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Tippen auf dem Tablet soll das Schreiben mit der Hand nicht ersetzen, sondern ergänzen, fordern Pädagogen.

Digitalpakt

„Tablets anschaffen genügt nicht“

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Für die digitale Schule fordern Eltern, Schüler und Lehrer Weiterbildungen und IT-Support. Und Schutz vor übermächtigen IT-Konzernen.

Eltern, Lehrer und Schüler blicken erwartungsvoll, aber auch mit Sorge auf die Umsetzung des Digitalpakts an den hessischen Schulen. Es sei zwar nötig, dort flächendeckend eine moderne Kommunikationstechnik einzuführen. Allerdings müsse auch dafür gesorgt werden, dass diese dauerhaft funktioniere und die Lehrkräfte auf den Einsatz digitaler Medien ausreichend vorbereitet würden.

Knapp eine Woche, bevor die Landesregierung am nächsten Montag vorstellen will, wie sie sich die Ausgestaltung des Digitalpakts vorstellt, haben Lehrer-, Eltern- und Schülervertreter in Wiesbaden ihre Positionen deutlich gemacht. „Hard- und Software sind zumeist heillos veraltet“, klagte Landesschülersprecher Johannes Strehler am Dienstag. Gerade in ländlichen Regionen sei oft kein Breitband-Internet verfügbar, auch fehle zumeist ein leistungsfähiges WLAN. „Es muss sich also dringend etwas tun“, forderte er. In vielen Klassenräumen gebe es nicht einmal einen Overhead-Projektor.

Insgesamt gut 370 Millionen Euro vom Bund erwartet Hessen in den nächsten fünf Jahren aus dem Digitalpakt. Die Gelder aber reichten hinten und vorne nicht, sagte die GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch. Lediglich 93 Euro je Schüler ständen zur Verfügung. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung seien für Grundschüler aber mindestens 261 Euro, für Schüler von weiterführenden Schulen sogar mehr als 400 Euro für eine gute und nachhaltige Ausstattung nötig.

Der Umgang mit Tablets gehört zum Mündigwerden

Es sei nicht damit getan, ein WLAN zu installieren und Smartboards und Tablets anzuschaffen, erläuterte Korhan Ekinci, Vorsitzender des Landeselternbeirats. „Wichtig ist auch, dass die Schulen einen professionellen IT-Dienstleister mit dem Wartung und dem Support beauftragen können“, sagte er. Auch müsse sichergestellt werden, dass die Geräte frei von Sponsoring seien, damit die Schulen frei entscheiden könnten, was sie anschaffen und wie sie es nutzen wollten. IT-Konzernen dürfe keine Gelegenheit zur Einflussnahme auf die Bildungsinhalte oder Bewerbung ihrer Produkte gegeben werden, sind sich die Vertreter der Lehrer, Eltern und Schüler einig.

„Digitale Medien werden nicht die Lehrkräfte und deren Beziehung zu den Kindern ersetzen“, sagte Mario Michel vom Vorstand des Grundschulverbands Hessen. Ebensowenig könne auf Stift und Papier verzichtet werden. Dennoch könnten digitale Medien Kinder neue Interessensbereiche und Entfaltungsmöglichkeiten eröffnen. „Mit der Hand schreiben, draußen herumtoben, das muss auch künftig geschehen“, so Ekinci. Digitalisierung dürfe nicht zu einem allein- bestimmenden Thema werden. Aber auch er hält Tablets zum Einsatz an Grundschulen für sinnvoll. Der Umgang mit ihnen gehöre dazu, wenn Kinder und Jugendliche zu mündigen Bürgern gemacht werden sollen.

GEW-Vorsitzende Koch mahnte einen Ausbau der Fortbildungsangebote für Lehrkräfte an. Es mangele sowohl an attraktiven Veranstaltungen als auch an Zeit, um diese wahrzunehmen. Auch dafür müsse die Landesregierung mehr Geld einplanen. Zurzeit ständen jeder Lehrkraft jährlich nur etwa 40 Euro für Weiterbildungen zur Verfügung.

Der Digitalpakt

Fünf Milliarden Eurohat der Bund den Ländern insgesamt für die Jahre 2019 bis 2024 zugesagt. Die Länder selbst müssen noch einmal 500 Millionen Euro aufbringen. 

372 Millionen Euro erhält Hessen aus dem Digitalpakt, das sind etwa 74 Millionen Euro im Jahr. Je Schüler sind das etwa 93 Euro pro Schuljahr. Laut Bertelsmann Stiftung ist aber mindestes das Doppelte nötig.

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