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„Die Not wird schamlos ausgenutzt“

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Von: Gregor Haschnik

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Vor allem Menschen mit wenig Geld haben kaum Chancen auf dem Wohnungsmarkt.
Vor allem Menschen mit wenig Geld haben kaum Chancen auf dem Wohnungsmarkt. © imago images/Hanno Bode

Wie Wohnungssuchende sich vor Betrug schützen können.

Betrügerische Aktivitäten auf dem Wohnungsmarkt seien alles andere als Einzelfälle, besonders in Regionen wie dem Rhein-Main-Gebiet, sagt Eva-Maria Winckelmann vom Landesverband Hessen des Deutschen Mieterbunds. „Die Wohnungsnot der Menschen wird schamlos ausgenutzt“, kritisiert die Geschäftsführerin. Sie stünden unter Druck, hätten Angst, wieder nichts zu bekommen und zahlten manchmal trotz Magengrummeln.

Kautionsbetrug gebe es in unterschiedlichen Formen. Mal würden Ferienwohnungen gezeigt, mal laufe es ohne Besichtigung. Dabei profitierten die Betrüger:innen, die häufig auf Immobilienportalen inserierten, zum Teil davon, dass die Betroffenen von weit her nach Frankfurt und Umgebung ziehen wollten.

Winckelmann empfiehlt unter anderem, konkrete Fragen zur Wohnung und zur Hausgemeinschaft zu stellen und zu beobachten, ob die Anbieter:innen ins Schwimmen kämen. Außerdem sollte erst eine ordentliche Schlüsselübergabe stattfinden und erst danach überwiesen werden. Seriöse Vermieter:innen seien damit einverstanden, ebenso wie mit einer Bankbürgschaft für eine Mietkaution. Im Grundbuchamt ist zudem einsehbar, wem die Immobilie gehört.

Vorkasse als Warnsignal

Wie in anderen Fällen sei eine „gesunde Vorsicht“ wichtig, etwa wenn Geld ins Ausland überwiesen werden solle und weitere Faktoren stutzig machten. Manchmal sind die Übergänge zwischen dreisten, nicht rechtmäßigen Forderungen und Betrug fließend.

Die Verbraucherzentrale warnt vor weiteren Maschen: Manche forderten in Gegenden mit einem besonders knappen Wohnungsangebot vorab viel Geld für Besichtigungen von Immobilien, die sich schließlich als Fake herausstellen können. Oder die Opfer erhalten einen Schlüssel per Post, der aber nicht passt und für den auch noch eine Nachnahmegebühr anfällt. Darüber hinaus werden im Namen von Immobilienportalen sogenannte Phishing-Mails verschickt, bei denen man Anhänge mit Schadsoftware öffnen oder persönliche Daten in gefälschte Anmeldemasken eingeben soll. Andere Kriminelle verlangten, eine Kopie des Personalausweises zu schicken, um unter der Identität des Interessenten illegale Geschäfte zu machen.

Als Warnsignale nennt die Verbraucherzentrale ungewöhnlich niedrige Preise, Vorkasse, Widersprüche zwischen Text und Bild sowie kopierte Anzeigentexte oder Fotos, etwa aus Katalogen. Letzteres lässt sich zum Beispiel über die Eingabe in Suchmaschinen erkennen.

Das hessische Landeskriminalamt (LKA) rät auf Nachfrage, keine persönlichen Daten anzugeben und kein Geld zu überweisen, wenn einem Immobilienanzeigen verdächtig vorkämen. Erhärte sich der Verdacht, sollte umgehend Strafanzeige bei der Polizei erstattet und das betrügerische Inserat dem betroffenen Portal gemeldet werden. Das LKA empfiehlt, sofort die eigene Bank zu informieren. Zumindest bei einer Überweisung per Lastschrift könne man innerhalb von acht Wochen eine Erstattung des Gelds verlangen.

Weitere Hinweise auf www.polizei-beratung.de sowie auf www.verbraucherzentrale.de.

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