Frankfurt

Deutsche Katholiken diskutieren in Frankfurt über Reformen

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Am Donnerstag beginnt die erste von vier Versammlungen des „Sydonalen Wegs“. Reformgruppen pochen parallel auf die Gleichstellung der Geschlechter in der Kirche.

Zehn Jahre nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals sucht die katholische Kirche in Deutschland weiter Wege aus der Krise. Am Donnerstag starten 230 Kirchen- und Laienvertreter einen knapp zweijährigen Beratungsprozess, der die Kirche zu Reformen führen soll. Als zentrale Schauplätze vier mehrtägiger Versammlungen dienen bis in den September 2021 der Kaiserdom sowie das Dominikanerkloster in der Frankfurter Innenstadt.

Mit der Wahl des Doms „unterstreichen wir unser Anliegen, den ‚synodalen Weg‘ als geistliches Geschehen zu verstehen, das bewusst in einer Kirche und nicht in einem Konferenzzentrum stattfindet“, erklärte Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Der Dom liege zudem „im Herzen unseres Landes“. Da das südliche Querhaus des Doms derzeit renoviert wird, werden die Auftakttermine im Dominikanerkloster abgehalten.

Der sogenannte Synodale Weg „soll ein Weg der Umkehr und der Erneuerung sein“, schrieb Marx in einer Einladung Anfang Dezember. Der Name verweist auf die Synode als kirchlicher Gremienform und geht auf das griechische Wort „sýnodos“ zurück, das „gemeinsamer Weg“ bedeutet.

Der Synodale Weg

Den größten Teilder 230 Teilnehmer machen die 69 deutschen Bischöfe und Weihbischöfe und ebenso viele Laienvertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) aus.

Dazu kommen Priester, Ordensleute, andere Kirchenangestellte und 15 junge Vertreter unter 30 Jahren.

Unter den Teilnehmerngibt es doppelt so viele Männer wie Frauen.

Die drei weiterenmehrtägigen Treffen sind im September 2020 sowie im Februar und September 2021 ebenfalls in Frankfurt geplant.

Diskutieren werden die Teilnehmer im Plenum über die Machtstrukturen und die Rolle der Frau in der Kirche, den Pflichtzölibat und die Sexualmoral. Im September 2018 hatte eine Studie die katholische Kirche geschockt. Diese war zu dem Ergebnis gekommen, dass mehr als vier Prozent aller Geistlichen Missbrauchstäter seien. Die Forscher hatten dafür Akten aus der Zeit zwischen 1946 und 2004 ausgewertet.

Der Eröffnungsgottesdienst am Donnerstag um 17 Uhr im Kaiserdom ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Versammlungen, die am Freitag und Samstag im Dominikanerkloster abgehalten werden, hingegen nur für die Presse.

Parallel zu den geschlossenen Beratungen laden Reformgruppen zu alternativen Programmpunkten. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) wird am Donnerstag um 16 Uhr mit rund 100 Teilnehmerinnen vor dem Kaiserdom für gleiche Rechte unter den Geschlechtern in der Kirche demonstrieren. „Die Teilung von Macht und das Aufbrechen männlicher Hierarchien bleiben für uns zentrale Fragen“, stellte die stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende Agnes Wuckelt im Vorfeld klar. Am Freitag um 19 Uhr laden zudem die Gruppen Maria 2.0 und das Catholic Women Council im Dom zu einem Wortgottesdienst mit anschließender Nachtwache.

Konservative Stimmen befürchten, dass mögliche Reformen die Lehre der katholischen Kirche verwässern und eine Kirchenspaltung nach sich ziehen könnten.

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