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Die neue Frau fürs Ehrenamt

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Asmaa Amakran ist im Bad Homburger Rathaus Ansprechpartnerin bei allen Fragen rund ums Ehrenamt. Konopatzki
Asmaa Amakran ist im Bad Homburger Rathaus Ansprechpartnerin bei allen Fragen rund ums Ehrenamt. Konopatzki © hko

Asmaa Amakran soll Interessenten und Vereine zusammenbringen

BAD HOMBURG - Wir brauchen in der Gesellschaft die Rückbesinnung auf Werte. Und das Ehrenamt kann ein Ausdruck der Freiheit des Einzelnen und seiner Verantwortung für unsere Gesellschaft sein.“ Dieser Appell, den der damalige Bundespräsident Johannes Rau (SPD) vor mittlerweile 23 Jahren an die Gesellschaft gerichtet hat, hat in den vergangenen Jahren gefruchtet. Vor allem durch die Corona-Pandemie und zuletzt durch die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine haben sich zahlreiche Menschen zusammengefunden, um unentgeltlich Gutes zu tun.

Der Bedarf ist da - und er steigt weiter. Denn die öffentliche Hand, die normalerweise vieles im kulturellen und sozialen Sektor organisiert, ermöglicht oder zumindest fördert, muss als Folge der Krisen kleinere Brötchen backen. Umso wichtiger ist es, das Ehrenamt zu fördern.

Das kann finanziell sein, aber auch organisatorisch. Und da können sich Bad Homburger, die sich ein ehrenamtliches Engagement vorstellen können, und Vereine, beziehungsweise Gruppen, einen Namen merken: Asmaa Amakran. Die 39-Jährige ist jetzt seit gut drei Monaten die Frau fürs Ehrenamt im Bad Homburger Rathaus und bei allen Fragen rund um das Thema die richtige Ansprechpartnerin. Bei ihr kann man die Ehrenamtskarte beantragen und Vereine können bei Amakran Fragen klären. Dabei hat sie einen für diese Position ungewöhnlichen Weg hinter sich. „Ich bin gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau und habe zunächst als Marketing-Managerin gearbeitet“, verrät Amakran. Der Wunsch nach beruflicher Veränderung habe sie dann 2017 ins Rathaus geführt. „Ich war dort im Bereich Wirtschaftliche Jugendhilfe tätig.“

Dort werden alle Leistungen der Jugendhilfe, die Kosten verursachen, bearbeitet. So wird hier unter anderem die Kostenbeteiligung der Eltern berechnet. Dort gab es, über die Organisationen der Wohlfahrt als freie Träger, die ersten Schnittpunkte zum Ehrenamt, „parallel habe ich mir das Verwaltungswissen aufgebaut“, erzählt sie. Als dann die Stellenausschreibung als Ehrenamtsbeauftragte herauskam, warf sie ihren Hut in den Ring - und bekam die Stelle als „zentrale Ansprechpartnerin für Ehrenamtliche und Vereine“.

Netzwerk soll aufgebaut werden

Derzeit ist sie dabei, ein Netzwerk aufzubauen, Vereine anzuschreiben und über das neue Angebot zu informieren. Kein einfaches Unterfangen. „Wir haben festgestellt, dass es einige Vereine aus unseren Datenbanken gar nicht mehr gibt.“ Jetzt werden die Datenbanken aktualisiert, bei den Stadtteil- und Familienzentren war sie schon vorstellig. Auch die Plattform „Freinet Online“, auf der Bedarfe im sozialen Bereich angemeldet werden können, soll bald stärker in die Öffentlichkeit gebracht werden. „Derzeit nutzen wir es noch intern. Später soll es auf der städtischen Homepage eingebunden werden, so dass etwa Vereine eigenständig darauf zugreifen können.“ Über allem steht der Gedanke der Vernetzung. So sei eine Schnittstelle mit der Ehrenamtsdatenbank des Landes (www.ehrenamtssuche-hessen.de) möglich, auch sei man mit der Landesehrenamtsagentur eng vernetzt. Persönliche Beratung gibt’s ebenfalls. Amakran sagt: „Zum Beispiel wollte sich ein pensionierter Rechtsanwalt ehrenamtlich einbringen. Er wollte was in Richtung Sprache machen.“ Amakran konnte ihn an eines der Familienzentren vermitteln, wo er nun Migranten bei Anträgen hilft.

Dabei seien Menschen, die sich eher für Projekte engagieren möchten, genauso willkommen wie solche, die sich dauerhaft einer Sache verschreiben wollen. Gruppen, die sich zusammenfinden, können bei Amakran erfahren, wie eine Vereinsgründung funktioniert, außerdem fungiert sie als „Anlaufstelle für Qualifizierungs- und Koordinationsmaßnahmen für bürgerschaftliche und soziale Arbeit“ und kann spezielle Fördermaßnahmen des Landes vermitteln. Auch wenn Vereine ein Projekt auf die Beine stellen oder eine große Anschaffung stemmen wollen, wird die Fachfrau nicht abwinken, sondern kann bei der Suche nach Stiftungen oder Fördertöpfen unterstützen. „Ich kümmere mich um jede Anfrage, aber ich habe keinen Einfluss auf das Ergebnis“, schränkt sie realistisch ein.

Die Bedeutung des Ehrenamts hebt Stadtsprecher Marc Kolbe hervor und bekennt: „Für die öffentliche Hand ist das Ehrenamt ein Stück weit Eigennutz, indem dort gesellschaftliche Aufgaben und somit Kosten übernommen werden. Es ist also nur fair, dass wir das Ehrenamt mit all’ unseren Möglichkeiten unterstützen.“ Auch müsse Ehrenamt gewürdigt werden, in der Stadt geschehe das unter anderem mit der Verleihung der Silbernen Ehrennadel. „Vereine können dafür Personen vorschlagen, die viel geleistet haben“, erläutert Amakran. „Dabei gehe es vor allem um die Menschen, die oft im Hintergrund dafür sorgen, dass der Laden läuft. Vor diesen guten Seelen der Vereine ziehe ich meinen Hut“, ergänzt Amakran. Erreichbar ist die neue Frau fürs Ehrenamt für Interessierte im Bad Homburger Rathaus unter 0 61 72 / 1 00 11 57 oder per E-Mail an die Adresse asmaa. amakran@bad-homburg.de.

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