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Die Mikro-Welt in Bächen und Tümpeln

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Stephan Krall stellt das Mikroskop so ein, dass die Interessierten Mikroorganismen aus einer Wasserprobe betrachten können. öp
Stephan Krall stellt das Mikroskop so ein, dass die Interessierten Mikroorganismen aus einer Wasserprobe betrachten können. öp © Boris Schöppner

Grünen-Veranstaltung zu heimischen Kleinlebewesen und der Meeresverschmutzung mit Plastik

KRONBERG - Ein Hauen und Stechen, ein Morden und Verschlingen, all das gibt es in Kronberg - und die wenigsten wissen davon. Einer der Eingeweihten ist Dr, Stephan Krall, er befasst sich mit den Mikroorganismen, die in Feuchtwiesen, Tümpeln und Teichen in und um Kronberg vorkommen.

Krall hat Biologie an der Universität Hamburg studiert und an der Humboldt-Universität zu Berlin promoviert. Sein Berufsleben hat er in der Entwicklungszusammenarbeit gearbeitet. Für die kleine, unbekannte Welt im Mikroskop interessiert er sich seit dem Beginn des Studiums. Seit er 2019 in den Ruhestand gegangen ist, geht er dieser Leidenschaft intensiver nach - auch im Taunus.

Er zieht los und nimmt Proben, untersucht sie unter dem Mikroskop und mitunter fotografiert er das, was in der Petrischale zappelt, schwimmt und hoppelt. Da werden Pfeile verschossen und Gegner mit Schlingen und klebrigen Fäden an der Flucht gehindert. „Dennoch können Sie bedenkenlos über die Feuchtwiese laufen“, sagte er augenzwinkernd den Teilnehmern der gut besuchten Veranstaltung, zu der die Grünen eingeladen hatten.

Seinen Vortrag hatte er überschrieben mit: „Unbekanntes Kronberg - Was lebt in Bächen und Tümpeln“. Dabei wurde im Laufe des Referats deutlich, dass sich in den Fließgewässern nur wenige dieser Mikroorganismen finden, sie sind vor allem dort, wo das Wasser steht. Manche der Protisten, die sich laut Klass in „extrem viele Gruppen gliedern,“ gehen zwar rabiat gegen andere Mikrowesen vor, sind aber selbst nur Bruchteile eines Millimeters groß. Es ist eine unbekannte Welt in unserer unmittelbaren Umgebung. Dazu gehört auch die Kieselalge - und Algen erzeugen ein Viertel des Sauerstoffs weltweit.

In der Grotte im Schlosspark leben Augentierchen, Wimpertierchen und Rütteltiere. Ein Bild von der Probe aus der Kaiser-Tränke im Victoriapark zeigt, wie sich ein Wimpertierchen über Kieselalgen hergemacht hat. Und das Sonnentierchen, das die Pfeile abschießt, ist in der Nähe der Dirt-Bike-Anlage in Schönberg aufgegriffen worden.

Das Staunen bei den 40 Besuchern war groß. Und es wurde sogar noch größer. Denn die zweite Referentin an diesem Abend, Jeannine Fischer, ist Meeresbiologin- Sie informierte über das Thema Mikroplastik. Sie wies auf die lange Nahrungsmittelkette im Meer hin, die vom Plankton bis zum Blauwal reiche.

Feuerzeug im Bauch eines Albatros

Nachdem sie eine Reihe von nahezu idyllischen Bildern vom Meer und seinen Bewohnern gezeigt hatte, wurde es ernst. Plastik verunreinigt die Weltmeere. Dass es sich dabei nicht nur um Mikroplastik, sondern auch um Großplastik handelt, wurde deutlich, als sie das Foto eines verendeten Albatros zeigte, in dessen Magen sich ein Einwegfeuerzeug und weitere Plastikteile befanden. Seevögel bauten mittlerweile die Nester für ihren Nachwuchs aus Bestandteilen alter Fischernetze, Tiere verendeten, weil sie sich in Geisternetzen verfangen. Und Schildkröten fräßen mitunter Plastiktüten, weil sie diese für Quallen hielten.

Aber was geht das die Bewohner eines Ortes im Binnenland an? Sehr viel, findet zumindest die Referentin. „Wir sind direkt davon betroffen, wenn es dem Meer nicht gut geht“, sagte sie und führte aus, dass das Meer unter anderem Lebensmittellieferant, Arbeitgeber und Sauerstofflieferant ist. Wer Fisch oder Meeresfrüchte isst, der wird über kurz oder lang Mikroplastik aufnehmen. Und das tut er auch, wenn er aus Plastikflaschen trinkt. Selbst in der Atemluft ist Mikroplastik, das unter anderem beim Abrieb der Autoräder in großer Menge entsteht. Bei fünf Gramm liegt die Menge, die ein Mensch durchschnittlich pro Woche an Mikroplastik aufnimmt.

Es wird geschätzt, dass im Jahr 2050 mehr Plastik im Meer sein wird als Fische. Auch dazu tragen die Bewohner des Binnenlandes maßgeblich bei. Jede Minute werde - rechnerisch - eine Müllwagenladung Plastik ins Meer gekippt. Daraus kann das sogenannte sekundäre Mikroplastik, ein Zerfallsprodukt entstehen. Auch bei Fleecepullis, deren Fasern sich beim Waschen lösen. Zudem gibt es primäres Mikroplastik, also solches, das schon klein hergestellt wird. Dazu gehören unter anderem Kügelchen, die Peelings oder Zahnpasten beigesetzt werden.

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