Offenbach

Dezernentin Sabine Groß wechselt nach Offenbach

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Für den Job als Sozialdezernentin gibt Sabine Groß (Grüne) ihre Stelle im Hessischen Wirtschaftsministerium auf. Das sorgt für Verwunderung.

Andere zieht es aus der Kommunalpolitik in die Landes- oder Bundespolitik. Sabine Groß (Grüne) geht den umgekehrten Weg. Die Referatsleiterin für den Bundesrat und die EU-Koordinierung im Hessischen Wirtschaftsministerium tritt am 7. September ihr Amt als hauptamtliche Dezernentin in Offenbach an. In der letzten Stadtverordnetensitzung vor der Sommerpause wurde die 44 Jahre alte Juristin sie zur Nachfolgerin von Peter Schneider (Grüne) gewählt.

„Die Wahl war spannender als erwartet“, sagt Groß, ein wenig Krimistimmung habe geherrscht. Denn durch einen Stromausfall in Frankfurt kam ein Stadtverordneter erst verspätet mit der S-Bahn im Rathaus an, bis dahin zögerte die Koalition die Wahl hinaus.

Letztlich habe aber alles geklappt, sagt Groß. Sie freue sich auf ihre Aufgaben in ihrer Heimatstadt. Dass sie für ein Amt im hochverschuldeten Offenbach ihre Arbeit in der Landespolitik aufgebe, habe unter Kollegen für Verwunderung gesorgt. „Da gab es erstaunte Anfragen“, räumt sie ein. „Aber wenn ich erzähle, dass ich nah bei den Menschen sein will, etwas verändern möchte und dann an dieser Veränderung in der Stadt auch vorbeilaufen kann, gab es einige leuchtende Augen“, sagt sie.

Zwar stehen die Gespräche mit Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) noch an. Doch bisher geht Groß davon aus, dass sie Schneiders Aufgaben übernehmen werde, das Sozialdezernat, die Statistik, den Öffentlichen Nahverkehr und die Mainarbeit. Dass die Viererkoalition und der Oberbürgermeister nicht immer einer Meinung seien, sei ihr bekannt. Da sie aber nicht Mitglied der früheren Koalition war, möchte sie unbelastet an die Arbeit gehen.

„Ich versuche immer, einvernehmliche Lösungen zu finden“, sagt Groß. Außerdem, fügt sie hinzu, habe sie bis jetzt für den Bundesrat die Wünsche von 16 Bundesländern zu koordinieren gehabt, da schrecke sie die Konstellation Viererkoalition und OB außerhalb der Koalition nicht.

Auf Einvernehmen bedacht wolle sie auch im Rathaus ihrer Arbeit nachgehen. „Natürlich habe ich eigene Ideen für das Amt, aber ich ziehe es vor, erst mit den Fachleuten vor Ort zu reden“, sagt sie. Die eigenen Vorstellungen müssten schließlich der Realität in Offenbach angepasst werden.

„Mir ist klar, die Spielräume in Offenbach sind andere als im reichen Eschborn“, sagt sie. Doch das mindere nicht den Reiz. So sei der Sozialbereich einer der Kernpunkte der Stadt, etwa die Zahl der Kita- und Hortplätze zu erhöhen, sei wichtig.

„Die Herausforderung ist es, qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher zu finden“, sagt sie, „wir werden kreativ sein müssen“. Im Bereich Arbeit sieht Groß durch Nachqualifizierung die Chance, Menschen in sozialversicherungspflichtige Arbeit zu vermitteln. Auch im Nahverkehr mangele es nicht an Herausforderungen. Groß hofft, dass Offenbach etwa aus dem Fonds „nachhaltige Mobilität für die Stadt“ profitieren könne für Projekte vor Ort.

Momentan beschäftigt Groß aber ein anderes Projekt: ihre Wohnungssuche. Ihren letzten Arbeitstag im Wirtschaftsministerium hat sie am 27. Juli, ihr Beamtenverhältnis ruht während ihrer sechsjährigen Tätigkeit in Offenbach.

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