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Die Kelterei Krämer hat angekündigt, die Marke „Bembel with Care“ in das eigene Unternehmen einzugliedern.

Wirtschaft

„Bembel with Care“-Hersteller übernimmt alle Rechte vom „Apfelweinbaron“

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    Valerie Eiseler
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Die Odenwälder Kelterei Krämer hat die Zusammenarbeit mit Benedikt Kuhn, dem Gründer der Marke „Bembel with Care“, gekündigt und die Firmenleitung neu besetzt. Ein NPD-Politiker erklärt sich mit Kuhn solidarisch und die Supermarktketten Rewe und Edeka nehmen die Produkte der Marke aus dem Sortiment.

Der 8. Mai, das Datum des Kriegsendes, gilt in Deutschland als Tag der Befreiung vom Regime der Nationalsozialisten. Als solcher wird er von vielen Menschen gefeiert, insbesondere in diesem Jahr, zum 75. Jahrestag des Kriegsendes. Kein Wunder also, dass Benedikt Kuhn, der Gründer des Unternehmens „Bembel with Care“ mit Sitz im südhessischen Birkenau, das Apfelwein vor allem in bunt lackierten Einwegdosen verkauft, mit seinem Post auf Instagram für viel Wut und Empörung sorgte. Er veröffentlichte nämlich dort: „Der 8.5. ist kein Tag der Befreiung!“ Ein näherer Blick auf seine Aktivitäten in sozialen Medien zeichnet gleich mehrere Verbindungen zu rechten Ideologien.

Kuhn postete die Aussage zum 8. Mai auf seinem Instagram-Account „apfelweinbaron“ in einer Story – einer Funktion der Plattform, bei der Inhalte nach 24 Stunden automatisch wieder verschwinden.

In Screenshots privater Chats auf Instagram beteuert Kuhn, dass Deutschland 75 Jahre nach Kriegsende weiterhin von Soldaten der Alliierten besetzt sei. Diese Theorie ist insbesondere in der Bewegung der Neuen Rechten virulent und hat ihren Ursprung im Milieu der Reichsbürger. Letztere vereint unter anderem viele Verschwörungstheoretiker, die die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland nicht anerkennen.

Existenz von Rechtsterrorismus angezweifelt

Ein anderes im Internet kursierendes Foto zeigt Kuhn in einem schwarzen Hemd mit einem schwarzen Kreuz, sehr ähnlich dem Eisernen Kreuz, um den Kragen und einem schwarzgeschminkten Balken im Gesicht. Das Eiserne Kreuz gilt nicht universell als explizit politisch rechtes Bekenntnis, wird aber von der extremen Rechten immer wieder als Symbol verwendet. Nutzer auf Twitter veröffentlichten zudem weitere Screenshots, laut denen Kuhn auf Instagram Accounts abonnierte, die dem rechten Spektrum zuzuordnen sind, darunter der der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel.

Doch der Eindruck, der sich online von dem Bembel with Care-Gründer abzeichnet, ist damit noch nicht komplett. Screenshots seiner Facebook-Beiträge zeigen, dass Kuhn die Existenz von Rechtsterrorismus, insbesondere die des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) in Deutschland anzweifelte. Kriegs- und Propagandabilder mit Hakenkreuzen, die er auf der Plattform „Pinterest“ sammelte, erklärte er dem „Darmstädter Echo“ gegenüber damit, dass er für seine Kunst gewisse Stile gesucht hätte, dahinter aber keine politische Botschaft stecke. „Ich bin ganz klar kein Nazi, auch wenn ich ein systemkritischer Mensch bin“, äußerte Kuhn, der inzwischen frühere Einträge auf Instagram gelöscht hat.

„Bembel with Care“ unter neuer Leitung

Die Kelterei Krämer, die den Apfelwein in den Bembel with Care-Dosen liefert, zog jetzt Konsequenzen: Sie ging am Sonntagabend auf Distanz zum „Apfelweinbaron“, wie er sich selbst auf Instagram und bei Twitter nennt, und erklärte die Zusammenarbeit für beendet. Seine Aussagen seien „nicht akzeptierbar“. Die Kelterei kündigte an, die Marke Bembel with Care künftig als Eigenmarke zu führen.

Kuhn erklärte in einer Stellungnahme auf Instagram, er trete als Geschäftsführer von Bembel with Carezurück. Der 41-Jährige äußerte, es tue ihm leid, wenn sein „unglücklich formulierter Beitrag“ Menschen verletzt oder betroffen habe und er entschuldige sich hierfür „in aller Form“. Seine private Aussage habe ein „erfolgreiches Produkt“, das nicht in Verbindung mit der Diskussion um den 8. Mai stehe, „geschädigt“, so Kuhn. Um Schaden von der Marke, von Mitarbeitern und Geschäftspartnern zu vermeiden, ziehe er als Unternehmer die Konsequenzen.

Die Belegschaft von Bembel with Care teilte mit, sie sei „betroffen“ und distanziere sich „eindeutig von den privaten Äußerungen von Benedikt Kuhn“.

Die Kelterei Krämer teilte am Dienstag, 12. Mai, unter dem ausdrücklichen Hinweis „Hersteller von Bembel with Care“ zu sein, mit, dass sich Stefan Krämer, der Inhaber des Familienunternehmens in Reichelsheim-Beerfurth und Kelterei-Vertriebsleiter Karsten Schwinn ab sofort die neue Leitung bei dem Unternehmen in Birkenau teilen werden. „Aus Verantwortung für Mitarbeiter, Produkt und Kunden“ habe Benedikt Kuhn seine Geschäftsführer-Tätigkeit bei Bembel with Care beendet. 

Kelterei Krämer: Kuhn verzichtet „auf jedweden Ausgleich“

Für den Übergang der Marke an die Kelterei Krämer verzichte Kuhn „auf jedweden Ausgleich“, heißt es in der Mitteilung der Kelterei. Alle Vermarktungs- und Lizenzrechte sowie auch das Urheberrecht der Marke Bembel with Care würden von der Kelterei Krämer übernommen. Auch werde Kuhn künftig „weder direkt noch indirekt an Einnahmen der Produkte oder der Marke beteiligt sein“. Dies gelte auch für die zukünftige Markenentwicklung, die Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern sowie das Merchandising auf nationaler und internationaler Ebene. 

Ferner teilten Keltereichef Krämer und Schwinn mit: „Wir beziehen als regionales Unternehmen öffentliche Position, denn wir sehen uns in einer besonderen unternehmerischen Verantwortung für unsere Mitarbeiter, unsere Geschäftspartner, unsere Apfellieferanten und unsere Kunden.“ Man hoffe, dass die „klare Positionierung“ des Unternehmens dazu beitrage, „dass unsere Kunden uns als Hersteller und damit auch dem Inhalt sowie der Marke die Treue halten“. Krämer und Schwinn äußerten, sie seien „optimistisch, dass uns dabei unsere Offenheit, unsere Transparenz und die langjährige Kundenbindung stärkt“. Zugleich bedanke man sich „für kritische Kommentare, aber auch für mutmachende Worte und Signale“.

Die Kelterei und Kuhn müssen allerdings noch die Firmenübernahmen juristisch regeln, weil Kuhn auch als Gesellschafter der Bembel with Care Verwaltungs GmbH mit Sitz in Birkenau fungiert, die für die GmbH & Co. KG persönlich haftet. Die Gesellschaft hatte vor drei Jahren die Verlegung des Sitzes von Mannheim ins südhessische Birkenau beschlossen. Auf der Homepage des Unternehmens heißt es derzeit, der Posten des Geschäftsführers für beide Gesellschaften sei „vakant“.

NPD-Politiker unterstützt Kuhn und trinkt Apfelwein-Kirsche-Mix

Der ehemalige Markeninhaber von Bembel with Care, Benedikt Kuhn, hat sich unterdessen auf seiner Instagram-Seite ausdrücklich für die „Anteilnahme und Unterstützung“ bedankt, welcher er nach der Kritik an seiner Äußerung zum 8. Mai bekommen hat. Unterstützung bekommt Kuhn auch von Rechtsextremen wie dem Landesvorsitzenden der Jugendorganisation der NPD, Thassilo Hantusch, der auf Twitter demonstrativ eine rote Bembel with Care-Dose - in der eine Apfelwein-Kirschsaft-Mischung abgefüllt wird - in die Kamera hielt und sich mit Kuhn und dessen umstrittenen Posting zum 8. Mai ausdrücklich solidarisierte.

Edeka und Rewe nehmen Bembel with Care-Produkte aus dem Sortiment

Die Supermarktkette Rewe hat unterdessen mitgeteilt, die Produkte der Marke Bembel with Carevorerst mehr zu verkaufen. Auf dem offiziellen Twitter-Kanal von Rewe hieß es dazu: „Als multikulturelles Unternehmen stehen wir für Weltoffenheit, Toleranz und Gleichberechtigung. Deshalb haben wir selbstverständlich die Produkte unter der Marke „Bembel with Care“ bundesweit aus unserem Sortiment genommen.“ Konkurrent Kaufland sieht hierfür hingegen keine Notwendigkeit. Mit Verweis auf die Mitteilung der Kelterei Krämer twitterte Kaufland, dass der Hersteller von Bembel with Care „schon eingegriffen“, sich deutlich von den Postings Kuhns distanziert, mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit ihm beendet und zugleich angekündigt habe, die Marke unter dem Dach der Kelterei Krämer einzugliedern. Bei Kaufland sollen die Produkte von Bembel with Care demnach weiterhin verkauft werden. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Mittwoch berichtete, hat auch Edeka Südwest einen Lieferstopp für Bembel with Care verhängt, den Kunden zuvor gefordert hatten.

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