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Anlieferung von Schweinehälften in die Wurstfabrik an der Schleussnerstraße in Neu-Isenburg. GHK Neu-Isenburg
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Anlieferung von Schweinehälften in die Wurstfabrik an der Schleussnerstraße in Neu-Isenburg. GHK Neu-Isenburg

Neu-Isenburg

Die Neu-Isenburger Geschichte der Frankfurter Würstchen

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Eine Broschüre des Geschichtsvereins Neu-Isenburg präsentiert neue Erkenntnisse und historische Fotos über die Wurstfabrik Luft, die Frankfurter Würstchen herstellte.

Sie heißen zwar Frankfurter Würstchen – aber jahrzehntelang wurden sie in Neu-Isenburg hergestellt. Die Wilhelm Luft Wurst- & Fleisch-Konserven-Fabrik produzierte sie unter anderem an der heutigen Schleussnerstraße – dort, wo bald Kinderlachen zu hören sein wird und geschäftiges Markttreiben herrschen wird. Die ehemaligen Fabrikgebäude liegen nämlich mitten im Stadtquartier Süd, dem gerade entstehenden Siedlungsgebiet. Der Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur Neu-Isenburg (GHK) stellt jetzt in einer 33-seitigen Broschüre die Geschichte der einstigen Wurstfabrik und die damalige Produktion der Würstchen in Wort und Bild dar.

1877 eröffnete Wilhelm Luft auf der Frankfurter Straße in Neu-Isenburg eine Metzgerei, die sich schon bald auf Frankfurter Würstchen spezialisierte. Im späten 19. Jahrhundert blühte das Geschäft, die Produktionsgebäude wurden Anfang des 20. Jahrhunderts sogar zu klein, obwohl das Betriebsgelände bis weit in den Alten Ort hineinreichte. Luft verlegte seine Würstchenproduktion deshalb von der Frankfurter Straße an die Schleussnerstraße, die damals noch Riedstraße hieß.

Kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs zogen die Wurst- und Fleischkonserven, die Metzger und die Arbeiter:innen also an den Südrand der Stadt in das erste Gewerbegebiet, das sich nach Eröffnung des Güterbahnhofs gebildet hatte. Die Wurstfabrik entstand neu mit Verwaltungsgebäude, Werkswohnungen, zwei Hallen, Maschinenhaus, Kesselhaus und Schlosserei. Von 1914 an wurden dort die berühmten Würstchen hergestellt und in Konservendosen gefüllt, bis Luft das Grundstück mit Gebäuden Ende 1919 an die Reichsmonopolverwaltung für Branntwein verpachtete, die ab 1951 Bundesmonopolverwaltung hieß.

Da an der Schleussnerstraße nur gut fünf Jahre lang produziert wurde und auch keine Zeitzeugen mehr leben, existierten kaum Unterlagen. 2019 erwarb die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft (Gewobau) das Areal der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein. Und nach der Übergabe entdeckte Geschäftsführer Stephan Burbach im ehemaligen Direktorenzimmer 100 Jahre alte Akten zur Übergabe an die Reichsmonopolverwaltung, deren Inhalte jetzt mit Recherchen der Neu-Isenburger Historikerin Heidi Fogel in die GHK-Broschüre zur Wurstfabrik mit einflossen. Auch Thorsten Pohl aus Böblingen ist es zu verdanken, dass nun weitere Zeugnisse existieren. Im Vorjahr räumte er dort das Haus von Engelhard Leukroth, Schwiegersohn des Wurstfabrikanten Luft, aus und stieß auf alte Baupläne sowie Fotos aus dem Jahr 1916, die er dem GHK schickte.

Wie viele Würstchen an der Schleussnerstraße hergestellt wurden, wie viele Menschen dort arbeiteten, wie die Arbeitsbedingungen waren – das alles liegt aber immer noch im Ungewissen. Immerhin wird es im neuen Stadtquartier Süd noch sichtbare Zeugnisse der Würstchenfabrikation geben. In der künftigen großen Markthalle werden die alten schwarz-weißen Wandfliesen erhalten, genauso wie die Klinkerfassade des ehemaligen Verwaltungsgebäudes, das zur Kita umgebaut wird.

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