Wett-Pony_130820
+
Das Idealgewicht der Ponys liegt zwischen 300 und 400 Kilo. Michel nahm im Bingenheimer Ried gut 150 Kilo zu.

Rhein-Main

Hessen: Dicke Exmoor-Ponys mit spezieller Diät gerettet

Die Tiere im Bingenheimer Ried hat das Weiden dort zu dick und krank gemacht. Jetzt haben sie ein neues Zuhause gefunden.

Fast zehn Jahre lang haben im Bingenheimer Ried elf Exmoor-Ponys gemeinsam mit Rindern die gut 85 Hektar große Fläche abgegrast. Sie pflegten so das Naturschutzgebiet und hielten das Gras vor allem für die am Boden brütenden Vögel kurz. Eine schöne Idee – bis das Konzept eine dramatische Wendung nahm.

Durch die immer milderen Winter, so erklärt es Sven Schuchmann, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Bingenheim, gab es das an sich schon große Futterangebot im Ried auch in der kalten Jahreszeit. „Im Winter haben die Ponys sonst immer etwas abgenommen“, sagt er. Dazu sei es dann aber nicht mehr gekommen. Die Tiere wurden immer dicker und steifer. Nach einer tierärztlichen Untersuchung stand fest: Die Ponys müssen das Ried verlassen.

„Rückblickend hätte man die Ponys nicht ins Ried holen dürfen“, sagt der Nabu-Vorsitzende. In seiner Stimme schwingt tiefes Bedauern mit. Ihm und seinen Kollegen habe es an der Fachkenntnis gefehlt, gesteht er. Dadurch sei die Lage der Ponys falsch eingeschätzt worden. Die Ponys wurden nicht nur übergewichtig, sondern erkrankten auch stark.

Zu reichhaltige Nahrung, zu wenig Bewegung: Was Menschen nicht guttut, schadet auch Tieren. „Sehr viel Gras im Bingenheimer Ried ist zu zuckerhaltig und enthält für diese Rasse zu viel Stärke“, erklärt Pferdeexpertin Barbara Kelly. Zudem seien Exmoor-Ponys nicht für Dauerbeweidung geeignet. „Diese Ponys bewegen sich nur, wenn sie es müssen.“

An einer Stoffwechselstörung erkrankt

So kam es, dass die Tiere an einer Stoffwechselstörung erkrankten. „Die ist vergleichbar mit Diabetes Typ II beim Menschen“, erklärt Kelly. Die Ponys hätten gut 150 Kilo Übergewicht gehabt und dadurch die sogenannte Hufrehe bekommen – eine schmerzhafte Krankheit, die bis zum Tod des Tieres führen kann. Ein Hengst der Gruppe musste eingeschläfert werden.

Etwa zwei Jahre lang dauerte die Suche des Nabu nach einer neuen Unterbringung, so Schuchmann. Das Problem: Die Ponys sind weder an Menschen noch an Stallhaltung gewöhnt. Zudem sollten sie als Herde möglichst nicht getrennt werden. Mehr durch Zufall ergab sich der Kontakt zu Barbara Kelly und Christina Kuenen von „Team-HUF“.

Die beiden Frauen sind Hufbearbeiterinnen, auf Hufrehe spezialisiert und betreiben eine kleine Reha-Station für Pferde in Haunetal, Kreis Hersfeld-Rotenburg. „Das war ein richtiger Glückstreffer“, sagt Schuchmann. Nach Begutachtung der Ponys erklärten sich Kelly und Kuenen bereit, sechs Tiere aufzunehmen.

Die Ponys leben nun schon seit mehreren Monaten auf dem Hof in Haunetal und hätten sich gut eingelebt, sagt Kelly. „Es macht richtig Freude, ihnen bei der Entwicklung zuzusehen.“ In der Reha wurden sie zunächst auf Diät gesetzt. Bekamen vorwiegend fettarmes Heu und viele Bewegungsanreize durch verteilte Futterstellen. Inzwischen hätten sie bereits deutlich abgenommen, seien viel zutraulicher, und in einigen Fällen habe sich die Hufrehe ohne großes Zutun gelegt.

Kelly und Kuenen wollen die Ponys nach ihrer Genesung behalten. „Sie sind einfach zu niedlich“, sagt Kelly und lacht. Sie könnte sich gut vorstellen, dass die Ponys etwa in einem Steinbruch ihr Wildpferddasein ausleben könnten. Zur Unterstützung der Tiere haben sie den Verein „Rehabilitation HUF“ gegründet und streben nun die Vergabe von Patenschaften an.

Auch die anderen vier Ponys wurden mittlerweile auf einem privaten Hof bei Göttingen untergebracht. Wie die anderen werden sie dort gesund gepflegt. Für den Nabu ist aber klar, dass nun keine Ponys mehr in das Bingenheimer Ried kommen. Die Rinder bleiben dort, und man wolle abwarten, wie sich das Naturschutzgebiet verändere.

Katharina Gerung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare