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Bürgerlich und radikal: Emmeline Pankhurst 1916.

Frankfurt

Die vierte Generation

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Helen Pankhurst, Urenkelin der Suffragette Emmeline Pankhurst, hat ein Buch über Frauen im 20. Jahrhundert geschrieben. In Frankfurt liest sie aus „Deeds Not Words“.

Manchen Menschen kommt zu den Suffragetten als erstes ein Song von David Bowie in den Sinn: "Suffragette City", im Original erschienen auf dem grandiosen Album "The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars" von 1972. Was der Song inhaltlich, historisch oder politisch mit der Frauenrechts-Bewegung in Großbritannien Anfang des 20. Jahrhunderts zu tun hat? Vielleicht nicht viel.

Die Suffragetten jedenfalls haben viel bewirkt im teils gewaltlosen, teils militanten Kampf um Gleichberechtigung und für das Recht, zu wählen und gewählt zu werden ? auch wenn hierzulande einigen, und zwar Männern wie Frauen, der Begriff bislang nicht allzu viel gesagt haben mag. Doch da wir heuer Hundert Jahre Frauenwahlrecht feiern, werden auch die damaligen Aktivistinnen im Vereinigten Königreich vermehrt ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, in Dokumentationen, Ausstellungen oder Filmen, wie jüngst beim Festival "Remake", den ersten "Frankfurter Frauen Film Tagen" der Kinothek Asta Nielsen vom 2. bis 11. November.

Emmeline Pankhurst (1858-1928) war eine der Anführerinnen der Suffragetten, ihre Tochter Sylvia Pankhurst (1882?1960) setzte die Bewegung fort. Nun, ein Jahrhundert später, ist Helen Pankhurst, geboren 1964, an der Reihe. Die Urenkelin von Emmeline und Enkelin von Sylvia hat ein Buch geschrieben, das just 2018 erschienen ist. In "Deeds Not Words" beschreibt sie den Wandel von Frauenleben im 20. Jahrhundert und stellt dar, was heute geschehen muss, damit Emanzipation gesellschaftliche Realität wird.

Am Dienstagabend liest Helen Pankhurst in der Veranstaltungsreihe "Remake on Location" unter dem Titel "From ?Votes for Women? to ?Time?s Up? ? Reflections on Feminism in Britain, Past, Present and Future" aus ihrem Buch. Zuvor werden drei kurze Filmsequenzen aus der Suffragetten-Bewegung gezeigt, in denen auch Emmeline und Sylvia Pankhurst auftreten. Wie ihre Urgroßmutter und ihre Großmutter ist Helen Pankhurst heute ebenfalls Frauenrechtsaktivistin. Sie ist zudem Beraterin für "Care International" und tätig in Großbritannien und Äthiopien. Ihre Arbeit hat immer die Interessen und Bedürfnisse von Frauen und Mädchen im Fokus. Außerdem war sie am Drehbuch zum Film "Suffragette ? Taten statt Worte" (2015) mit Meryl Streep und Helena Bonham Carter beteiligt. Über Pankhursts Buch "Deeds Not Words" schreibt die britische Sängerin Annie Lennox: "Ich bin Helen zutiefst dankbar, dass sie es geschrieben hat."

Um hier nun wieder den Bogen zu David Bowie zu schlagen ? auch wenn das für die Frauenrechtsbewegung und Gleichberechtigung womöglich wenig zu bedeuten hat: Lennox sang mit Bowie beim "Freddie Mercury Tribute Concert" 1992 im Duett, zwar nicht "Suffragette City", sondern "Under Pressure". Doch Druck ist heute bestimmt noch genug da, erreicht ist längst nicht alles: "Oh don?t lean on me man, ?cause you can?t afford the ticket. I?m back on Suffragette City."

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