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Der putzige Räuber

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Diese Tiere haben sich im Bad Nauheimer Kurpark blicken lassen, und Barbara Peters hat den Fotoapparat gezückt. Waschbären sorgen auch für Ärger - weshalb sie in Bad Nauheim und in Friedberg schon zum Thema in der politischen Beratung geworden sind. barbara Peters © Red

Bad Nauheim/Friedberg - Man kann niemandem hinter die Stirn gucken. Auch dem Waschbären nicht. Putzig sieht er aus mit Knopfaugen und „Maske“ im Gesicht. Trotzdem ist er ein Räuber, der sich gerne an Mülltonnen oder Vogelnestern zu schaffen macht. In Bad Nauheim und Friedberg hat die Politik veranlasst, dass gegen den Waschbären vorgegangen werden soll.

Was ist aus dem Ansinnen geworden?

Im September 2021 hatte das Bad Nauheimer Stadtparlament einstimmig einen Antrag von CDU, Grünen und SPD angenommen, der eine Eindämmung der Waschbär-Population auf Bad Nauheimer Gebiet zur Folge haben sollte. SPD-Fraktionsvorsitzender Sinan Sert sprach sich damals für eine relativ sanfte Methode aus: vergrämen statt erschießen. FDP-Mann Jochen Ruths wies jedoch darauf hin, dass das Vergrämen nicht funktioniere, stattdessen müssten Fallen zum Einsatz kommen.

Vergrämen oder fangen - wie ist die aktuelle Waschbär-(P)Lage in der Kurstadt? „Der Stadt sind vereinzelt Sichtungen oder auch Schäden auf Privatgrundstücken gemeldet worden. Aufgrund der geringen Anzahl wird die Lage nicht als Problem eingestuft, allerdings aufmerksam beobachtet. Weder Parks, noch städtische Liegenschaften sind betroffen“, antwortet Esther Gunkel von der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt.

Waschbären seien zwar Raubtiere, gute Kletterer, lernfähig und stellten für Nistkästen und Freibrüter eine grundsätzliche Gefahr dar, doch „können wir allerdings bislang noch keine relevanten Verluste feststellen“, teilt Gunkel mit Blick auf Bad Nauheim mit.

Was hat sich seit dem besagten Votum im Stadtparlament politisch und auf Verwaltungsebene getan? „Aufgrund des geschilderten Ausmaßes wird die Waschbärenproblematik zwar betrachtet, steht allerdings nicht im Fokus. Die Evaluation läuft gerade“, informiert Gunkel.

IMMENSER SCHADEN

Auf verwilderten Flächen , in Scheunen und unbewohnten Häusern fühle sich der Waschbär besonders wohl, erklärt Joachim Kunze. In Ockstadt hätten die Tiere Dachziegel abgedeckt und sich dann eingenistet, sagt der Jäger und Lokalpolitiker. Die Waschbären würden auch den Wasserabfluss hochklettern. „Die sind eigentlich sehr putzig und sehr schlau, aber sie nehmen überhand.“

Ein von Waschbären verursachter Schaden könne teuer werden. Mache das Tier beispielsweise an der immer gleichen Stelle sein Geschäft, dann könne dies durch den Dachboden ins Stockwerk darunter tropfen. Außerdem könne es vorkommen, dass der Waschbär im Haus randaliere.

Jeder Hausbesitzer kann ein Stück weit etwas dafür tun, das eigene Grundstück nicht allzu attraktiv für den Waschbären zu gestalten - Stichwort Mülltonnen.

Auf der Internetseite www.nabu.de heißt es zu diesem Thema: „Während es im Wald, dem ursprünglichen Lebensraum des Waschbären, Zeiten gibt, in denen das Nahrungsangebot knapp ist, findet er in menschlicher Nähe oftmals einen reich gedeckten Tisch. Essensreste im Müll und auf dem Kompost, Fallobst und gefüllte Futternäpfe für Haustiere kommen für den Waschbären einer Einladung gleich. Als anpassungs- und lernfähiges Tier hat er somit in Parks und Grünanlagen keine Probleme mit dem Überleben.“ agl

In Friedberg hatte die CDU Anfang 2020 vorgeschlagen, ein Waschbär-Management einzurichten. Zusammen mit Jagdpächtern sollten Fallen angeschafft werden. Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) teulet zum Stand der Dinge mit: Das Waschbär-Management sei noch nicht umgesetzt worden. Für den Oktober sei noch ein Runder Tisch zum Thema anberaumt. Dort solle besprochen werden, wie sich das Management am sinnvollsten umsetzen lasse. Nur so viel sei schon klar: Der Bauhof werde sich nicht um das Aufstellen der Lebendfallen kümmern, das würden die geschulten Jäger übernehmen. Die Stadt werde die Fallen zur Verfügung stellen. Und wie sieht es mit dem Waschbär-Problem in Friedberg aktuell aus? „Es hat zugenommen, ist aber noch überschaubar“, sagt der Bürgermeister.

Von 40 bis 50 gefangenen und dann getöteten Waschbären pro Jahr im Jagdrevier der Kernstadt-Gemarkung spricht Joachim Kunze. Eine EU-Verordnung verbiete es, invasive Tierarten wie den Waschbären wieder auszusetzen. Kunze ist Jäger in besagtem Revier und sitzt zudem für die CDU im Ortsbeirat Kernstadt. Im Juni 2021 hatte er in einer Ausschusssitzung verdeutlicht, wie groß das Waschbär-Problem sei. Im Gespräch mit dieser Zeitung sprach er nun von mehreren Fallen, die er in Ockstadt aufgestellt habe. Dieser Stadtteil sei ein Paradies für Waschbären, schließlich gebe es dort nicht mehr genutzte Scheunen und viel Obst. Kirschen, Pfirsiche, Pflaumen seien beim Waschbären beliebt - „und im Frühjahr die Vogelnester“.

Um den Waschbären Einhalt zu bieten, sollte das Management zum Einsatz kommen, Kunze versteht darunter, dass Bauhofmitarbeiter den Fallenjagdschein machen. Den entsprechenden Lehrgang dürfe jeder absolvieren, sagt Kunze, nur das Erschießen des Tieres, das bleibe Aufgabe des Jägers.

Kunze spricht sich dafür aus, in der Stadt Lebendfallen aufzustellen; es gebe ein paar Ecken, an denen das sinnvoll sei. Zum Beispiel auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne, denn die dortigen Baracken könnten von Waschbären als Unterschlupf genutzt werden.

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