Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Dietzenbach

Dietzenbacher Verein mit 3300 Mitgliedern ist gescheitert

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
    schließen

In Dietzenbach wollen sich vier Sportvereine zu einem 3300-Mitglieder-Club zusammenschließen. In den Versammlungen gab es nun aber zu viele Gegenstimmen.

Der Sport hat es schwer in Dietzenbach: Nur knapp 13 Prozent aller Bürger und Bürgerinnen sind dort Mitglied in einem Sportverein. Zum Vergleich: Hessenweit liegt der Organisationsgrad bei 34 Prozent. Um es dem Sport künftig leichter zu machen, war von langer Hand eine Verschmelzung der vier großen Klubs FC Dietzenbach, TG Dietzenbach, SG Dietzenbach und SC Steinberg zu einem Großverein mit rund 3300 Mitgliedern geplant. Die Fusion kommt aber nicht zustande, weil in außerordentlichen Versammlungen zu viele dagegen votiert haben.

In allen vier Vereinen hätten drei Viertel der Anwesenden für die Verschmelzung stimmen müssen, so will es die gesetzliche Vorgabe. Bei der TG votierten kürzlich 88 von 122 Anwesenden für die Fusion; 92 wären erforderlich gewesen. Beim FC stimmten 13 von 43 Anwesenden gegen die Fusion; fünf Mitglieder enthielten sich, was als Nein-Stimmen gewertet werden muss. Die SG konnte sich tags darauf die außerordentliche Mitgliederversammlung sparen, da die Vorgabe lautete, dass alle vier Vereine Ja sagen müssen. Der SC Steinberg hätte am 18. Dezember abgestimmt.

Die Vereinsverantwortlichen reagierten enttäuscht – zumal sie sich vorher in Mitgliederversammlungen den Auftrag, die Verschmelzung vorzubereiten, hatten legitimieren lassen. „Für uns war nicht erkennbar, dass es so starken Gegenwind gibt“, sagt Urs Schäfer, Vorsitzender der Interessengemeinschaft für Sport- und Freizeitvereine (IG Sport), der gleichzeitig Finanzvorstand der TG Dietzenbach ist. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen“, sagte Michael Wieck, der Vorsitzende des FC.

Seit 2018 liefen in Dietzenbach Vorbereitungen für die Fusion

Drei Jahre lang war die Verschmelzung der vier Sportvereine akribisch vorbereitet worden. So sollten in Zeiten einer immer geringeren Bereitschaft zum Ehrenamt die erforderlichen Kräfte minimiert und Doppelstrukturen zusammengeführt werden. Ein hauptamtlicher Geschäftsführer sollte eingestellt und bezahlt werden, um den Großverein „von oben“ zu steuern, das Sportangebot zu optimieren, mit den Schulen zu kooperieren, sich um die Liegenschaften zu kümmern sowie Fördergeld zu akquirieren. Gleichzeitig sollte das Sportangebot moderner gestaltet werden, um dem Mitgliederrückgang entgegenzuwirken. Corona hatte diesen negativen Trend verstärkt, weil Trainingsangebote entfallen mussten und Mitglieder deshalb ihre Mitgliedschaft kündigten.

Rund 20 000 Euro wurden schon für einen Anwalt als Fachmann für Vereinsrecht sowie einen Steuerberater ausgegeben, der eine detaillierte Schätzung vornahm, was an Grunderwerbssteuer auf den künftigen Großverein zukommen würde.

Immer weniger Mitglieder in Dietzenbacher Vereinen

Schäfer sieht jetzt schwierige Zeiten auf die Vereine zukommen, wenn sie auch künftig „nebeneinander her agieren müssen“. Er zieht einen Vergleich mit den Dietzenbacher Gesangvereinen: „Die haben vor 15 Jahren schon den Fehler gemacht, weiter in ihren eigenen Schneckenhäusern sitzenzubleiben. De facto sind sie jetzt nicht mehr wahrnehmbar“, sagt er. Die schwarzen Wolken für den Sport sind quasi schon aufgezogen: Seine TG sei zwischen 2017 und 2021 um rund 70 Mitglieder geschrumpft, sagt Schäfer – von 550 auf 480 Mitglieder. „Das ist bei den anderen Vereinen im Verhältnis nicht anders.“

Wieck erklärt für seinen FC mit 20 Jugend- und vier Seniorenmannschaften, dass es weniger an Trainern mangele als „an Menschen für die Vorstandsarbeit“. Das Ehrenamt nehme mittlerweile viel Zeit in Anspruch, „wächst einem manchmal über den Kopf“. Corona habe das noch verstärkt. Corona ist möglicherweise auch an dem Nein der Fusionsgegner schuld. Es war nämlich kaum möglich, genügend Abstimmungen über den gemeinsamen Weg in die Zukunft zwischen den Vorständen der Abteilungen, die in den vier Vereinen mehrfach vorkommen, zu terminieren. Einige Mitglieder fühlten sich so wohl nicht ausreichend informiert. „Die Vereinsvorsitzenden könnten versuchen, die Gegner doch noch ins Boot zu holen“, sagt Schäfer. „Nur dann ist eine erneute Abstimmung in den ordentlichen Mitgliederversammlungen im Frühjahr sinnvoll.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare