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Der Kronberger Bahnhof ist in die Jahre gekommen.

Kronberg

Denkmalschutz verzögert Bahnhofs-Verkauf

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Das Landesamt für Denkmalpflege prüft nun die Entwürfe der Bewerber. Das Parlament soll erst im November abstimmen.

Eigentlich hätten die Kronberger Stadtverordneten am vergangenen Donnerstag über den Verkauf des Bahnhofsgebäudes abstimmen sollen. Doch der Denkmalschutz hat diesen Plan durchkreuzt. Deswegen hatte der Magistrat bereits im Vorfeld seine Beschlussempfehlung für einen der beiden verbliebenen Bewerber zurückgezogen.

„Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben“, sagt der Erste Stadtrat Robert Siedler (parteilos). Das Ganze sei zwar „ärgerlich“, doch Siedler geht davon aus, dass die Abstimmung über den Bahnhofsverkauf bereits in der nächsten Parlamentssitzung am 8. November nachgeholt werden kann.

Grund für die Verzögerung war die für die Stadt überraschende Nachricht, dass mittlerweile nicht nur das Empfangsgebäude selbst unter Denkmalschutz steht, sondern auch das sogenannte Basa-Gebäude, ein unscheinbares Toiletten- und Technik-Häuschen südöstlich davon. Das sei der Stadt allerdings nicht mitgeteilt worden, betont Siedler. „Wir haben kein Schriftstück darüber vorliegen.“ Auch in der 2013 veröffentlichten Denkmaltopographie sei es noch nicht verzeichnet gewesen. Auf dieser Basis habe die Stadt aber die Ausschreibung für den Verkauf des Bahnhofsgebäudes erstellt, erklärt Robert Siedler.

In dem online abrufbaren Verzeichnis über Kulturdenkmäler in Hessen ist das aus den fünfziger Jahren stammende Basa-Gebäude hingegen inzwischen ebenso als denkmalwürdig rot markiert wie das Empfangsgebäude. Ausgeschrieben steht „Basa“ für „Bahnselbstanschlussanlage“, das bahneigene Telefonsystem.

Er habe bereits mehrfach Kontakt mit dem zuständigen Landesamt für Denkmalpflege gehabt, schildert Siedler. Ganz aufklären ließ sich der Vorgang bislang nicht. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat Siedler nun die Entwürfe der beiden verbliebenen Kaufinteressenten an das Landesamt geschickt und um eine Stellungnahme gebeten, ob sie mit dem Denkmalschutz in Einklang stehen. Mit einem Ergebnis rechnet der Erste Stadtrat noch in dieser Woche.

Robert Siedler geht davon aus, dass die Magistratsempfehlung dadurch nicht geändert werden muss. Insgesamt hatten vier Interessenten Angebote abgegeben. Allerdings hätten nur zwei davon die Vorgaben der Ausschreibung erfüllt, erklärt Siedler. Bei dem einen aussortierten Bewerber habe das geforderte Nutzungskonzept gefehlt, der andere habe noch einmal ein ebenso großes Gebäude neben das Empfangsgebäude stellen wollen.

Ziel der Stadt ist nicht ein möglichst hoher Preis, sondern ein stimmiges Konzept. Der Käufer muss sich verpflichten, das marode Bahnhofsgebäude zu sanieren. Wichtig ist darüber hinaus, dass es in oder am Bahnhof weiterhin ein Reisezentrum gibt. Außerdem sollen die Interessenten konkrete Aussagen machen, wie sie die nötigen Stellplätze schaffen wollen.

Ursprünglich wollte die Stadt das Bahnhofsgebäude in Erbpacht vergeben. Doch dem standen die Wege- und Leitungsrechte der Deutschen Bahn entgegen.

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