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Die Tafeln in Not

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Viel zu tun: Steigende Preise erhöhen die Nachfrage bei den Tafeln, wie hier in Oberursel. sajak
Viel zu tun: Steigende Preise erhöhen die Nachfrage bei den Tafeln, wie hier in Oberursel. sajak © Sven-Sebastian Sajak

Helfer und Helferinnen sprechen von angespannter Lage und fordern Unterstützung von der Politik

HOCHTAUNUS - Die Lage ist angespannt. „Die Anfrage ist wahnsinnig gestiegen“, sagt Christine Wozny, Mitarbeiterin bei der Tafel Hochtaunus. „Wir haben aber absolut keine Kapazitäten mehr.“ Für Menschen, die sich in sozialer oder finanzieller Notlage befinden, sind die Tafeln seit jeher eine wichtige Anlaufstelle, um mit ihrem stark begrenzten Haushaltsgeld bis zum Monatsende über die Runden zu kommen. Die aktuellen Krisen stellen aber auch die vor Herausforderungen, die in Zeiten großer Not eigentlich anderen helfen sollen.

Bereits vor dem Krieg in der Ukraine hatte das Haushaltsgeld bei vielen Menschen im Kreis nicht bis zum Monatsende gereicht. Zwischenzeitlich landeten auch die Jahresabrechnungen der Vermieter oder Brandbriefe der Energieversorger in den Briefkästen, die es zu begleichen galt. So berichtete diese Zeitung bereits Ende August von einer steigenden Nachfrage bei den Tafeln in Bad Homburg, Oberursel, Friedrichsdorf, Neu-Anspach, Kronberg und Königstein. Zur ohnehin steigenden Zahl kommen laut Umfrage der Tafeln zusätzlich Menschen aus der Ukraine hinzu, die von den Behörden in der Regel an die Tafeln weiterverwiesen werden.

„Nachfrage wird noch steigen“

Knapp zwei Monate später dauert der Ukraine-Konflikt nach wie vor an, die Notlage der Menschen und Tafeln im Kreis entsprechend auch. Dr. Tobias Krohmer, Referent für gesellschaftliche Verantwortung des evangelischen Dekanats Hochtaunus, kann aber für die Tafeln im Kreis vorerst Entwarnung geben. Man registriere ganz klar eine gestiegene Nachfrage bei den Tafeln im Kreis, vor allem wegen der Geflüchteten aus der Ukraine. Noch verfüge man aber über Kapazitäten. Dies liege vor allem an der zeitlichen Beschränkung der Öffnungszeiten, erklärt Krohmer. „Andere Tafeln, die keine zeitlichen Beschränkungen haben, wie zum Beispiel die Frankfurter Tafeln, leiden mehr, da dort natürlich dann auch mehr Leute kommen.“ Teilweise hätten dort schon Leute angestanden, die extra aus Köln angereist seien, weiß Krohmer. Schwierigkeiten bei den Tafeln im Kreis entstünden oft eher aufgrund sprachlicher Barrieren bei den Geflüchteten.

Mit der Versorgung von Lebensmittelspenden gebe es bislang ebenfalls noch keine Probleme. Und: „Einen konkreten Personalmangel an den Tafeln vor Ort haben wir noch nicht“, sagt Krohmer. Man plane sogar, die Kapazitäten zu erhöhen. Derzeit werden allerdings noch Fahrer gesucht, welche die Lebensmittel bei den Spendern abholen. „Allerdings wissen wir auch nicht, was der Herbst bringt“, so Krohmer weiter. Deshalb blickt er etwas sorgenvoll in die Zukunft. Die Nachfrage werde zunehmen, vermutet er, auch von den Einwohnern, die hier im Kreis leben und bislang noch gut über die Runden kämen. „Wir haben aber auch nicht den Anspruch, das Armutsproblem zu lösen“, betont Krohmer. Zwar prüfe man, ob man die Kapazitäten etwas ausbauen könne. Man könne eben aber nur eine bestimmte Anzahl an Menschen aufnehmen. Viele wüssten auch gar nicht, welche staatlichen Leistungen und Hilfen sie über die Tafeln hinaus in Anspruch nehmen könnten.

Von der Politik erhofft sich Krohmer schnelles Handeln. Die Streitigkeiten über das Entlastungspaket bereiten Krohmer deshalb Sorgen. „Die Menschen brauchen eine schnelle Umsetzung der Maßnahmen“, betont er.

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