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Der Nidda geht das Wasser aus

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Wenig Wasser, viel Kies - die Nidda im Karbener Stadtzentrum. pegelow/Niehoff/privat © Holger Pegelow

Normalerweise sind so ein paar Tage Hitze nichts Dramatisches. Doch da sich die lang anhaltenden Hitzeperioden seit 2018 fast schon regelmäßig wiederholen, gebe das Anlass zu ernsthafter Sorge, meint der Gewässerökologe Gottfried Lehr aus Bad Vilbel. Üblicherweise finde die Natur auch immer wieder ihr Gleichgewicht zurück. Jedoch müssten dafür auch die Voraussetzungen stimmen.

So füllen sich beispielsweise die Wasserstände in den Gewässern im Winter wieder auf und sorgen so auch dafür, dass die Grundwasserstände ihr normales Maß erreichen. Doch seit 2018, seit Beginn der Trockenperiode, scheint diese Regel nicht mehr zu funktionieren.

Weil der dringend benötigte Regen ausbleibt, sind bereits, nach Ansicht Lehrs und mehrerer Umweltverbände, die deswegen bereits die Landesregierung aufgerufen haben, den Wassernotstand landesweit auszurufen, viele Abschnitte an Bächen biologisch tot. "Selbst wenn es in den nächsten Monaten bis hinein in den Herbst ausgiebig regnen würde, reicht das nicht aus, um das schwindende Grundwasservorkommen wieder auf das Normalmaß aufzufüllen", erläutert Lehr die Situation. Denn durch die ausgetrockneten Böden könne das Regenwasser nur ganz allmählich wieder durchsickern. "Heutige Extremjahre mit 20 Hitzetagen, wobei nun selbst Temperaturen von 40 Grad und mehr dann keine Seltenheit mehr sind, werden sich zu Durchschnittssommern zum Ende des Jahrhunderts entwickeln, wenn wir in den kommenden Jahren nicht massiv gegensteuern", befürchtet Lehr.

Auch für die Gewässer sieht der Gewässerökologe in diesem Falle schwarz. Wenn Bäche austrocknen oder Flüsse nur noch wenige Zentimeter Wasserstände aufweisen, habe das erhebliche Auswirkungen auf die Tierwelt in den Gewässern und die Pflanzen in der unmittelbaren Umgebung. Kleine Pflanzen wie Gräser und Büsche würden zwar bei ausbleibender Bewässerung verdorren, doch die würden im nächsten Jahr wieder austreiben, weil ihr Wurzelwerk solche Phasen zumeist überstehen würde. Anders sehe es bei den Bäumen aus, die würden durch anhaltenden Wassermangel schwere Schäden erleiden. Auch die Tierwelt in den Flüssen und Bächen leide unter einer Hitzewelle, denn dann wird, wie momentan, die Wassertemperatur erheblich aufgeheizt.

"Problematisch wird es beispielsweise für Fische, wenn das Wasser wärmer als 23 Grad wird", erklärt Lehr. Beispielsweise wie im Jahr 2019, als die Wassertemperatur auf 26 Grad angestiegen sei. Dann steigt der Stoffwechsel im Wasser, der Sauerstoffgehalt sinkt ab, und die Fische geraten unter enormen Stress.

"Wenn dann der Mensch von oben beispielsweise mit Kanufahrten die Situation für die Tiere noch verschärft, dann kann es für sie lebensbedrohlich werden." Nicht umsonst ist deshalb an vielen Abschnitten der Nidda rund um und in Bad Vilbel seit einigen Jahren das Kanufahren verboten. Und auch für Spaziergänger sind spätestens seit der Renaturierung der Nidda nur noch bestimmte Plätze ausgewiesen, beispielsweise am Römerbrunnen in Bad Vilbel oder den Uferabflachungen in Dortelweil oder in Rendel sowie der Niddamündung in den Main, wo sie sich der Nidda nähern können. Vor allem die linearen, also dauerhaften Störungen sind für die Tierwelt das Problem. Denn die haben unmittelbare Auswirkungen auf die Gesundheit der Tiere im Wasser", erklärt Lehr.

Da sich andeutet, dass sich die Erwärmung des Klimas fortsetzt und die Temperaturen im Sommer weiter ansteigen werden, fordert Lehr von der Politik schnelle Gegenmaßnahmen. So müsse nicht nur die Renaturierung der Flüsse vorangetrieben werden, sondern gleichzeitig auch für einen ausreichenden Baumbestand an den Flussufern gesorgt werden. "Denn Bäume sorgen für Schatten und verhindern so ein stärkeres Erwärmen des Wassers", begründet Lehr seine Forderung.

Und auch an die Spazierengehenden hat Gottfried Lehr eine Bitte: "Haltet euch von den Gewässern fern. Es dient dem Schutz der Tiere."

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Gewässerökologe Gottfried Lehr © Red

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