Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Gut gebrüllt

Den Kopf verdreht

  • Pitt v. Bebenburg
    vonPitt v. Bebenburg
    schließen

Die Kolumne aus dem Landtag.

Der Wendehals leidet unter einer miserablen Reputation. Bei den großen Demonstrationen gegen die DDR-Machthaber stand auf Transparenten „Wendehälse weg!“. Dabei strebten die nach Demokratie lechzenden Demonstrantinnen und Demonstranten eigentlich eine politische Wende an. Doch Leute, die kurz vorher noch dem Machtapparat gedient hatten und ihren Hals nun dorthin drehten, wo es opportun erschien, galten ihnen zu Recht als prinzipienlos.

Insofern könnte es den Kämpfern für die Demokratie gut gefallen, dass der Wendehals in Hessen vom Aussterben bedroht ist. Doch das, was gut klingt, ist leider keine gute Nachricht.

Hessens Umweltministerin Priska Hinz, in deren grüner Partei die mutigen DDR-Aufständischen vom „Bündnis 90“ ihre Heimat gefunden haben, schlägt jedenfalls Alarm. Ihr Ziel: der Schutz des Wendehalses. Es gebe nur noch 200 bis 300 solcher Brutpaare in Hessen, klagt sie. Deswegen unterstützt die Ministerin das Artenhilfskonzept, das die Staatliche Vogelschutzwarte Hessen für den originellen Vogel aufgelegt hat.

„Er benötigt Orte wie Spechtlöcher und natürliche Baumhöhlen, um zu nisten, und unbefestigten, offenen Boden, um Nahrung zu finden“, teilte Hinz mit. Höhlenbäume und Baumruinen müssten erhalten werden, außerdem brauche es artenreiche Grünlandflächen und Streuobstwiesen, um dem Wendehals Lebensraum und Nahrung zu sichern. Davon profitierten auch andere Vogelarten, etwa der Grünspecht oder der Steinkauz, ließ die Umweltministerin wissen. Das hört sich an, als hätte der Vogel der Ministerin den Kopf verdreht.

Ein Hoch auf den Wendehals also! Das passt gut in die politische Zeit. Gerade die Grünen fordern die notwendige Umkehr in wichtigen Politikbereichen, indem sie den Begriff der „Wende“ beschwören. Die Klimawende soll gelingen durch die Energiewende, die Verkehrswende und die Wärmewende, die Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir gerade in dieser Woche vorgestellt hat, ein grüner Parteifreund der Wendehals-Freundin Hinz.

Dabei hat die Wärmewende nicht zu bedeuten, dass alles anders ist als früher, also die Heizung an warmen Tagen an- und an kalten Tagen ausgestellt wird. Es geht vielmehr um Wärmedämmung und sparsame Heizungen, damit nicht zu viel Energie für das Heizen verbraucht wird. Private Hausbesitzer, Unternehmen und Kommunen sollen mitmachen – und natürlich auch das Land.

Pech für Al-Wazir: Das Wiesbadener Landeshaus, in dem das Ministerium seinen Sitz hat, kann nur energetisch saniert werden, wenn es dem privaten Besitzer in den Kram passt. Das Land hat das Gebäude vor Jahren verkauft, weil der damalige Ministerpräsident Roland Koch (CDU) Geld beschaffen wollte und ohnehin die Vorstellung hatte, dass Privatunternehmen besser Immobilien verwalten könnten als der Staat. Das hat Hessen jetzt davon.

Wer weiß, vielleicht besinnt sich manch ein Neoliberaler nach solchen Erfahrungen jetzt eines Besseren? Das wäre dann wohl ein Wendehals – aber allemal besser als ein schräger Vogel, der um jeden Preis an seiner falschen Ideologie festhält. Deshalb: Artenschutz für den Wendehals!

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare