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„Die Situation ist schwierig wie nie“

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Ein Bad Homburger Vater holt seine beiden Töchter aus der städtischen Kita Hessengärten ab - im Eingangsbereich erinnert ein Plakat an die seit zwei Wochen eingeschränkten Öffnungszeiten. Reimer
Ein Bad Homburger Vater holt seine beiden Töchter aus der städtischen Kita Hessengärten ab - im Eingangsbereich erinnert ein Plakat an die seit zwei Wochen eingeschränkten Öffnungszeiten. Reimer © Manuela Reimer

Kitas klagen über Personalmangel / Frust bei Eltern und Erzieherinnen wächst

BAD HOMBURG - Droht in diesem Winter der Kita-Kollaps? Fest steht: Die Lage in den Kindertagesstätten in Bad Homburg ist schon jetzt im Herbst angespannt wie nie. Mehrere Einrichtungen haben die Öffnungszeiten eingeschränkt, weil aufgrund von Krankheitsfällen und Personalmangel nicht genug Erzieherinnen da sind, um die Kinder zu betreuen. Eine Bad Homburger Elternvertreterin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, berichtet von einem Elternabend, der kürzlich stattgefunden habe. „Die Fachkräfte geben sich viel Mühe, aber sie wirken müde.“ Die Situation zehre: „Der Personalmangel ist für die Eltern, aber auch für die Erzieher ein täglicher Stress und eine große Herausforderung.“

Mit einem höheren Personalschlüssel, meint die Mutter von zwei Kindergartenkindern, die eine städtische Kita besuchen, „könnte man diese Probleme beseitigen“. Doch sie befürchtet, „dass hier nichts passieren wird“. Die Fachkräfte selbst, berichtet sie weiter, hätten „ausdrücklich den Wunsch nach einer Aufstockung des Personals“ geäußert - allerdings seien den Kitas aufgrund eines von OB Alexander Hetjes (CDU) verfügten Einstellungsstopps die Hände gebunden, wie die Familien erfuhren. Mit einer „Notbremse“ hatte die Stadt im Frühjahr bekanntlich auf den krisenbedingten Gewerbesteuereinbruch reagiert. Man könne nichts tun, wie die Erzieher den Eltern erklärten, nachdem sie sich bei den Müttern und Vätern entschuldigt hätten, die sich immer wieder auf Einschränkungen einstellen müssen - meist per E-Mail oder Aushang am Morgen mitgeteilt und unmittelbar wirksam.

Teilweise müssen die Eltern die Kinder am gleichen und den folgenden Tagen dann nach dem Mittagessen abholen, teilweise um 14 oder vor 16 Uhr - bei einer regulären Öffnungszeit bis 17 Uhr. Die Situation sei schwierig wie nie, sagt die Elternvertreterin. Außer eingeschränkten Betreuungszeiten komme es vermehrt auch dazu, dass Ausflüge und andere pädagogische Angebote abgesagt werden müssten.

Prekär ist, beziehungsweise war die Lage dieser Tage unter anderem an den Kitas in Ober-Eschbach und in Ober-Erlenbach, wo die Betreuungszeiten reduziert wurden. An der städtischen Kita Hessengärten kommt es seit Monaten immer wieder zu personellen Engpässen - zuvor hatten mehrere Fachkräfte die Einrichtung, die über zwei Kindergartengruppen und einen Hort verfügt, verlassen.

„Viele Erzieher können sich das Wohnen in Bad Homburg nicht leisten. Irgendwann pendeln sie nicht mehr, Erzieher werden ja überall gesucht. Zwei sind weggezogen, eine hat woanders ein Haus gefunden“, berichtet eine betroffene Familie. „Wenn vom verbleibenden Personal dann jemand krank wird, ist die Betreuung nicht mehr gewährleistet.“ Ende August sah das beispielsweise so aus: „Wann immer es Ihnen möglich ist, behalten Sie Ihr Kind bitte zu Hause“, hieß es in einer E-Mail an die Kindergarteneltern. Aufgrund von Krankheit gebe es kein Personal. Eine Woche lang könne nur eine Notbetreuung zwischen 8 und 12 Uhr stattfinden - für maximal 15 von mehr als 40 Kindern.

Schließungen sollen vermieden werden

„Insgesamt ist die Lage in den Kitas derzeit absolut kritisch“, bestätigt Stadtsprecher Marc Kolbe. Der Krankenstand sei ungewöhnlich hoch. „Wir spüren stark Corona, aber auch noch eine zweite heftige Erkrankungswelle“, sagt Kolbe. Covid spiele immer noch eine „sehr große Rolle“: „Und wir bewegen uns auf eine Zeit zu, von der niemand so genau weiß, was kommt. Wir sehen ja schon, dass die Inzidenzen steigen.“ Die Erzieherinnen seien „am Anschlag“, formuliert es der Stadtsprecher. „Sie sind durchgehend im engen Kontakt mit den Kindern, und sie können ja auch nicht nur Kinder annehmen, von denen sie wissen, dass die Eltern toll aufpassen.“

Das Kita-Personal sei „an der Leistungsgrenze angekommen“, sagt Kolbe. Aber: Die Unterbesetzungsquote an den städtischen Einrichtungen liege im „einstelligen Prozentbereich“, insgesamt fehlten nur wenige Fachkräfte. „Da stehen wir gut da. Aber auf größere Krankheitsausfälle können wir schwerlich reagieren.“ Ziel sei, Schließungen zu vermeiden. „Im Moment müssen wir keine Häuser schließen.

An drei, vier Kitas kommt es aber immer wieder zu verkürzten Öffnungszeiten. Bei den freien Trägern passiert dasselbe“, erklärt Kolbe. Der Einstellungsstopp, der die Eltern alarmierte, gelte nicht für pädagogische Fachkräfte - sofern es „Vakanzen“ gebe -, da sei sich der Magistrat einig: „Es gibt eine Ausnahmeregelung. Die Stellen müssen beantragt und begründet werden und gehen dann durch den Magistrat.“

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