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Die Stadthistorie erforscht

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Sie sind die ersten Stadthistorikerinnen und Stadthistoriker: Sabrina Bonn, Andreas Klaes, Christa Fink, Torsten Martin und Heinz Humpert (von links). koberg
Sie sind die ersten Stadthistorikerinnen und Stadthistoriker: Sabrina Bonn, Andreas Klaes, Christa Fink, Torsten Martin und Heinz Humpert (von links). koberg © kob

Wegen der Finanzlage der Stadt muss Projekt für zwei Jahre pausieren

BAD HOMBURG - Sie haben 16 Monate lang recherchiert, historische Quellen ausgewertet, Zeitzeugen interviewt und ihre Forschungsergebnisse zusammengeschrieben: Jetzt wurden die fünf Stadthistorikerinnen und Stadthistoriker von Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU) in der Villa Wertheimber für ihre Arbeiten ausgezeichnet, erhielten eine Urkunde sowie die offizielle Bezeichnung „Stadthistorikerin“ beziehungsweise „Stadthistoriker“.

Das Projekt war Ende 2020 vom Amt für Kultur und Bildung unter Leitung von Dr. Bettina Gentzcke ins Leben gerufen worden. Dafür hatte die Stadt Bürger gesucht, die ein selbst ausgewähltes Thema aus der Stadtgeschichte recherchieren und zu Papier bringen wollten. Unterstützt wurde das Projekt von der Werner Reimers Stiftung in Bad Homburg sowie der Stiftung Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt (SPTG), die schon seit 2007 die Menschen in der Mainmetropole dazu motiviert, sich mit der Geschichte ihrer Stadt zu beschäftigen.

Sabrina Bonn wurde durch das Thema ihrer Examensarbeit über die Geschichte der Frauen zu weiteren Forschungen in Bad Homburg inspiriert und arbeitete zu dem Thema: „Unsichtbar? Homburgerinnen zu Beginn des Ersten Weltkrieges“. Andreas Klaes hatte durch eine Biografie über die erste Frau von Walter Lübke von dem ehemaligen Oberbürgermeister der Kurstadt erfahren und machte das Leben des Politikers zum Thema seiner Arbeit: „Walter Lübke - Oberbürgermeister von Homburg von 1907 bis 1924 in einer schweren Zeit (Kaiserzeit, 1. Weltkrieg, Nachkriegszeit)“.

Torsten Martin beschäftigte sich mit dem Leben der Menschen in Ober-Erlenbach im vergangenen Jahrhundert, befragte Zeitzeugen, stellte ihre Geschichten in einem Buch mit dem Titel „Zeugen vergangener Zeit. Ober-Erlenbach erinnert sich an das 20. Jahrhundert“ zusammen. Durch einen Zufall waren Heinz Humpert, dem Zweiten Vorsitzenden des Geschichtlichen Arbeitskreises Gonzenheim, 860 Feldpost-Liebesbriefe eines jungen Soldaten aus Gonzenheim und einer jungen Frau in die Hände gefallen. Zusammen mit Christa Fink übertrug er die in Sütterlin geschriebenen Texte in die heutige lateinische Schrift. Anschließend stellten Humpert und Fink die Briefe in einem Buch zusammen: „Es war einmal ein treuer Husar und seine Freundin. Liebesbriefe aus dem 1. Weltkrieg, geschrieben von Martin Wagner und Ottilie Meireis“.

Anfang September hatten die fünf Projektteilnehmer ihre Arbeiten der Jury eingereicht, der neben Dr. Bettina Gentzcke als Leiterin des Gremiums Dr. Katharina Bechler (Leiterin des Fachbereichs Museen der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen), Rechtshistorikerin Prof. Barbara Dölemeyer, Dr. Albrecht Graf von Kalnein (Vorstand der Werner Reimers Stiftung), Dr. Astrid Krüger (Leiterin des Stadtarchivs Bad Homburg) sowie Dr. Peter Lingens (Stellvertretender Leiter des Städtischen historischen Museums) angehörten.

Sonderpreis auf alle verteilt

Ursprünglich sollte die beste Arbeit noch zusätzlich mit dem mit 500 Euro dotierten „Johann- Georg-Hamel-Preis“ ausgezeichnet werden, den die Werner Reimers Stiftung extra zu diesem Zweck ins Leben gerufen hatte. Doch bei der Bewertung der Arbeiten beschloss die Jury angesichts der jeweiligen Besonderheiten sowie der Schwierigkeiten durch Corona alle fünf Stadthistoriker jeweils mit 200 Euro auszuzeichnen, die ebenfalls von der Werner Reimers Stiftung finanziert werden.

Anfängliche Projekt-Idee war es, im Anschluss an die erste Runde erneut geschichtsinteressierte Bürger einzuladen, sich mit der Geschichte von Bad Homburg als „Stadthistoriker“ zu beschäftigen. Aber aufgrund der schwierigen Finanzsituation muss das Projekt in den nächsten zwei Jahren pausieren.

Die erste Runde der Stadthistoriker stellt ihre Arbeiten in den nächsten Monaten als Vorträge und in weiteren Lesungen vor. Die ausformulierte Arbeit von Christa Fink und Heinz Humpert kann als Buch bei Heinz Humpert unter der E-Mail-Adresse heinz.humpert@gagzh.de für 56 Euro erworben werden. Das Buch über die Geschichten der Ober-Erlenbacher Zeitzeugen wiederum gibt es bei der Heimat-Stube in Ober-Erlenbach für 15 Euro zu kaufen.

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