+
So haben die Architekten das neue Wohnquartier in den denkmalgeschützten Fabrikgebäuden der Phrix geplant.

Hattersheim

Denkmalschutzprojekte in Frankfurt: „Einzigartig in Westdeutschland“

  • schließen

Denkmalschutzprojekte wie das auf dem Phrix-Gelände sind rar.  

Theodor J. Tantzen spricht von einem absoluten Glücksfall. Wie ein „Sechser im Lotto“ sei für die Prinz von Preussen Grundbesitz AG der Kauf des Geländes der ehemaligen Papierfabrik in Okriftel gewesen, sagte das Vorstandsmitglied des Bonner Bauträgerunternehmens der FR. In ganz Westdeutschland gebe es derartige Denkmalschutzprojekte mit einer Quartierslage nah an einer Großstadt nicht. Entsprechende Immobilien seien schlichtweg am Markt nicht mehr verfügbar. „Die Phrix ist einzigartig.“

Tatsächlich liegt das Gelände mit den imposanten Backsteinbauten nur ein paar Hundert Meter von der Frankfurter Stadtgrenze entfernt am Mainufer in Hattersheim-Okriftel. Es ist nah am Flughafen, die S-Bahn-Station ist nicht weit. Für Autobesitzer wird eine Parkgarage mit 500 Stellplätzen gebaut. Supermärkte im Quartier sind für die Nahversorgung da.

Theodor J. Tantzen (r.) mit Nicolas Dufner von der Wohnkompanie.

Sorgsam und mit viel Feingefühl wolle man das Wahrzeichen der Hattersheimer Stadtgeschichte in ein Wohnquartier umgestalten, hatte die Prinz von Preussen AG, bereits kurz nachdem der Kaufvertrag unterschrieben war, angekündigt. Die historische Gebäudesubstanz mit ihren klaren Strukturen solle erhalten und in ein Wohnensemble der besonderen Art integriert werden. Nachdem das Hattersheimer Stadtparlament 2018 den Bebauungsplan beschlossen und das Kreisbauamt Anfang 2019 die Baugenehmigung erteilt hatte, können seit knapp einem Jahr die Bagger rollen.

„Ein Industriedenkmal zu entdecken, ist wie in einem Buch zu lesen, die Details darin zu entblättern und in den neuen Kontext zu transferieren“, sagt Georg Krautwurst vom Düsseldorfer Architekturbüro BK-Plan. Er ist Experte für Konversionsflächen, das Büro spezialisiert auf die Konstruktion von Innenbereichen bei der Umwandlung von Industrieanlagen, vor allem von Denkmalschutzobjekten. 

Am Mainufer wird eine große Grünanlage für die Bewohner der „Main Riverside Lofts“ angelegt.

Bei ihrer Arbeit haben die Raumplaner die besondere Atmosphäre der geschichtsträchtigen Fabrikgebäude am Main besonders in den Blick genommen. Die stabile Tragstruktur mit den vorgegebenen Grundrissen und die großen Deckenhöhen von mindestens dreieinhalb Metern seien ideal für die Umnutzung zu Wohneinheiten mit „Loftcharakter“, sagt Krautwurst. Die raue Schale der Gebäude stehe im Kontrast zum edlen und geradlinigen Interieur. „Es ergänzt sich in der Kombination zu räumlicher Perfektion.“

Details aus der Geschichte der Hattersheimer Papierfabrik werden bei der Umwandlung in Wohnraum an vielen Stellen aufgegriffen. Dort, wo sie nicht nutzbar sind, werden sie abgebaut, um sie an anderer Stelle wieder zu installieren – „damit die Menschen, die hier in Zukunft leben werden, etwas von diesen historischen Einzelstücken ablesen können, die früher das Gebäude ausgemacht haben“, erläutert der Architekt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare