krankenhauses in Idstein.
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Historische Aufnahme des Kalmenhof-Krankenhauses in Idstein.

Euthanasie-Morde

Drei getötete Kinder vom Kalmenhof finden ihre letzte Ruhe

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Die Nationalsozialisten töteten bei Idstein 700 Jungen und Mädchen und verscharrten sie. Nun wird dieses Stück der Geschichte Hessens aufgearbeitet.

Am Sonntag werden auf dem Kalmenhof in Idstein die Gebeine von drei Kindern beigesetzt. Sie wurden in den 1940er Jahren von den Nationalsozialisten getötet und auf dem Gelände verscharrt. Die Zeremonie, die aufgrund der Corona-Krise im kleinen Kreis mit geladenen Gästen stattfindet, ist Teil der Aufarbeitung der Geschichte des Kalmenhofs.

Der Kalmenhof wurde 1880 als Heilanstalt für Menschen mit geistigen Behinderungen gegründet – damals eine sehr fortschrittliche Einrichtung, die überkonfessionell arbeitete.

Die Nationalsozialisten missbrauchten die in den 1920er Jahren als Isolierstation für das Behindertenheim gebaute Einrichtung dazu, im Rahmen der sogenannten Euthanasie junge Menschen zu töten, die sie als nicht lebenswert erachteten. Rund 700 Jungen und Mädchen starben in der sogenannten Kinderfachabteilung, weil sie nicht in die menschenverachtende Ideologie der Nazis passten.

Der Hof

Der Kalmenhof liegt bei Idstein im Taunus. Er gehört der Vitos Teilhabe, einer Tochter der Vitos GmbH, die wiederum als alleinigen Gesellschafter den Landeswohlfahrtsverband Hessen hat.

Vitos Teilhabe bündelt die Aufgaben in der Jugendhilfe und die heilpädagogischen Angebote von Vitos. Der Kalmenhof ist heute eine sozialpädagogische Einrichtung der Jugend- und Behindertenhilfe.

In den Nachkriegsjahren, der Hof diente als Heimsonderschule, gab es zahlreiche Fälle von Misshandlungen sowie sexuellen Missbrauchs. Heute ist der Kalmenhof eine sozialpädagogische Einrichtung der Jugend- und Behindertenhilfe.

Die Aufarbeitung der wechselhaften Geschichte nahm Anfang der 1980er Jahre Fahrt auf, ausgelöst unter anderem durch einen Bericht in der Frankfurter Rundschau. Bereits seit den 1980er Jahren gibt es auf dem Gelände einen Gedenkort. In jüngerer Vergangenheit wurde damit begonnen, das Gräberfeld um das ehemalige Krankenhaus näher zu erforschen, auf dem die Getöteten verscharrt wurden.

Angeregt hatte die Studie ein regionales Gremium von Experten und interessierten Bürgerinnen und Bürgern. Der Landeswohlfahrtsverband hatte den Vorschlag unterstützt, die Lage der Gräber der getöteten behinderten oder psychisch kranken Kinder genauer zu erkunden.

Unter anderem wurden dazu Geo-Radar-Messungen eingesetzt und auch angrenzende Gärten einbezogen. Dabei wurden 2020 die Gebeine jener drei Kinder ausgegraben und untersucht, die nun wieder – am Totensonntag – eingebettet werden sollen.

Möglicherweise ist das Gräberfeld größer als derzeit bekannt. Nach Auskunft von Elke Bockhorst, Sprecherin des Landeswohlfahrtsverbands, ist beabsichtigt, nach Abschluss der Erkundung das gesamte Areal, auf dem die Toten vermutet werden, einzufrieden. Zudem soll eine Tafel mit den Namen der Ermordeten aufgestellt werden.

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