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Die Welt schaut auf den Schlosspark

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Landgräfliche Gartenlandschaft: Vom Englischen Flügel des Schlosses aus geht der Blick Richtung Dornholzhausen. priedemuth
Landgräfliche Gartenlandschaft: Vom Englischen Flügel des Schlosses aus geht der Blick Richtung Dornholzhausen. priedemuth © jp

Landgräfliche Gartenlandschaft in Europäisches Gartennetzwerk aufgenommen

BAD HOMBURG - Bei klarem Wetter kann man vom Balkon am Englischen Flügel aus bis zum Großen Tannenwald in Dornholzhausen schauen. Diese Sichtachse hatte schon Landgraf Friedrich V. Ludwig im Blick, als er von 1770/71 an vom Schlosspark aus einen schnurgeraden, von Säulenpappeln gerahmten Weg anlegen ließ - die heutige Tannenwaldallee. Entlang dieser Achse erhielt jeder seiner fünf Söhne einen eigenen Garten. Ein weiteres Areal, den Kleinen Tannenwald, schenkte er seiner Frau Karoline. Auch der Schlosspark entstand damals nach englischem Vorbild.

Heute lassen sich die Dimensionen der Landgräflichen Gartenlandschaft nur noch erahnen; die meisten Prinzengärten sind überbaut. Doch Kleiner und Großer Tannenwald, Gustavsgarten, Hirsch- und Forstgarten wurden gartenkünstlerisch wiederhergestellt - das hatten ein bürgerschaftliches Engagement vor einigen Jahren angestoßen und Stadt sowie Schlösserverwaltung unterstützt. Und der von einem nur neunköpfigen Gärtnerteam gepflegte Schlosspark ist ohnehin stets wie aus dem Ei gepellt.

In ihm und auf dem grünen Band der Kurstadt zu wandeln - das genießen vor allem Menschen aus der Kurstadt und der Region. Künftig aber soll dieses einzigartige Landschafts-Ensemble auch über die Grenzen des Rhein-Main-Gebietes hinaus bekannter werden.

Historisch gewachsenes grünes Band

Bereits 2020 haben Stadt und die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens (SG) beim Europäischen Gartennetzwerk EGHN den Antrag auf Aufnahme gestellt. In ihm sind mehr als 180 Gärten aus 14 Ländern vereint. Das Profil der vielfältigen Anlagen soll durch Kontakte und Partnerschaften gestärkt, ihre Bedeutung für Städtebau, regionale Wirtschaft und Tourismus hervorgehoben werden. Mit Corona-Verzögerung konnten SG-Direktorin Kirsten Worms und Bürgermeister Oliver Jedynak (CDU) nun die ersehnte Plakette entgegennehmen. „Das passt aber sehr gut in unser Jubiläumsjahr“, so Worms mit Blick auf 400 Jahre Landgrafschaft. Soeben wurde im Schloss eine Schau mit Persönlichem und Ahnenbildern der einstigen Herrscher eröffnet. Worms wies auf den Balkon am Englischen Flügel hin, den Landgrafin Eliza 1829 vorm Speisesaal hatte anbringen lassen - von dort konnte die Gartenbegeisterte direkt in die Landgräfliche Blickachse schauen. So wie Eliza Pflanzen aus aller Welt nach Homburg brachte - sie ließ auch die prächtigen Zedern anpflanzen -, so international bekannt soll ihr Park künftig werden.

Bürgermeister Jedynak schwärmte vom „grünen Bad Homburg - natürlich nicht in politischer Hinsicht“. Doch auf ihren Wald und ihre Parks könne die Kurstadt stolz sein. Und auf ihr bürgerschaftliches Engagement, vor allem den Förderverein Kleiner Tannenwald. Die Homburger Gartenlandschaft sei für das EHGN von besonderem Interesse, betonte deren Projektmanager Christian Grüßen. „Sie ist historisch gewachsen; die Wiederherstellung dieser vielfältigen Grünachse ist in Zeiten konkurrierender Flächenansprüche und knapper Finanzen beispielhaft“, sagte er. Grüne Netze zu bilden sei gerade jetzt in Zeiten des Klimawandels wichtig.

Als unbebaute Freiräume leisteten die Gärten einen wichtigen Beitrag für die Gesundheit der Menschen, ergänzte SG-Gartenexpertin Dr. Inken Formann.

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