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Demenz in Hessen: Auch jüngere Menschen betroffen

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Von: Gregor Haschnik

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Das Trainieren des Gehirns: eine wichtige Maßnahme bei von Demenz Betroffenen.
Das Trainieren des Gehirns: eine wichtige Maßnahme bei von Demenz Betroffenen. HayDmitriy / Panthermedia © PantherMedia / HayDmitriy

Die Zahl der Demenzkranken steigt. Es mangelt an spezialisierten Angeboten für Betroffene.

In Hessen sind nach den jüngsten vorliegenden Schätzungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) mehr als 110 000 Menschen über 65 Jahre an einer Demenz erkrankt. Das sind etwa neun Prozent aller Hessinnen und Hessen in dieser Altersgruppe. Dabei ist die Alzheimer-Krankheit die häufigste Demenz-Erkrankung; daneben gibt es weitere Formen, wie zum Beispiel die Demenz bei Morbus Parkinson.

Im Jahr 2019 lag die Zahl der gesicherten Diagnosen einer Alzheimer-Krankheit nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung bei 24 200, die Anzahl der gesicherten Diagnosen einer Demenz bei Alzheimer-Krankheit bei 23 800. Tendenz steigend.

Spezialisierte Heime

Das geht aus Antworten des hessischen Sozialministers Kai Klose (Grüne) auf kleine Anfragen der Landtagsabgeordneten Daniela Sommer (SPD) hervor. Demnach geht das Land von einer Zunahme demenzieller Erkrankungen bei Hochbetagten aus – und damit auch von einer wachsenden Zahl von Betroffenen, die in Pflegeeinrichtungen betreut werden.

Aufgrund der besonderen Anforderungen müssten die Wohn- und Betreuungskonzepte weiterentwickelt und angepasst werden. Der Rahmenvertrag für Pflege schreibe vor, „die Belange von an Demenz erkrankten Menschen zu berücksichtigen“.

Mitte des vergangenen Jahres gab es den Angaben zufolge in ganz Hessen lediglich rund 30 Einrichtungen, die sich auf an Demenz erkrankte Bewohner:innen spezialisiert haben. Wegen der steigenden Zahlen sowie des hohen ökonomischen und zeitlichen Drucks in Pflegeheimen fordern Expert:innen schon seit langem mehr Betreuungsangebote, die auf die Bedürfnisse der Betroffenen zugeschnitten sind. Und eine viel stärkere Unterstützung pflegender Angehöriger, die sich oft im Stich gelassen fühlen.

Zu den Informations- und Hilfsangeboten in Hessen zählen das Modellprojekt Demenzatlas, die Pflegestützpunkte der Landkreise und kreisfreien Städte, Angebote zur Unterstützung im Alltag nach dem Sozialgesetzbuch und die Schulung von Demenzlotsen. Darüber hinaus gibt es rund 40 lokale Allianzen für Menschen mit Demenz.

Besondere Angebote

Nicht nur ältere Menschen erkranken daran, sondern zum Teil auch junge. Im Alter zwischen 45 und 65 Jahren ist ungefähr jeder Tausendste betroffen. Laut Alzheimer Gesellschaft treten knapp zwei Prozent aller Demenzerkrankungen in dieser Gruppe auf. Teilweise beginnt die Krankheit bereits im Alter von Mitte 20, was aber sehr selten ist.

Insgesamt sind auch bei den jüngeren Betroffenen steigende Zahlen zu beobachten, weshalb einige Anlaufstellen sie während der aktuellen Woche der Demenz stärker in den Blickpunkt rücken wollen (siehe Info zu Veranstaltungen).

Auch im Offenbacher Demenzzentrum Statthaus melden sich mittlerweile häufiger jüngere Erkrankte und deren Angehörige, auch wenn es eher Einzelfälle sind. Für sie ist der Ausbruch der Krankheit in der Regel besonders schwerwiegend, weil sie noch mitten im Leben stehen. Häufig wird die Demenz später erkannt, da Symptome etwa als Teil einer Depression interpretiert werden.

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