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Die Becken sollen warm bleiben

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Thermen-Betriebsleiterin Sonja Kortz und ihr Mitarbeiter Patrick Metz messen die Temperatur im Außenbecken. priedemuth
Thermen-Betriebsleiterin Sonja Kortz und ihr Mitarbeiter Patrick Metz messen die Temperatur im Außenbecken. priedemuth © jp

Wenn es kein Gas mehr gibt, ist in der Taunus-Therme kein Betrieb möglich

BAD HOMBURG - Die Taunus-Therme ist eine der Einrichtungen, die besonders viel Energie verbrauchen. Im Keller stehen ein Blockheizkraftwerk, das auch Strom erzeugt, und zwei Brenner, die das Wasser heizen - sie laufen mit Erdgas. Somit ist der steigende Gaspreis infolge des Krieges für das Thermalbad derzeit ein großes Thema.

Die Becken fassen insgesamt rund 2500 Kubikmeter Wasser. Das große Innenbecken ist stetig auf 32 Grad beheizt, das Therapiebecken auf 34 Grad. „Wir haben im Juli probeweise ein paar Grad herabgesetzt“, berichtet Betriebsleiterin Sonja Kortz. „Das wurde aber gleich von Badegästen bemerkt und bemängelt.“ Viele Besucher seien chronisch krank, vor allem Menschen mit Rheuma kommen in die Therme. Der Großteil aber sind Wellness-Gäste, gerade am Wochenende.

Somit haben Kortz und die Geschäftsleitung (die Enkel des verstorbenen Thermenerbauers Werner Wicker) beschlossen, die Temperatur „erst einmal so zu lassen“, so Kortz. Man warte auf klare Ansagen der Behörden.

Ohne Belüftung drohen Keime und Frostschäden

Klar sei aber: Ohne Erdgas „ist die Therme nicht zu betreiben“. Dann müsse die Einrichtung geschlossen werden. Wobei in diesem Fall Energie benötigt würde, um die Temperatur zu halten. Ohnehin würde es mehr Energie kosten, nach einer Temperaturabsenkung Wasserbecken, Saunen und Raumluft wieder aufzuheizen. Würden die Becken nicht mehr beheizt, würde das Wasser auskühlen. Ohne warmes Wasser würden die Rohre und Boiler verkeimen.

Stelle man alles ab, so müsste man die 2500 Kubikmeter Wasser ablassen (und später wieder auffüllen). Einfach Stehenlassen geht aus hygienischen Gründen nicht. Auch würden die Kacheln in den Becken Schaden nehmen, weil der Druck fehlte. Auch Frostschäden seien möglich.

Im normalen Betrieb muss abhängig von der Zahl der Badegäste ein Teil des Beckenwassers erneuert werden. Das ist durch eine Vorschrift geregelt: Pro Gast müssen im laufenden Betrieb zehn Liter ausgetauscht werden. „Deshalb fragt unser Technischer Leiter immer genau die Besucherzahlen ab“, erklärt die Bad-Leiterin. Durchschnittlich besuchen 800 Gäste am Tag die Therme. Sollte es zu einem Ausfall der Gasbelieferung kommen, würde auch die warme Belüftung ausfallen. Dann gäbe es Frostgefahr auch innen, in den Filtern, Rohren und der Sprinkleranlage; in feuchten Ecken könnte es schimmeln. Im Kurbad Königstein befürchtet man, ohne Lüftung auch rutschigere Fliesen zu bekommen. „Das Problem hätten wir hier nicht, da wir griffigen Natursteinboden haben“, sagt Kortz. Aber ohne Luftaustausch würden die Scheiben anlaufen.

Der Saunabetrieb wäre eingeschränkt weiter möglich, sofern man Strom bekäme. Zehn der zwölf Saunen sind elektrisch betrieben. Die Kamine müssten aus bleiben.

Lecks repariert, Sitzheizung abgestellt

Erfahrungswerte mit Ausfällen hat man in der Pandemie gesammelt, als die Therme für eineinhalb Jahre schließen musste. Damals wurde die Lüftungsanlage komplett ausgetauscht. „Sie braucht jetzt viel weniger Energie als vorher“, sagt die Betriebsleiterin, die auch überzeugt ist, dass die Gäste nun besser vor Corona geschützt sind.

In der Zwangspause wurden laut Kortz auch sämtliche Lampen in der Therme getestet und auf LED umgestellt - einschließlich des Parkhauses, für das die Einrichtung auch zuständig ist. Zudem wurden diverse Lecks repariert, durch die zuvor viele Kubikmeter Wasser ins Erdreich versickert seien. „Somit sparen wir im Vergleich zu vorher bereits viel Energie“, betont die Bad-Leiterin.

Weitere kleinere Maßnahmen hat sie bereits ergriffen. Kurzerhand umfunktioniert hat Kortz zwei wenig genutzte Wärmeräume im Hamam zu Büros - sie mussten zuvor auf knapp 50 Grad erhitzt werden. „Das war ein großer Punkt.“

Aus bleibt künftig die Sitzheizung der Ruheliegen in der Lichtseehöhle: „Die Lampen wärmen bereits genug.“ Eine zertifiziert nachhaltig arbeitende Reinigungsfirma wurde engagiert. Außerdem vermeide man - vor allem in der Küche - Kunststoff und trenne akribisch den Müll der Gäste. „Sogar die gebrauchten Papierhandtücher werden recycelt“, erklärt sie.

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