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Wähler bei der Stimmabgabe (Bildkombo).

Ergebnisse Hessen

Grüne erfolgreich in Hessen  

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Die Grünen werden in vielen Städten stärkste Kraft. Die  SPD ist in Fulda nur knapp im zweistelligen Bereich.

Wem sie ihr gutes Wahlergebnis zu verdanken haben, scheint den hessischen Grünen klar zu sein. „Sunday for Future“ haben sie ihre Pressemitteilung zum erfolgreichen Abschneiden am Sonntag überschrieben – in klarer Anlehnung an die „Fridays for Future“-Proteste der Jugend für den Klimaschutz.

„Wir freuen uns über das sensationelle Ergebnis und das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler“, kommentierten die beiden Landesvorsitzenden Sigrid Erfurth und Philip Krämer das Votum der Hessen. „Das starke Ergebnis zeigt auch, dass die Europawahl eine Klimawahl war, insbesondere für die jüngere Generation“, so Krämer. Auch das Eintreten gegen Populismus und Rechtsextremismus habe zum Erfolg beigetragen.

In Hessen, wo sie traditionell stark sind, legten die Grünen fast überall noch deutlich zu. In Frankfurt kamen sie klar über 30 Prozent und erreichten damit das beste Ergebnis, das sie bei Wahlen in der Stadt bisher erzielen konnten. Auch in Kassel, Gießen, Marburg und Offenbach erhielten sie die meisten Stimmen. Erstmals stärkste Kraft wurden sie in Eschborn und Neu-Isenburg, wo die Partei jeweils hauchdünn vor der CDU lag. Klar errangen die Grünen den ersten Platz zudem in Bad Vilbel und Oberursel.

In der Landeshauptstadt Wiesbaden wurden die Grünen mit 25,4 Prozent noch vor der CDU mit 24,5 Prozent stärste Partei (256 von 260 Wahlbezirke).

Auch nach Einschätzung des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier hat Klimaschutz die entscheidende Rolle gespielt. „Das ist ein Thema, das klassischerweise nicht mit der CDU verbunden wird“, sagte er am frühen Abend vor CDU-Anhängern in Frankfurt. Seine Partei müsse sich „intensiv Gedanken machen, wie unsere Antwort aussieht“.

Auch auf ein verändertes Kommunikationsverhalten in der Bevölkerung müsse die Partei sich einstellen. Millionen Menschen hatten zuletzt das Video „Die Zerstörung der CDU“ des Youtubers Rezo gesehen. Gerade in der Gruppe der Jüngeren war dieses Video das Gesprächsthema der letzten Tage. Rezo stellt darin Klimaschutz in den Mittelpunkt und warnt unter anderem vor der Wahl von SPD und CDU.

Die CDU sei bei der Europawahl stärkste Kraft geworden, sagte Bouffier. „Die 27 oder 28 Prozent, das sind zwar mit Abstand die meisten Stimmen, aber das ist nicht unser Anspruch.“ Zum Abschneiden der SPD sagte Bouffier: „Ich kann keine Freude darüber empfinden, dass die SPD quasi ins Nirwana gefallen ist.“

In Fulda erreichte die SPD mit 10,9 Prozent ein katastrophales Ergebnis und halbierte dort ihren ohnehin nicht hohen Stimmenanteil der Wahl von 2014. Ganz knapp am einstimmigen Resultat schrammten die Sozialdemokraten in Hünfeld vorbei. Dort kam die SPD auf gerade einmal noch 10,1 Prozent.

„Die Menschen wollen einen Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit“, sagte Udo Bullmann, Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten im EU-Parlament. Seine Fraktion sei dafür gut aufgestellt.

Die hohe Wahlbeteiligung hatte sich schon bald abgezeichnet. Bereits am frühen Nachmittag hatten nach Angaben der Landeswahlleitung knapp 35 Prozent der 4,7 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Das waren 15 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2014. Damals lag die Beteiligung gegen 14 Uhr noch unter 20 Prozent.

Das Interesse an der Wahl hatte in den letzten Tagen spürbar zugenommen, wozu sicher die „Fridays for Future“ beigetragen haben. Auch das schöne Wetter und die 30 gleichzeitig stattfindenden Bürgermeisterwahlen hatten an der hohen Wahlbeteiligung sicher ihren Anteil.

In Hessen haben 40 Parteien und sonstige politische Vereinigungen an der Wahl teilgenommen. Die ersten Ergebnisse waren um 18.50 Uhr auf den Seiten des Landeswahlleiters sichtbar. Am schnellsten mit dem Auszählen waren die Wahlhelfer in Feldatal im Vogelsbergkreis, wenige Sekunden danach war Cornberg im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ebenfalls online.

Das bundesweite wie auch das hessische Wahlergebnis wurde erst um 23 Uhr und damit nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe veröffentlicht. Erst dann nämlich hatten die Wahllokale in Italien als letzte bei dieser Wahl geschlossen.

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