Kommentar

Diskutieren statt bannen

  • Claus-Jürgen Göpfert
    vonClaus-Jürgen Göpfert
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Die Verbannung eines Werks aus dem öffentlichen Raum, auch aus einem Kunstmuseum, sollte stets das letzte Mittel sein. Ein Kommentar.

Es ist gut, dass die wachsende Debatte über alltäglichen Rassismus auch die Kunst erfasst. Es gibt unsägliche Werke, die zu Recht an den Pranger gestellt werden. Das Gemälde „Ziegelneger“ in der Sammlung des Frankfurter Städel-Museums gehört aber nicht in diese Kategorie.

Der Maler und Bildhauer Georg Herold hat 1981 diese Arbeit nicht geschaffen, um Gewalt zu verherrlichen oder Rassismus zu befördern. Herold gehörte Anfang der 80er Jahre für eine kurze Zeit zur Gruppe der „Jungen Wilden“ in der deutschen Kunstszene, die mit bewussten Provokationen das Kunstestablishment aufmischen wollte. „Ziegelneger“ ist ein Beispiel dafür. Das Bild prangert aber rassistische Gewalt gegen einen schwarzen Menschen tatsächlich an, es zeigt sie in keiner Weise positiv oder bejahend. Es stellt klar erkennbar die Angst des schwarzen Menschen dar, der verfolgt wird.

Das Gemälde will verstören und aufschrecken, schon mit seinem Titel. Es will sein Publikum zum Nachdenken bringen. Natürlich ist das Bild schwer auszuhalten, gerade für schwarze Menschen. Die Verbannung eines Werks aus dem öffentlichen Raum, auch aus einem Kunstmuseum, sollte aber stets das letzte Mittel sein. Im Falle des „Ziegelnegers“ ist ein solcher Schritt nicht angebracht. Jetzt braucht es stattdessen eine breite Diskussion über das Gemälde, in der sich auch schwarze Menschen mit ihrer Betroffenheit zu Wort melden. Es stünde dem Städel-Museum gut an, zu dem Thema eine Veranstaltung zu organisieren.

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