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Medizinische Mission in Afrika: Die Super-Drohne aus Darmstadt kann unter ihrem Bauch Medikamentenkisten transportieren.

Gesundheit in Hessen

Digitale Gesundheitshelfer

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Beim E-Health-Kongress in Frankfurt diskutieren Experten über Chancen und Risiken der neuen Digitalwelt im Gesundheitsmarkt.

Wingcopter 178 kann lebensrettende Medikamente oder gekühlte Blutkonserven transportieren. 100 Kilometer weit, mit Tempo 130. Den Test mit dem Frankfurter Markuskrankenhaus hat die Drohne erfolgreich bestanden, demnächst kommt sie in Afrika zum Einsatz. Vier Jahre Forschung und Entwicklung an der Technischen Universität Darmstadt stecken in dem Überflieger.

Am Mittwoch steht er in der Ausstellung des E-Health-Kongresses in Frankfurt. Rund 30 Anbieter zeigen dort, was die schöne neue Digitalwelt im Gesundheitsmarkt zu bieten hat: den Tabletcomputer für das Blutzuckermanagement im Krankenhaus etwa, die Videosprechstunde, den Telearzt für strukturschwache Regionen oder die App mit dem Medikationsplan.

Die Branche boomt. Doch nach wie vor gibt es Vorbehalte und Hürden, die die Einführung neuer Technologie bremsen. Viele Sicherheitsrisiken sind nicht ausgeräumt; auch gibt es Befürchtungen, dass der Computer Aufgaben übernehmen soll, die er nicht erfüllen kann. Etwa das Arzt-Patient-Verhält-nis ersetzen. „Zuvörderst muss der Patient davon profitieren“, fordert Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer. Die Digitalisierung könne die Vernetzung zwischen Praxen und Kliniken verbessern, den Ärzten die Arbeit erleichtern. Doch im medizinischen Ernstfall gebe es keine Alternative zum persönlichen, direkten Kontakt: „Wir Ärzte können zuhören und den Menschen anfassen.“

Die Kooperation zwischen Kliniken und Arztpraxen bedinge zunächst, dass der Wille dazu vorhanden sei, sagt Rainer Greunke, Direktor der Hessischen Krankenhausgesellschaft. „Der ist regional individuell unterschiedlich.“ Die flächendeckende Infrastruktur fehle, um Informationen per Datenautobahn zu transportieren. Auch sei das Ausfüllen der Onlineformulare umständlich. „Wir geben den Patienten jetzt wieder Papier mit“, sagt der in Nordhessen niedergelassene Allgemeinarzt Jan Purr, der sich mit sieben Kollegen zum Gesundheitszentrum Gelstertal zusammengeschlossen hat. Zum lokalen Klinikum bestehe ein direkter Draht, verbesserungswürdig sei der Informationsfluss mit Seniorenheimen. Eine Vereinheitlichung sei hier hilfreich.

Nachholbedarf sieht IT-Sicherheitsexperte Christian Schülke beim Schutz vor Missbrauch. Wenn er als Patient im Behandlungszimmer auf seinen Arzt warte, habe er freien Zugang zu dessen Computer. Der Unternehmer aus Langen fordert Notfallpläne und größtmögliche Sorgfalt, denn die Gefahr sei groß: Im Februar hatte ein Erpressungstrojaner ein Krankenhaus in Neuss lahmgelegt.

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