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Der Kabarettist Jakob Schwerdtfeger. hier vor dem Frankfurter Städel, macht aus Kunst Komödie - und das sehr gekonnt.
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Der Kabarettist Jakob Schwerdtfeger. hier vor dem Frankfurter Städel, macht aus Kunst Komödie - und das sehr gekonnt.

Kabarett

Die Kunst des Lachens

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Der Frankfurter Kabarettist Jakob Schwerdtfeger startet mit einem ganz eigenen Programm durch - sobald die Theater und Museen wieder aufmachen

Im Kabarett wird so ziemlich alles und jedes durch den Kakao gezogen, Männer, Frauen, Babys, Katzen, Autos, Politik, Wahn und Wirklichkeit. Aber vor einem Heiligtum schreckten bisher selbst die mutigsten Kabarettistinnen und Kabarettisten zurück. In den deutschen Museen hat Lachen in der Regel Hausverbot – Satire in solch heiligen Hallen, undenkbar!

Nun ist es ja nicht so, dass das, was drinnen gezeigt wird, lächerlich wäre, ganz im Gegenteil. Aber ach, allein schon der Begriff „heilige Hallen“. Der Frankfurter Kabarettist Jakob Schwerdtfeger mag weder den Begriff noch die damit verbundene devote Ehrfurcht, so sehr er Museen liebt. „Wie viel mehr Angst kann man eigentlich aufbauen?“, fragt er rhetorisch.

Schwerdtfeger weiß, wovon er redet, hat Kunstgeschichte studiert und längere Zeit im Städel-Museum gearbeitet (die früheren Kolleginnen dort kommen immer noch ins Schwärmen, wenn sein Name fällt). Den sicheren Job in dem renommierten Haus hat er übrigens selbst aufgegeben, um Kunst-Kabarett zu machen. Also, lachen über Kunst, darf man das denn?

„Das liegt sogar ganz nahe“, meint Schwerdtfeger. „Allein schon, wenn man sich Künstlerbiografien durchliest, findet man so viele Fun Facts, das ist unfassbar.“ Rede man über Kunst, werde unglaublich viel vorgetäuscht. „Die Leute denken, sie seien dumm, nur weil sie Fragen stellen oder einen Begriff nicht kennen. Das ist so eine kreative Materie, und wie unkreativ wird oft damit umgegangen...“

Jetzt also: Vorhang auf für Schwerdtfegers Kunst-Kabarett. Zwar gibt es spätestens seit Loriot zahllose Sketche über eingebildete Künstlerinnen, aufgeblasene Galeristen oder verrückte Sammler, Motto: Ist das Kunst oder kann das weg? Es sei aber, sagt der 32-Jährige, schon erstaunlich, dass sich - zumindest auf Deutsch - eigentlich noch nie eine Kollegin, ein Kollege scherzhaft-ernsthaft damit beschäftigt habe. „Die einzige Comedienne, die ich kenne, die was zu Kunst macht, ist die Australierin Hannah Gadsby.“

Dass sich Schwerdtfeger am Anfang einer großen Kabarett-Karriere befindet, ist gut möglich, die Sterne stehen eigentlich recht günstig. Kurz vor dem zweiten Lockdown hatte der Deutschlandfunk noch eine ganze Sendung mit der neuen „Kunst-Comedy“ gesendet, sein erstes abendfüllendes Solo-Programm ist fertig – ärgerlich nur, dass ihm nach anderthalb Jahren Vorbereitung ausgerechnet da die Corona-Pandemie die Frankfurt-Premiere Mitte Dezember in der Käs verhagelt hat. Kunst und Kultur leiden überall, das ist nur eines von unzähligen Beispielen. Aber schade ist es trotzdem.

Aus dem Nichts kommt das neue Programm nicht. Wer Poetry Slam mag, der hat Schwerdtfeger in den vergangenen acht Jahren wahrscheinlich schon erlebt. Unter dem Künstlernamen Jey Jey Glünderling ist sogar ein Buch erschienen, und er steht auch in seinem Pass. Schon seine Magisterarbeit im Fach Kunstgeschichte hatte den Titel „Humor in der Kunst“.

„Man muss wahnsinnig viel ausprobieren. Über die Mona Lisa kann man ja noch Witze machen, weil jeder die kennt, aber dann wird es schon dünn.“ Strengste Kritikerin sei die Freundin, meint er. „Da finde ich selbst was wahnsinnig komisch, trage ihr das vor, und der Kommentar ist nur: Nicht witzig!“ Wer sich einen Eindruck machen möchte, was die hohen Hürden bis zur Bühnenreife genommen hat, muss sich noch etwas gedulden, die Frankfurt-Premiere von „Ein Bild für die Götter“ ist erst mal auf Mai verschoben. Die Ungeduldigen seien auf Schwerdtfegers Homepage www.jakob-schwerdtfeger.com verwiesen.

Dort stellt er zweimal im Monat kleine Podcasts zum Nachhören online, mit scharfsinnigen Gedanken und witzigen Beobachtungen. Das kann keinen Live-Auftritt ersetzen, aber immerhin... „Künstlerisch wertvoll“ heißt die Reihe, und Schwerdtfeger lädt dazu ganz unterschiedliche Leute aus der Welt der Kunst ein, von der Rahmenmacherin bis zur Restauratorin. Die witzigsten Situationen schafft eh das Leben selbst: „Da gibt’s so viel, das völlig absurd ist.“ Beispiel aus eben jenen „Heiligen Hallen“: Ein millionenschweres Kunstwerk voller Plastiksoldaten verliert regelmäßig immer mal eine Figur, die die Besucher:innen einstecken und mitnehmen. Dafür liegt hinter den Kulissen ein ganzer Sack voller Ersatzfiguren bereit.

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