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Tanzen bis tief in die Nacht ist keine Frage des Alters, wie hier bei der Querbeatdisco in Offenbach.

Ü50-Partys

Zum Tanzen ist man nie zu alt

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Wer nicht mehr in die Disco und noch nicht zum Tanztee passt, sollte es mal mit einer Ü50–Party versuchen In der Region gibt es immer mehr Clubs, die dazu einladen

Ausgehen, um zu tanzen, das ist Hobby und Leidenschaft von Andreas Gugsch. Einmal bis zweimal pro Wochenende zieht es den Hanauer nach Frankfurt und Offenbach zum Tanzen, etwa in die Brotfabrik, den Club Voltaire, Jazzkeller oder ins KJK Sandgasse. „Das ist totale Entspannung für mich und tut der Seele gut“, sagt der 58-Jährige, der einen „ziemlich anstrengenden Job“ hat. „Es ist wie so eine Droge, einmal am Wochenende tanzen, das muss schon sein.“ Für den klassischen Tanztee am Nachmittag fühlt sich Gugsch zu jung. Deshalb ist er froh, dass es Parties nach seinem Geschmack für ein tendenziell älteres Publikum gibt.

Damit die Atmosphäre stimmt, müssen für Gugsch einige Kriterien erfüllt sein: Entspannt sollte es zugehen, ohne Türsteher, der die Leute nach Optik aussortiert. Auf Flirts auf der Tanzfläche und eine „Anmach-Szene“ kann der 58-Jährige ebenso verzichten. Für ihn, der entweder alleine, mit seiner Frau oder auch mal mit Sohn (27) und Tochter (25) zu den Tanzveranstaltungen für das etwas ältere Publikum fährt, steht die Bewegung im Vordergrund.

Häufig sei das Publikum gemischt. „Man ist froh, dass nicht nur die Älteren da sind“, erzählt Gugsch, den vor allem Soul und Funk auf die Tanzflächen der Klubs treibt. „Aretha Franklin und Co. ist eigentlich nicht so meine Musikrichtung, aber man kann extrem gut dazu tanzen“, sagt er. Sein Musikgeschmack sei aber riesengroß. Er selbst mache Mittelaltermusik, möge aber auch Elektronisches, sei früher öfter auf Raves gegangen, um DJs wie Sven Väth zu hören. „In diesen Discos, in die ich gehe, werden aber auch Sachen aus den aktuellen Charts gespielt“, berichtet Gugsch.

Wenn Elvira Weiss, besser bekannt als DJ Vira, an ihre zwei Doppel-CD-Spieler in der Brotfabrik tritt, hat sie einen großen Plattenkoffer dabei. Auf ihren „Minus50plus“-Parties legt Weiss von den Beatles, den Rolling Stones oder Led Zeppelin bis Michael Jackson, Human League und Depeche Mode etliche Klassiker der Pop- und Rockmusik auf. Neben Hits der 70er, 80er und 90er Jahre sind auch aktuellere Songs, etwa von Ed Sheeran oder Lenny Kravitz dabei. „Ich habe ein gutes Gefühl, wer was mögen könnte, und merke schnell, welche Stimmung auf der Tanzfläche herrscht“, sagt die 63-Jährige. Das dankt ihr das Publikum. Es gebe Abende, da stünden die Gäste schon vor Beginn um 21 Uhr auf dem Hof, und „um fünf nach neun tanzen die ersten“, sagt Weiss. Etwa die Hälfte der bis zu 200 Gäste pro Abend seien „50plus“.

Weiss sagt: „Am Anfang kamen viele Ältere, mittlerweile haben sich auch 30- bis 40-Jährige unter das Publikum gemischt“. Die ältesten ihrer Gäste schätzt sie auf um die 70. „Sehr viele Singles“ seien dabei und schon vier Brautpaare hätten sich auf ihren Parties kennen gelernt. Seit rund zwölf Jahren veranstaltet sie die Feiern in der Brotfabrik. Begonnen hat sie als erster weiblicher DJ im Frankfurter Cooky’s Ende der 70er Jahre. Bands wie Kiss, Pink Floyd und Supertramp gehörten damals zu ihrem Repertoire. Auch heute spielt sie ihre alten Helden, wenn die Stimmung es zulasse. Das Besondere der Ü50-Parties sei die Ungezwungenheit: „Man muss sich nicht besonders zurecht machen, kommt ganz normal casual rein, keiner hat Berührungsängste“, sagt Weiss.

Um viertel vor zwei dreht sie die Musik langsam leiser, das Licht wird gedimmt. Zugaberufe sind dann keine Seltenheit. „Die Musik rauscht durch deinen Körper, du bist auf Betriebstemperatur“, so beschreibt Weiss den Zustand der Tanzenden. Weil die Brotfabrik in einem Wohngebiet liege, müsse eben um zwei Uhr morgens Schluss sein. Es klingt so, als würden sonst einige noch die ganze Nacht durchtanzen.

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