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Bernhard Lorenz in seiner Wiesbadener Kanzlei.
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Bernhard Lorenz in seiner Wiesbadener Kanzlei.

PORTRAIT

Der Streitbare

  • Madeleine Reckmann
    VonMadeleine Reckmann
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Der Wiesbadener CDU-Politiker und Rechtsanwalt Bernhard Lorenz scheut keinen Konflikt und steht selbst im Fokus der Staatsanwaltschaft.

Eigentlich gilt Bernhard Lorenz für die CDU als Mann der Vergangenheit. Ihren umstrittenen langjährigen Fraktionschef hatte die Partei im Herbst 2019 wegen innerparteilicher Querelen und der Skandale im Zusammenhang mit vermeintlichen Geldzahlungen an den späteren Geschäftsführer der Wiesbaden Holding, Ralph Schüler, hochkant aus allen Ausschüssen und Aufsichtsräten geworfen. Eine erneute Kandidatur war nicht erwünscht. So schien der Mann, der 20 Jahre lang die Geschicke der Wiesbadener CDU und der Landeshauptstadt bestimmt hatte, nicht mehr politisch präsent zu sein. Aber im Ortsbeirat seines Stadtteils Klarenthal entschieden die Wählerinnen und Wähler anderes – und schenkten ihm mehr als tausend Stimmen. Der Vater von drei Kindern rutschte zwar wegen einer Differenz von drei Stimmen vom ersten auf den zweiten Listenplatz. Dennoch spricht das nicht dafür, dass Lorenz unbeliebt wäre.

So richtig weg war und ist er ohnehin nicht. In den Schlagzeilen der Lokalzeitung taucht er des Öfteren auf. Der Rechtsanwalt steht für Streitbarkeit und Gerichtsprozesse. Die Klagen wirbeln immer wieder Staub auf, und die interessierte Wiesbadener Öffentlichkeit verfolgt wie in einer TV-Serie, wie die Konflikte in der nächsten Folge weitergehen. Fakt ist, Lorenz gibt nicht auf. Da ist er stur. Viele Verfahren gegen ihn verliefen im Sande. Bislang konnte ihm kein Staatsanwalt etwas nachweisen, weder mutmaßliche Untreue bei der Frankfurter Industrie- und Handelskammer noch dass der spätere WVV-Chef Schüler ihm Geld gezahlt haben soll, damit Lorenz für ihn im Aufsichtsrat ein Wort einlege. Und doch führt immer wieder jemand etwas gegen ihn ins Feld. „Die denken, ich bin so kriminell, dass man mir nichts nachweisen kann“, witzelt er gerne siegessicher. Zurzeit laufen sechs Verfahren gegen ihn, unter anderem wird er der Untreue und des Betrugs verdächtigt; es geht um den verunglückten Grundstücksverkauf Wilhelmstraße 1 und um Prozesskosten, von denen niemand weiß, wer sie zahlen muss. „Keines dieser Verfahren macht mich nervös“, sagt er ruhig.

Dass der Rechtsanwalt nun ausgerechnet die früheren Chefs der Wiesbadener und Frankfurter Arbeiterwohlfahrt (AWO) Jürgen und Hannelore Richter und andere Personen in dem AWO-Skandal vor Gericht vertritt, lässt in Wiesbaden einige den Kopf schütteln. Die AWO-Leute sollen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben und haben alle Sympathien verloren. „Ich habe großes Interesse an intellektueller Auseinandersetzung“, begründet Lorenz sein Engagement. Knifflige Fälle machten ihm Spaß. Zudem scheue er die Öffentlichkeit nicht. Als Anwalt sei er seinen Mandanten verpflichtet, alles andere habe ihn nicht zu berühren.

Lorenz, der seit seiner Jugend Christdemokrat ist, studierte gleichzeitig Rechtswissenschaften, Politik, Philosophie und Soziologie im Hauptfach, nur Jura schloss er ab. Berufsbegleitend fügte er Studien in Versicherungsrecht und Immobilienökonomie an, ein hochintelligenter und hochqualifizierter Mann, der mitunter auch etwas hochmütig wirkt. „Die intellektuelle Eitelkeit gehört zu den ständigen Versuchungen meines Lebens“, gibt der praktizierende Katholik zu. „Mich treibt die Begeisterung für die Sache. Die Alternative wäre, sich mit besseren Lösungen zurückzuhalten“, sagt er. Das sei für ihn aber keine Option. Er habe immer die Welt ein bisschen besser machen wollen. Dabei brauche es Kompetenz in der Sache und Durchsetzungskraft. Wie er dabei auf andere wirke, sei für ihn nicht so wichtig. F5

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