Papierlose Buchpremiere: Unser Autor publiziert seinen Ägypten-Krimi selbst.
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Papierlose Buchpremiere: Unser Autor publiziert seinen Ägypten-Krimi selbst.

E-Book

Digital Tango

  • vonLutz Büge
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Ein Buch schreiben kann jeder. Schwieriger ist es, es zu veröffentlichen – die Konkurrenz ist groß. Unser Autor brachte seines einfach direkt als E-Book heraus.

Ein Buch schreiben kann jeder. Schwieriger ist es, es zu veröffentlichen – die Konkurrenz ist groß. Unser Autor brachte seines einfach direkt als E-Book heraus.

Der Anfang ist wie immer am schwersten. Der Entschluss, meinen neuen Roman auf eigene Faust als E-Book zu veröffentlichen, stand zwar lange fest, aber als es ans Eingemachte ging, kam ich ins Schwimmen. Allein die Bedingungen des Vertrags mit Kindle! Aber der Reihe nach.

Am Anfang ist das Buch. Sagen wir, es ist ein Roman geworden, und Sie sind die Autorin/der Autor. Nun wollen Sie natürlich, dass Ihr Werk Leser findet. Also bemühen Sie sich, einen Verlag zu finden. Gar nicht so einfach. Sie stellen nicht nur fest, dass es da draußen noch andere Menschen gibt, die denselben Gedanken hatten, sondern auch, dass die Verlage Ihr – unverlangt eingesandtes – Werk nicht beachten.

Wenn Sie Ihren Roman ein Vierteljahr später zurückerhalten, befindet er sich vermutlich in Begleitung einer Standardabsage, die „i. A.“ unterschrieben wurde, und ist im schlimmsten Fall ungelesen. Sie versuchen es dann auf anderen Wegen, gehen auf die Buchmesse und knüpfen Kontakte – wie viele andere auch. Vielleicht schaffen Sie es, einen Literaturagenten für Ihr Werk zu interessieren – immerhin. Dann wäre da noch Books On Demand – nicht verkehrt, Bücher zunächst in Kleinstauflagen herauszubringen. Oder Sie sind bereit, für die Veröffentlichung Ihres Romans sogar zu bezahlen – Finger weg!

Denn da gibt es noch das E-Book. Haben Sie auch schon diese Geschichten gehört? Der Autor Jonas Winner hat den ersten Teil seiner „Berlin Gothic“-Reihe fast 100000-mal verkauft – als E-Book, ohne Werbung dafür zu machen, wie behauptet wird. In den USA gibt es Autorinnen, die via E-Book Millionärinnen geworden sind, etwa die Fantasy-Autorin Amanda Hocking.

Millionär – so hoch hinaus will ich nicht. Es wäre schön, vom Verkauf meiner Romane leben zu können, aber ich will Realist bleiben. Ich glaube, einen publikumstauglichen Roman geschrieben zu haben, einen Roman um einen jungen Mann, der vor aktuellem politischem Hintergrund in Ägypten in eine Auseinandersetzung zwischen Archäologen und Islamisten hineingezogen wird. Er bekommt die Chance seines Lebens und gerät in Lebensgefahr. Ein Abenteuerroman mit dem Titel „Der Osiris-Punkt“, unterhaltsam auch für Leute, die mit Archäologie nichts am Hut haben.

Ich habe diesen Roman professionell lektorieren lassen. Bei einer konventionellen Veröffentlichung würde der Verlag das Lektorat machen. Hier müssen Sie selbst ran. Außerdem sind Sie verantwortlich für Cover, Klappentext, Autorenprofil und nicht zuletzt die Werbung. Das ist viel Arbeit! Sie kommen zudem um Netzwerk-Arbeit via Facebook und Twitter nicht herum, um auf Ihr Werk aufmerksam zu machen.

Dagegen sind die Kindle-Vertragsbedingungen Kleinkram: Das ist zwar viel zu lesen, aber erstens ist im Streitfall ohnehin nicht die deutsche, sondern die englische Vertragsfassung ausschlaggebend, weil Amazon in den USA sitzt, und zweitens werden Sie bei Amazon keine Änderung der Vertragsbedingungen erwirken, so sehr Sie sich auch auf die Hinterbeine stellen. Bei diesem Vertrag geht es um Vertrieb und Preisgestaltung, außerdem darum, dass Sie versichern, zu den Rechten ehrliche Angaben zu machen. Damit hatte ich keine Probleme, denn ich habe meinen Roman von vorn bis hinten selbst geschrieben und besitze damit das weltweite Urheberrecht daran. Also konnte ich diesen Bedingungen problemlos zustimmen und mich dann für eines der beiden Tantiemen-Modelle entschieden. Amazon gibt bis zu 70 Prozent des Verkaufspreises an die Autoren weiter.

Und wie schön ist es, wenn die erste Leser-Rezension auf Amazon eingestellt wird! Beim „Osiris-Punkt“ waren es innerhalb der ersten zehn Tage zwei. In Auszügen: „Ein ganz toll geschriebener Krimi!“, „Und als dann die Papyrus-Rolle gefunden wird, überschlagen sich die Ereignisse und man muss einfach weiterlesen.“ Können Sie sich vorstellen, wie gut das tut?

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