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Das wird ein gutes Theaterjahr

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Von: Anja Laud

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„10 Odd Emotions“, eine Koproduktion des Schauspiels Frankfurt mit der Dresden Frankfurt Dance Company, feiert am 21. Januar Uraufführung.
„10 Odd Emotions“, eine Koproduktion des Schauspiels Frankfurt mit der Dresden Frankfurt Dance Company, feiert am 21. Januar Uraufführung. Bild: Birgit Hupfeld © Birgit Hupfeld

Das Schauspiel Frankfurt und die Staatstheater in Darmstadt und Wiesbaden melden nach der Corona-Depression wieder großes Publikumsinteresse – das Angebot ist aber auch verführerisch

Die Menschen kehren nach der Corona-Pandemie in die Theater zurück. Anselm Weber, Intendant des Schauspiels Frankfurt, und die Hessischen Staatstheater in Wiesbaden und Darmstadt ziehen für die laufende Spielzeit eine positive Zwischenbilanz. Die Theater-Besucher:innen können sich bis zum Sommer auf eine Vielzahl von spannenden Uraufführungen und Premieren freuen. An den drei Theaterhäusern wird ihnen ein Mix aus Klassikern und aktuellen Stücken geboten, die sich mit Themen wie Rassismus, politischem Widerstand und Machtgier befassen. Hier eine Auswahl.

Mit einer ganz besonderen Produktion geht das Schauspiel Frankfurt in das neue Jahr. „10 Odd Emotions“ , „Zehn seltsame Emotionen“, eine Koproduktion des Schauspiels mit der Dresden Frankfurt Dance Company, feiert dort am 21. Januar Uraufführung. „Es ist das erste Mal nach 20 Jahren, dass der Tanz auf die Schauspiel-Bühne zurückkehrt“, sagt Sprecherin Sandra Strahonja. Die Dresden Frankfurt Dance Company hatte Anfang Dezember vergangenen Jahres mit „Anthologie“ im Schauspiel bereits einen Gastspiel-Auftritt. Ihr künstlerischer Direktor und Choreograf Jacopo Godani zeigte eine beispielhafte Auswahl seiner Werke.

In „10 Odd Emotions“ werden Andreas Vögler und Sarah Grundert, beides Mitglieder des Schauspiel-Ensembles, und Performer:innen der freien Szene jetzt gemeinsam mit Tänzer:innen der „Dresden Frankfurt Dance Company“ auf die Bühne treten. Die israelische Choreografin Saar Magal hat für diese Inszenierung auf Grundlage gemeinsamer Recherchen und Improvisationen mit den Akteur:innen ein Stück des zeitgenössischen Physical Theatre entwickelt, das sich mit der Gegenwart und Genealogie von antisemitischer Gewalt in Deutschland auseinandersetzt. Die Uraufführung von „10 Odd Emotions“ ist schon fast ausverkauft. Im Januar und Februar sind viele weitere Aufführungen angesetzt.

Schauspiel-Intendant Weber hofft, dass sein Ensemble, wie vor der Pandemie, bald wieder vor einem fast immer vollen Haus spielt. Viele Vorstellungen sind nach seinen Angaben inzwischen wieder ausverkauft. Die durchschnittliche Auslastung der Vorstellungen habe zwischen September und Dezember bei rund 80 Prozent gelegen. Auch Holger von Berg, Geschäftsführender Direktor des Staatstheaters in Wiesbaden, freut sich über einen Anstieg der Besucherzahlen. „Die Auslastungszahlen haben sich seit dem Saisonstart im Sommer 2022 höchst erfreulich entwickelt. Nachdem wir im September mit knapp 60 Prozent gestartet sind, waren im Dezember über 90 Prozent der Plätze belegt“, sagt er. Die 55 Aufführungen des Weihnachtsmärchens „Peter Pan“ seien sogar zu knapp 95 Prozent ausgelastet gewesen. Von Berg ist deshalb zuversichtlich, dass sich die Zahlen auch in diesem Jahr auf hohem Niveau stabilisieren werden. Christina Sweeney, Pressesprecherin des Darmstädter Staatstheaters, kann den Trend bestätigen. „Seit dem Beginn der Spielzeit liegen wir bei einer erfreulichen Auslastung von rund 80 Prozent, im Dezember sogar bei 94 Prozent.“

Um noch mehr Zuschauer:innen anzulocken, bringen die Theaterhäuser in Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt in den kommenden Monaten wieder große Literatur auf die Bühne. In den Kammerspielen des Frankfurter Schauspiels hat am 20. Januar „Live is but a Dream“ nach „Onkelchens Traum“, dem Roman des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski, Premiere. Eine Frau will einen alten Fürsten mit ihrer Tochter verkuppeln und schreckt dafür vor nichts zurück.,

Werke zweier großer deutscher Autoren bringen die Staatstheater in Wiesbaden und Darmstadt auf die Bühne. „Mario und der Zauberer“ , eine Bühnenfassung der 1930 erschienene Novelle von Thomas Mann, hat in den Kammerspielen des Darmstädter Staatstheaters am 3. Februar Premiere. In ihr greift Mann faschistische Strömungen auf, wie sie in Italien und später in Deutschland herrschten, und stellt die Frage nach der Willensfreiheit.

Inszenierung zweier Stoffe von Erich Kästner sind in Wiesbaden und Darmstadt zu sehen. Eine Bühnenfassung von „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ hat am 31. März im Darmstädter Staatstheater Premiere. In dem Großstadtroman beschreibt Kästners das Leben in Berlin am Vorabend der nationalsozialistischen Machtergreifung. Kästners Komödie „Die Schule der Diktatoren“ , kommt am 22. April in Wiesbaden auf die Bühne der Wartburg. Kästner befasst sich darin mit den simplen Mechanismen der Manipulierbarkeit einer Gesellschaft und die krankhafte Machtgier politisch Verantwortlicher.

Auch zeitgenössischen Schriftsteller:innen wird eine Bühne bereitet. „Mein Lieblingstier heißt Winter“ , ein Stoff nach dem gleichnamigen Roman des Bachmann-Preisträgers Ferdinand Schmalz, hat am 24. März im Schauspiel Frankfurt Uraufführung. Das Stück nimmt die Zuschauer:innen auf eine abgründige Tour im Stile eines melancholischen österreichischen Krimis mit. Ein schwerkranker Kunde bittet einen Wiener Tiefkühlkostvertreter, sich in dessen Tiefkühltruhe zum Sterben legen zu dürfen. In dem Stück geht es um Fragen nach den letzten Dingen und dem richtigen Abgang.

„Die Besetzung der Dunkelheit“ hat am 17. Februar am Wiesbadener Staatstheater Premiere. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman von Bachtyar Ali, dem irakischen Schriftsteller kurdischer Herkunft, in dem ein Professor im Auftrag des türkischen Staates versucht, die kurdische Sprache auszulöschen.

Der Frage, wie sich die digitale Revolution auf den Aktivismus auswirkt, geht der Schriftsteller Ulf Erdmann Ziegler, bekannt durch seinen Roman „Eine andere Epoche“, in seinem ersten Theaterstück nach. „Digitales Feuer“ , ein Auftragswerk des Staatstheaters Wiesbaden, hat dort am 11. März Uraufführung. Ziegler lässt darin mit viel Witz seine Protagonist:innen am „digitalen Feuer“ der Computerbildschirme und Smartphonedisplays aufeinander treffen. Sie treffen sich längst nicht mehr im Wald in Hüttendörfern, sondern unterzeichnen Petitionen auf change.org.

Daneben stehen natürlich wieder in allen drei Theaterhäusern Klassiker auf den Spielplänen. „Jedermann ist niemand und niemand ist Jedermann“ ist ein Meta-Mysterienspiel des Regisseurs Kieran Joel nach Hugo von Hofmannsthal. Es wird am 26. Mai im Staatstheater Darmstadt uraufgeführt. Joel beschäftigt sich darin mit einer Welt, in der die Superreichen, wenn die Klimakatastrophe kommt, sich in einer Raumkapsel absetzen und anders als der durchschnittliche „Jedermann“ nicht (mit) zu Hölle fahren müssen, so das Staatstheater in seiner Ankündigung..

Am Schauspiel Frankfurt hat Shakespeares Tragödie „Macbeth“ am 14. April Premiere. Inszeniert wird der Wandel Macbeths vom königlichen Heerführer zum Königsmörder von dem russischen Regisseur Timofej Kuljabin, der für seine präzise psychologische Figurenzeichnung bekannt ist.

Am Staatstheater Wiesbaden hat am 28. Januar mit „Bakchen“ , eine Neudichtung nach dem antiken griechischen Dichter Euripides von Raoul Schrott Premiere. Regisseur Sebastian Sommer bringt diesen Klassiker mit Chor und Live-Musik auf die Bühne. Zudem feiert Molières Komödie „Tartuffe“ in Wiesbaden am 29. April Premiere, „Endstation Sehnsucht“ des US-Dramatikers Tennessee Williams am 17. Juni.

Auch jungen Menschen machen die Theaterhäuser Angebote. Im Bockenheimer Depot feiert mit „Balance – Zehn Versuche, die Welt zu verstehen“ am 18. März ein Jugendperformanceprojekt Uraufführung. In ihm beschäftigen sich Jugendensembles mit der Frage, wie Handlungsoptionen für einen würdevollen Umgang miteinander und der Welt aussehen könnten.

Am Staatstheater Wiesbaden erzählt Autor und Regisseur Markolf Naujoks mit „Die goldene Stadt“ im Jungen Schauspiel eine märchenhafte Abenteuergeschichte über eine von Erwachsenen verlassene Welt, in der Kinder sich in Freiheit bewegen und nach eigenen Regeln leben. Uraufführung ist am 27. Januar in der Wartburg.

Im Staatstheater Darmstadt hat am 16. Juni „Jugend ohne Chor“ Premiere, ein Werksauftrag, in dem sich die Autorin Anne Lepper humorvoll und zugleich poetisch mit dem Erwachsenwerden beschäftigt.

„Live is but a Dream“ nach „Onkelchens Traum“ von Dostojewski hat im Schauspiel Frankfurt Premiere. Bild: Felix Grünschloß
„Live is but a Dream“ nach „Onkelchens Traum“ von Dostojewski hat im Schauspiel Frankfurt Premiere. Bild: Felix Grünschloß © Felix Grünschloß

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