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Die Krankenzimmer bleiben warm

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In einem Krankenhaus wie den Hochtaunus-Kliniken - hier das Akuthaus in Bad Homburg - ist es schwierig, Energie zu sparen. priedemuth
In einem Krankenhaus wie den Hochtaunus-Kliniken - hier das Akuthaus in Bad Homburg - ist es schwierig, Energie zu sparen. priedemuth © jp

Klinik will 20 Prozent Energie einsparen, ohne Patientenversorgung zu gefährden

HOCHTAUNUS - Ein Krankenhaus wie die Hochtaunus-Kliniken ist ein Energie-Großverbraucher. 18 000 Kilowattstunden (kWh) Strom benötigt das Akuthaus am Kronenhof - täglich. Das ist fast so viel wie ein Vier-Personen-Haushalt im Jahr verbraucht (20 000 kWh). Die Kliniken in Usingen brauchen 5600, das St.-Josefs-Krankenhaus in Königstein 500 kWh pro Tag.

Landrat Ulrich Krebs (CDU) soll dieser Tage in der Bürgermeister-Dienstversammlung angekündigt haben, den Kreishaushalt erst im Dezember einzubringen. Unter anderem die Kostenexplosion in den Kliniken bereiteten dem Landrat Sorgen. Beraten und beschlossen werden soll das Zahlenwerk des Kreises dann im Januar und Februar.

Der Kreistag hatte in der jüngsten Sitzungsrunde, als es um die Sparpläne aufgrund der Energiekrise ging, das Ziel vorgegeben, dass die Hochtaunus-Kliniken 18,7 Prozent einsparen sollen (diese Zeitung berichtete). Auch wenn man bei Krankenhäusern instinktiv denken mag, dass man hier am allerwenigsten gern den Rotstift ansetzen würde - schließlich werden hier Leben gerettet und Lebenssituationen verbessert. Aber wie Klinik-Geschäftsführerin Dr. Julia Hefty jetzt auf Nachfrage erklärt, wird geschaut, wie im Krankenhaus dennoch Energie gespart und dadurch die Kosten reduziert werden können. „Unser Einsparziel liegt sogar bei 20 Prozent, und das schaffen wir auch“, berichtet Hefty Und das, obwohl die beiden größten Verbrauchsposten im Krankenhaus kaum zu reduzieren sind. Dies sind zum einen die Lüftungsanlage - ohne sie lässt sich kein Operationssaal betreiben, und auch in Untersuchungsräumen muss die Luft steril sein - und zum anderen die medizinischen Großgeräte (MRT, CT, Herzkathederlabor). Auch sie müssen in einem Krankenhaus weiterlaufen.

Flure werden dunkler und kühler

Demnach werden also auch keine Bereiche stillgelegt. Wohl aber mussten die Kliniken in den vergangenen Wochen Behandlungen zurückfahren, da eine steigende Anzahl an Covid-19-Patienten die Einrichtung einer zweiten Isolierstation für Corona-Patienten erforderlich machte. Deren Behandlung binde viel Personal und Geld, betonte Hefty jüngst im Gespräch mit dieser Zeitung. Doch zurück zum Energiesparen, das die Kliniken nun auch noch bewerkstelligen müssen. Wie in anderen öffentlichen Gebäuden auch wird vor allem am Licht- und Heizungsschalter gedreht. Das, so die Geschäftsführerin, passiere bereits. „Wir dimmen die Beleuchtung so weit, wie die Sicherheit es zulässt“, berichtet Hefty. Dies geschehe vor allem in den Verwaltungsräumen und -fluren. „Die werden dunkler und kühler.“ Und auch die Temperatur werde dort „massiv“ heruntergedreht, es sei denn, Patienten seien im jeweiligen Gebäudeteil. Dann gelten andere Regeln. Die Kranken sollen wenig von den Einsparmaßnahmen spüren. „Patientenzimmer müssen mindestens 20 Grad warm sein“, erklärt die Geschäftsführerin. Das Warmwasser aus den Hähnen in den Besucher-Toiletten und Mitarbeiterbereichen soll hingegen nicht mehr so warm wie zuvor sein. Das Licht soll automatisch abschalten; hier werden noch Bewegungsmelder nachgerüstet. Ein weiterer Hebel sei die Lüftung in den Räumen der Physiotherapie - sie sind innenliegend und werden, anders als früher, nicht mehr durchgelüftet.

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