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Der Autor Oliver Zils (rechts), Albrecht "Ali" Neander (Mitte) und Joachim "Joky" Becker.

Rodgau Monotones

Wie die Rodgau Monotones 40 Jahre überlebten

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Über die Rodgau Monotones ist ein Buch mit dem Titel "Wollt ihr Musik?" erschienen. Es handelt von guten und weniger guten Tagen der hessischen Kultband.

Warum man das Buch über die Rodgau Monotones kaufen sollte, das gerade druckfrisch erschienen ist? „Wir müssen an unsere Rente denken, und Alzheimer steht auch vor der Tür!“ Sie sind trocken und ironisch wie eh und je, die Mitglieder der Band, die einst die inoffizielle Landeshymne „Erbarme, die Hesse komme“ getextet haben. 

„Wollt ihr Musik, oder was?“ – Worte, die ein betrunkener Peter „Osti“ Osterwold als Sänger der Rodgau Monotones im Jahr 1980 beim Frankfurter Festival „Rock gegen Rechts“ angesichts von viel politischem Getöse um sich herum von sich gegeben hat – und zwar ungeplant und mutterseelenallein am Mikrofon auf der Bühne. Diesen Titel trägt nun auch das Buch über die Band, das am Donnerstag in Rodgau vorgestellt wurde.

Einer der sich mit Legenden auskennt, hat sich im Auftrag des Frankfurter Societäts-Verlags der bodenständigen Typen angenommen: Oliver Zils aus Hofheim hat vor zwei Jahren schon ein Buch über den Eintracht-Fußballer Alexander Schur veröffentlicht. Im Sommer 2017 setzte er sich mit dem Gitarristen Albrecht „Ali“ Neander auf einem Bänkchen für ein Gespräch zusammen – und 15 Monate später ist es nun gelüftet, das Geheimnis, wie die Band 40 Jahre überleben konnte.

Dass sie in der schnelllebigen Musikszene vier Jahrzehnte lang nicht untergegangen sind, hat mit ihrem Selbstverständnis zu tun. Die langen Haare, die Joachim „Joky“ Becker mit 63 Jahren trägt, passen wunderbar ins Bild: „Wir waren bei unserer Gründung schon altmodisch und völlig azyklisch“, sagt Neander. So wie die Rauschebärte von ZZ Top, die die Initialzündung für die Gründung der Monotones gaben. „Die hatten schon auf den ersten Blick eine Ironie.“ Schließlich würden sich auch die Rodgau Monotones als eine Provinzband verstehen, „die erscheint wie die Deppen vom Land“, sagt Neander.

Ob das der Grund ist, dass zehn Fans mittlerweile zwischen 20 und 100 Konzerte der Band besucht haben? „Die Monotones sind eine phantastische Liveband“, erklärt René Heinen, Leiter des Societäts-Verlags. Die treue Gefolgschaft werde durch die Familien zu den Kindern weitergereicht. „Manchmal sehe ich Zehnjährige, die schon den gesamten Text auswendig können. Das macht mir ein bisschen Angst“, sagt Neander.

„Wir haben es vermieden, uns in dem Buch gegenseitig speichelleckerisch gut zu finden“, erklärt er. Was ist dann der Inhalt der 176 Seiten, die bereits in Australien, Texas und Dänemark bestellt wurden? „Bilder und Infos aus den ganzen letzten 40 Jahren des Lärms“ heißt es auf der Internetseite der Band. Neander beschreibt das ein wenig differenzierter: „Unwürde im Alter, das Kündigen des Generationenvertrags, ihr gebt uns euer Geld, wir hören noch lange nicht auf.“

Fragen wir also lieber mal den Autor. Das Buch handle von guten und weniger guten Tagen der Band, von Vertrauen, Zoff, Eifersucht und Neid, von den Anfängen im Neu-Isenburger Probenraum, von Meilensteinen wie dem legendären Konzert im WDR-Rockpalast, von Auftritten mit Stars wie Deep Purple, von der Trennung von Henni Nachtsheim und von Gänsehautmomenten mit einem Song beim Heimspiel der Frankfurter Eintracht. „Das Buch zeigt, was Musiker erleben“, sagt Zils, und lacht noch heute darüber, als er hörte, wie sich die Monotones die Zeit im Backstage-Bereich vertrieben haben: mit dem Kinderspiel „Tempo, die kleine Schnecke“, das sie um Geld spielten.

„Man erfährt auch einiges über andere Musiker, wie die Toten Hosen oder Udo Lindenberg“, sagt Heinen. Das Werk gebe einen Einblick in die Musikgeschichte, was es bedeutet, plötzlich populär zu sein, was es heißt, wenn eine große Plattenfirma plötzlich zwölf Songs geliefert haben will. Es sei in vielen Kapiteln eine Rekapitulation der 80er- und 90er-Jahre. 
Und wie geht es nun weiter? „Wir bleiben im Lärmbereich tätig, bei uns gibt es auch weiterhin unbestuhlte Konzerte“, sagt Ali Neander. „Wir werden mit Särgen aus der Band getragen.“

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