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Das Areal um den Spanischen Turm wurde bereits gerodet und Nebengebäude abgerissen. michael schick

Darmstadt

Denkmal in Darmstadt erwacht aus dem Dornröschenschlaf

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Die BS Kulturstiftung der Eheleute Brigitte und Ulrich Scheinert lässt den Spanischen Turm im Park Rosenhöhe sanieren und will dort einen Skulpturenpark etablieren.

In den vergangenen Jahrzehnten fristete der Spanische Turm im Park auf der Darmstädter Rosenhöhe ein beklagenswertes Schattendasein. Ein Konflikt zwischen der Stadt und dem Eigentümer des Gebäudes, der Erbengemeinschaft des Hauses Hessen, verhinderte lange die Sanierung des Denkmals. Heinrich Donatus von Hessen, der Chef des Hauses Hessen, wollte bereits vor etwa zehn Jahren den Turm sanieren. Doch der Plan, das frühere Gewächshaus abzureißen und neben dem Turm mit den auffälligen Treppengiebeln Wohngebäude zu errichten, stieß seitens der Stadt auf Widerstand.

Und so blätterte allmählich die Farbe an dem leerstehenden Gebäude ab und es begann allmählich zu verfallen. Gleiches galt für die daneben liegenden Gebäude der ehemaligen Gärtnerei.

Doch seit einigen Wochen sind der vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Turm und das umliegende Gelände aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Die Immobilie und das Areal haben inzwischen die im Jahr 2018 gegründete BS-Kulturstiftung der Eheleute Brigitte und Ulrich Scheinert auf Basis eines Erbpachtvertrags von der Hessischen Hausstiftung übernommen. Auch wenn die Bedeutung des Baudenkmals, das sich einst in großherzoglichem Besitz befand, bis heute nicht geklärt ist, sind auch die Eheleute der Auffassung, dass der Turm als „weithin sichtbare Landmarke“ auf der Rosenhöhe „einen besonderen Anziehungspunkt“ darstelle.

Die Stiftung plant nun, mit Unterstützung von weiteren Spenden, das Gebäude denkmalgerecht zu restaurieren. Vorgesehen ist zudem, auf dem rund 5500 Quadratmeter großen Areal einen öffentlich zugänglichen Skulpturenpark zu etablieren. Das Gebäude soll dann als Zentrum des Skulpturenparks fungieren.

Nach den Worten der Kunsthistorikerin Bettina John-Willeke, die für die BS-Kulturstiftung tätig ist, soll im September nächsten Jahres anlässlich des 100. Geburtstags des 1993 verstorbenen Darmstädter Bildhauers Wilhelm Loth eine Ausstellung in und um das Denkmal stattfinden.

Kurioses Denkmal

Der Spanische Turmsteht am östlichen Ende des Parks Rosenhöhe. Seine Entstehungsgeschichte ist rätselhaft, weil historische Unterlagen nicht vorhanden sind. Weder sind das genaue Baujahr und der Zweck bekannt noch ist etwas über die Herkunft des Namens bekannt. Das Gebäude wird jedoch dem früheren großherzoglichen Baumeister und Stadtplaner Georg Moller zugeschrieben.

Großherzog Ludwig III.und der höfischen Gesellschaft soll der Turm als Aussichtsplattform und Teehaus gedient haben.

Die beiden kleineren Nebentraktewurden 1891 angebaut. Zeitweise wurde der Turm als Gärtnerwohnung genutzt.

Seit 2009steht der Turm unter Denkmalschutz. jjo

In den vergangenen Wochen hat sich laut John-Willeke bereits einiges am östlichen Rand der Rosenhöhe rund um den Spanischen Turm getan. So seien bereits etliche Hecken und Büsche gerodet und Nebengebäude abgerissen worden. In Abstimmung mit dem Amt für Denkmalschutz soll im nächsten Jahr dann mit der Restaurierung des Turmgebäudes begonnen werden.

Derzeit werden nach Angaben John-Willekes Fachgutachten für die geplante grundlegende Sanierung der verschiedenen Gewerke eingeholt. Eine Liste von diversen Fachgutachtern habe das Denkmalschutzamt bereits zur Verfügung gestellt. Vorgesehen sei, so John-Willeke, das Gebäude nach historischen Vorbildern zu restaurieren.

Die Eheleute Scheinert, die am Seitersweg ganz in der Nähe der Rosenhöhe wohnen und deren Grundstück an das Gelände des Spanischen Turms angrenzt, das ihre Stiftung nun für die nächsten 35 Jahre gepachtet hat, geben als Motivation für ihr Engagement an, sie wollten dazu beitragen, das Ensemble zu schützen und zu erhalten.

Ob sich das Areal als Skulpturenpark eignet, wird derzeit von der Stadt noch geprüft. In der Stadtverwaltung ist man dem Vernehmen nach gleichwohl über die Idee erfreut, dass das Grundstück attraktiver gestaltet und möglicherweise anders als bisher genutzt werden soll. Allerdings, so äußerte Stadtsprecher Klaus Honold, müsse dies „in verträglicher Form und im Einklang mit der Natur“ geschehen.

Auch der Förderverein Park Rosenhöhe befürwortet die Pläne der beiden Darmstädter Kunstliebhaber. Die Mitglieder des Vereins seien froh darüber, dass ein privater Investor sich des Turms und des Geländes annehmen möchte, äußerte Gerd Blecher, der Vorsitzende des Fördervereins.

Anfang Januar wird die BS-Kulturstiftung, die 2018 gegründet worden war, um als Privatinitiative, Kunst- und Kulturprojekte in Darmstadt zu fördern, die Crowdfunding-Plattform der Sparkasse Darmstadt nutzen, um weitere Spenden für das Vorhaben einzuwerben. Ein Link wird demnächst auf der Internetseite der Stiftung unter der Adresse www.bs-kulturstiftung.de zu finden sein.

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