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Auch in den Städten werden die Radwegenetze dichter, wie hier in Frankfurt auf der Hochstraße.  Christoph Boeckheler
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Auch in den Städten werden die Radwegenetze dichter, wie hier in Frankfurt auf der Hochstraße.

Strategie

Die Region in Bewegung halten

  • Peter Hanack
    vonPeter Hanack
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Das Mobilitätskonzept des Regionalverbands zeigt auf, welche Möglichkeiten für nachhaltigen Verkehr in Frankfurt und Rhein-Main umgesetzt werden könnten.

Wie kann der Ballungsraum Rhein-Main mit seinen vielen Pendler:innen, den Zuzügler:innen, den Millionen Bewohner:innen auf Dauer mobil bleiben? Wie kann das gelingen, ohne alles zuzupflastern und in Lärm und Dreck zu ersticken? Der Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main versucht in seiner Mobilitätsstrategie für die Region, darauf Antworten zu geben.

Längst nicht alles, was der Verband in der knapp 60 Seiten umfassenden Zusammenstellung aufführt, kann er auch selbst umsetzen. Die Zuständigkeiten dafür liegen häufig beim Bund, dem Land oder den Kommunen. Und doch vermittelt das Strategiepapier eine Vorstellung davon, wie es gelingen könnte, die Ansprüche an Mobilität mit dem Versuch zu vereinen, die Region insgesamt lebenswert zu erhalten. Mehr Radschnellwege, zusätzliche Haltestellen für Busse und Bahnen sowie der Bau von Bike-and-Ride-Anlagen sind nur einige der insgesamt 19 Komponenten.

Messbare Ziele setzen

„Eine der Leitfragen ist, wie Städte aussehen müssen, in denen ich gerne lebe, einkaufe, arbeite“, sagt Rouven Kötter (SPD), der Erste Beigeordnete des Verbands. Er ist dort für das Thema Mobilität verantwortlich und von den 75 Mitgliedskommunen mit der Erarbeitung einer solchen Strategie beauftragt worden. Bei der Frage nach den Städten sei eine Aufenthaltsqualität ebenso wichtig wie eine Mobilitätsqualität.

Deshalb gehe es auch nicht allein um Großprojekte wie einen Fernbahntunnel, die Regionaltangente West oder die nordmainische S-Bahn. Sondern auch um viele kleinere Dinge, die unmittelbar vor Ort umgesetzt werden könnten. „Wir brauchen schon heute Verbesserungen und können uns nicht hinter den großen Vorhaben verstecken, sonst bewegt sich nichts“, mahnt Kötter.

Auf dem Land

Auf dem Land ist es um die Mobilität jenseits des eigenen Autos oft schlecht bestellt. Der Bus fährt nur ab und zu, Bahnverbindungen werden ausgedünnt, Radwege als kurze Verbindung zwischen den Orten, etwa entlang von Land- oder Bundesstraßen, haben Seltenheitswert. Doch natürlich gibt es auch dort jede Menge Ideen, wie sich die Situation verbessern ließe.

Unter dem Oberbegriff „Land-Mobil – gemeinsam unterwegs in ländlichen Räumen“ sollen nun ausgewählte Projekte auf ihre Umsetzbarkeit getestet werden. Im Rahmen des Bundesprogrammes Ländliche Entwicklung insgesamt 41 Projekte im gesamten Bundesgebiet ausgewählt worden, die drei Jahre gefördert werden: vom „Ride-Sharing“, also der Vermittlung von Fahrten via Mitfahrzentrale, über verschiedene Leihfahrzeuge bis hin zur Förderung des öffentlichen Nahverkehrs. Für jedes der Einzelprojekte stehen bis zu 180 000 Euro zur Verfügung.

Die Universität Kassel soll die Projekte wissenschaftlich begleiten und evaluieren, wie wirksam die einzelnen Maßnahmen sind. Dafür stehen insgesamt weitere 450 000 Euro zur Verfügung. pgh

„Wir müssen uns konkrete und messbare Ziele setzen“, sagt der SPD-Politiker. Eines dieser Ziele sei es, den Anteil des Autoverkehrs in der Region an der gesamten Mobilität bis zum Jahr 2030 um mindestens zehn Prozent zu senken. Dies sei ein realistisches, allerdings auch ambitioniertes Ziel, selbst wenn zehn Prozent scheinbar wenig seien.

Bislang nutzen rund die Hälfte der Pendler:innen das Auto für den Weg zur Arbeit, insgesamt werden etwa 45 Prozent aller Wege mit dem Auto zurückgelegt. Knapp 30 Prozent entfallen auf den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV), zwölf Prozent auf das Fahrrad. Künftig sollen zwei Drittel des Verkehrs mit dem ÖPNV, auf dem Rad oder zu Fuß bewältigt werden.

Dazu müssten beispielsweise die vorhandenen Kapazitäten im öffentlichen Nahverkehr besser genutzt werden. Die Nutzung des Autos solle nicht vordringlich verboten oder eingeschränkt werden. Stattdessen sollten die Alternativen attraktiver werden. Auch der Mix der Verkehrsmittel müsse einfacher sein.

Kötter selbst pendelt mitunter mit dem E-Bike von seinem Wohnort Wölfersheim nach Frankfurt. Dazu brauche er zwei Stunden, erzählt er. „Das ist schön und anstrengend, aber natürlich nicht jeden Tag möglich.“ Wolle er aber ab Friedberg mit der Bahn fahren, finde er kaum eine geeignete Abstellmöglichkeit für das Rad. „Es gibt dort bislang nur wenige sichere Möglichkeiten wie etwa Fahrradgaragen zu mieten“, berichtet er.

Deshalb gehört zum Konzept des Verbands neben dem Schließen von Lücken im Radwegenetz der Ausbau von Knotenpunkten, an denen leicht vom Rad oder dem Auto auf die Schiene gewechselt werden kann. Auch Car-Sharing-Angebote oder die Möglichkeit, ein Verkehrsmittel auf Abruf nutzen zu können – wie das elektrische Sammeltaxi „Hopper“ im östlichen Kreis Offenbach und Teilen Hanaus – sind Teil des Konzepts.

Kötter versteht den Verband dabei als einen „Kümmerer“ und Organisator, der die Akteur:innen miteinander vernetzt. Beispielsweise, wenn Kommunen an ihren Haltestellen Fahrradunterstellplätze anlegen wollten. „Eine Förderung dafür gibt es erst ab 100 000 Euro, die einzelnen Vorhaben erreichen diese Schwelle oft nicht.“ Eine der originären Aufgaben des Verbands sei es daher, solche Projekte zu bündeln und dann für alle einen Zuschuss bekommen zu können.

Das Konzept „Frankfurt-Rhein-Main in Bewegung“ ist auf der Internetseite www.region-frankfurt.de in der Rubrik Themen zu finden.

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