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Der Taunus zeigt sich löwenstark

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Jahresempfang des Kreises im Zeichen des Jubiläums / Sorge um den Wald

HOCHTAUNUS - Ob der Wolf im Taunus angekommen ist, das muss bis zum endgültigen Beweis noch im Vagen bleiben. Ein Löwe hat es aber definitiv bis zum Feldberg geschafft. Am Mittwochabend wurde der prächtige Kerl auf dem Gipfel von reichlich Prominenz begrüßt und bewundert. In sattem Blau mit bunter Mähne stand das offizielle Geschenk des Landes Hessen, das bis dato seinen Platz vor der Staatskanzlei in Wiesbaden hatte, am kürzlich neu eröffneten Feldberghaus. Dorthin hatte Kreis für seinen Jahresempfang 2022 geladen.

Das festliche Ereignis stand in diesem Jahr unter ganz besonderen Vorzeichen, immerhin ist der Hochtaunuskreis in seiner derzeitigen Form vor genau 50 Jahren durch die damalige Gebietsreform entstanden und feiert somit einen runden Geburtstag. Der Text auf der Einladungskarte lautete „Dort, wo man gerne lebt“ und gab damit schon vor, was im Laufe des Abend immer wieder betont wurde. Als Ehrengast machte Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) keinen Hehl daraus, wie sehr er es schätze, „das Paradies Taunus vor der Haustür zu haben“. Als Bürger von Nieder-Eschbach kenne er nahezu jeden Weg im Feldberggebiet, an Weihnachten ziehe es ihn jedes Jahr auf den Altkönig.

Zuvor hatte Landrat Ulrich Krebs (CDU) vor den rund 250 geladenen Gästen gesagt, was er sich für die Zukunft „seines“ Kreises erhofft - „dass die Leute weiter gerne im Taunus leben, dass der Taunus ein guter Bildungsstandort bleibt, dass es gelingt, den Charakter des Taunus zu retten und dem Klimawandel zu trotzen“.

Der aktuelle Zustand des Taunus-Waldes beschäftigte auch viele andere Gäste des Jahresempfangs. Ernst Welteke, der vor 1972 noch dem Kreistag des damaligen Obertaunuskreises und anschließend 20 Jahre dem neuen Kreis-Parlament angehört hatte, sprach von einer „großen Sorge“ um den Zustand des heimischen Forsts. „Der Taunus hat sich auf seiner Südseite dramatisch verändert, so viele braune Flächen hat es noch nie gegeben“, sagte der SPD-Politiker und ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank.

Von der exponierten Stelle, an der das Feldberghaus steht, war auch an diesem Abend klar zu sehen, dass der Klimawandel deutliche Spuren hinterlassen und große Schneisen in die Landschaft gerissen hat - für Lena Zielke wesentlicher Grund, sich in der Politik zu engagieren.

Rhein würdigt Kommunalpolitik

Die Grünen-Politikerin sitzt im aktuellen Kreistag und nahm beim Jahresempfang ebenso wie Krebs, Welteke und FDP-Mann Philipp Herbold an einer kurzen Talkrunde (moderiert von Christina Ringer) teil, in der die Teilnehmer einen Blick auf das „Geburtstagskind“ warfen. „Der Hochtaunuskreis ist es wert, dass man sich für seinen Erhalt einsetzt“, sagte Zielke. Herbold erinnerte an die im wahrsten Sinne herausragende Rolle des Taunus, der ja mal „die Höhe“ hieß. Es sei Aufgabe von Politik und Bürgern, diese lebenswerte Region zu bewahren. Dabei könne der Hochtaunuskreis auch Vorbild für andere Regionen sein.

Landesvater Rhein würdigte denn auch den Einsatz der vielen politisch Engagierten: „Es weiß ja fast niemand, dass Politik auf Kreisebene überwiegend im Ehrenamt geleistet wird.“ Ohne die engagierten Kommunalpolitiker „würde unser Land nicht funktionieren“. Dann gäbe es keine Stadtparlamente, keine Ortsbeiräte, keine Ansprechpartner für die Bürger. Betrüblich fand Rhein, dass kommunale Volksvertreter häufig mit einer hohen Anspruchshaltung konfrontiert seien und der ihnen gegenüber angeschlagene Ton oft unangemessen sei. Demokratie sei aber „kein Versandhandel“, bei dem man bestellen könne. „Das sind ausschließlich wir“, so Rhein.

Der Ministerpräsident lobte bei dem feierlichen Anlass auch die hauptamtliche Arbeit in den Landkreisen. „Sie sind unverzichtbar, und wir als Land sind froh, dass wir uns auf sie verlassen können.“ Die großen Herausforderungen durch die Flüchtlingskrise, die Corona-Krise und die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine hätte das Land ohne die engagierte Unterstützung der Kreise nicht bewältigen können.

Dass der Jubiläumsempfang des Hochtaunuskreises auf dem Großen Feldberg stattfand, hat - auch darauf wurde am Mittwoch augenzwinkernd hingewiesen - ebenfalls viel mit dem Jahr 1972 zu tun. Bis dahin gehörte der Taunusgipfel schließlich noch zum Main-Taunus-Kreis.

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