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Der TV Eschersheim hat während der Pandemie Stunden draußen angeboten.
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Der TV Eschersheim hat während der Pandemie Stunden draußen angeboten.

GASTBEITRAG

Die Sportvereine waren nie inaktiv

Die Vorsitzende der Landessportjugend Hessen, Juliane Kuhlmann, über die Auswirkungen der Pandemie für den organisierten Sport und wie die Menschen wieder aktiviert werden können.

Gerade macht sich Euphorie breit: Im Sport, im Leben ist wieder vieles erlaubt. Es ist der Moment, auf den wir lange gewartet haben. Endlich durchatmen. Oder beim Sport: endlich mal wieder kurzatmen! Weil man sich richtig ausgepowert hat, weil die Teamkameraden einen zum Lachen bringen, weil man das Training nicht mehr gewohnt ist.

Gerade mag man nicht daran denken, was die Pandemie angerichtet hat, sondern sich lieber an dem erfreuen, was ist. Als ich meinen Sohn kürzlich zum Hockey-Schnuppertraining gebracht habe, war ein solcher Moment: Das Leuchten in den Augen der Kinder, die endlich wieder ohne Maske und gänzlich unbefangen auf Gleichaltrige trafen, die wild vor Freude über den Platz jagten – das hat mein Herz berührt und ihm gleichzeitig einen Stich versetzt. Denn natürlich sind es gerade die Kinder, die in den vergangenen Monaten gelitten haben, bei denen motorische Einschränkungen, Übergewicht, Konzentrationsschwierigkeiten zugenommen haben.

Doch Klagen bringt wenig. Besser ist es, die richtigen Lehren zu ziehen. Die wichtigste: Sportvereine sind für unsere Gesellschaft von unvorstellbarem Wert. Sie bieten nicht nur Bewegung und verbessern die körperliche Gesundheit. Sie sorgen auch für psychisches Wohlergehen – bei Kindern, Erwachsenen und Senioren gleichermaßen – und erzeugen eine Gemeinschaft, die in Zeiten gesellschaftlicher Spaltung bitter nötig ist. Wenn wir jetzt Zwischenbilanz ziehen, dürfen wir nicht verschweigen, wie schwierig die Pandemie für die hessischen Sportvereine war. Mit Stolz können wir aber auch auf das blicken, was sie geleistet haben: Anpassungsfähig und kreativ wurden neue Formate entwickelt. Bei Lockerungen wurden Hygienekonzepte zum x-ten Mal überarbeitet. Inzwischen findet viel Outdoor-Training statt, Vereine planen Sommerfeste, kleine Wettkämpfe und Aktionstage. Viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit werden investiert. Die Vereine, sie waren nie inaktiv und erleben jetzt auch deshalb eine oftmals überwältigende Resonanz.

Mit der Kampagne #sportVEREINtuns will der Landessportbund die Vereine unterstützen, diesen Schwung zu nutzen. Mit tollen Motiven können sie darüber für sich und ihre Angebote werben. Doch werden die Aktiven auch kommen? Werden Kinder einen Einstieg finden? Wer die strahlenden Augen auf dem Hockeyfeld gesehen hat, will das mit Ja beantworten.

Aufgabe der Vereine, des Landessportbundes und der Sportjugend ist es nun, auch diejenigen anzusprechen, die nicht von alleine kommen. Die Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten, aber auch mit Senioreneinrichtungen oder Migrantenorganisationen wird deshalb noch wichtiger.

Wichtig ist auch die Frage, wie man Ehrenamtliche motiviert dabeizubleiben und neue gewinnt. Dass die Vereine einen großen Sprung in Sachen Digitalisierung gemacht haben, sollte dabei helfen. Gerade junge Menschen haben hier Kompetenzen. Das motiviert! Finden Vorstandssitzungen hybrid statt, kommt eine Mitarbeit auch für diejenigen infrage, die weiter weg arbeiten oder schwerlich einen Babysitter finden. Digitale Fortbildungen bieten niederschwellige Zugangsvoraussetzungen. Und wer in der Pandemie seine Social-Media-Kanäle ausgebaut hat, bietet eine digitale Schnittstelle, über die gerade Jugendliche häufig den ersten Kontakt zu einem Verein suchen.

Kurzum: Der organisierte Sport muss und wird die Digitalisierung als Chance begreifen. Er wird aber auch auf das setzen, was ihn so stark macht: gelebte Gemeinschaft. Die größte Aufgabe nach der Pandemie steht deshalb fest: Der Sport muss noch mehr, noch bessere Zugänge ermöglichen. Damit alle von seiner positiven Wirkung profitieren.

Juliane Kuhlmann ist Vorsitzende der Sportjugend Hessen und Vizepräsidentin Kinder- und Jugendsport des Landessportbundes Hessen (LsbH). Im kommenden Jahr kandidiert die Mutter zweier Söhne um die Nachfolge von Präsident Dr. Rolf Müller.

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