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Wollen feiern: Janine Wissler und Jan Schalauske, Spitzenkandidaten der Linken.

Hessen-Wahl

Bestes Ergebnis für Linke

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Die Partei will dem verfehltem Linksbündnis nicht hinterhertrauern.

Sie werde an diesem Abend feiern, sagt Linken-Spitzenkandidatin Janine Wissler nach den ersten Auszählungen, die ihre Partei bei 6,5 Prozent sehen – ein Wert, der sich an diesem Abend nicht mehr wesentlich verändern wird. Und tatsächlich gibt es einigen Grund zur Freude – vor allem für all jene in der Partei, die bei der Landtagswahl 2013 bis in die Nacht um den Einzug in den Landtag zitterten. Ganz anders bei dieser Wahl. „Das ist das beste Ergebnis, das die Linke in Hessen jemals hatte“, betont Wissler. „Das ist für ein westdeutsches Flächenland wirklich toll.“

Drei Sitze könnten die Linken dazugewinnen. Bei bislang sechs Abgeordneten macht das einiges aus.

Dementsprechend gelassen ist die Stimmung der Genossinnen und Genossen, die am Wahlabend unter Kunstpalmen in einer Wiesbadener Cafélounge feiern. Kein Bibbern, kein Bangen. Aber auch keine große Freude. Nicht nur haben sich Prognosen von bis zu acht Prozent nicht bewahrheitet. Auch glauben nach den ersten Hochrechnungen auch die größten Optimisten nicht mehr an Rot-Rot-Grün. 

Am meisten aber schmerzt der Erfolg der AfD – mit fast doppelt so vielen Stimmen wie die Linke. „Wir werden uns nie damit zufriedengeben, dass Rassisten in den Landtag eingezogen sind“, dröhnt der Landtagsabgeordnete Ulrich Wilken ins Mikrofon. Seine künftige Fraktionskollegin Heidemarie Scheuch-Paschkewitz sieht den Nährboden auch in der „neoliberalen Politik“ der vergangenen Jahre. Warum die Linke davon so wenig profitiere?„So bitter es ist, aber für viele im Westen stehen wir immer noch in der Schmuddelecke, man verbindet uns mit Stasi und brennenden Autos.“ Die Linke in Hessen brauche eine stärkere kommunale Verankerung: „Unsere Gesichter müssen vor Ort bekannter werden.“ 

Immerhin: Am nötigen Personal dürfte es nicht fehlen. Der hessische Landesverband ist mit über 3200 Mitgliedern so groß wie nie. Allein in den sieben Wochen vor der Wahl sind über 115 neue hinzugekommen – darunter viele junge. Und: Hätten nur Wähler unter 30 abgestimmt, wäre die Linke laut Umfragen auf zehn Prozent gekommen. Ein Grund mehr für Jan Schalauske, nicht mehr dem wieder nicht zustande gekommenen Linksbündnis nachzutrauern, sondern nach vorne zu schauen. „Der Käse ist gegessen, jetzt nehmen wir unseren Wählerauftrag an.“

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