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Das Silberne Bein des Landgrafen

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Ulrich Haroska, Leiter der Restaurierungsabteilung im Schloss, betrachtet das „Silberne Bein“ von Landgraf Friedrich II. schloss
Ulrich Haroska, Leiter der Restaurierungsabteilung im Schloss, betrachtet das „Silberne Bein“ von Landgraf Friedrich II. schloss © Schloss

Neue Dauerausstellung im Schloss zeigt persönliche Gegenstände

BAD HOMBURG - Silbern ist es nicht, das berühmte „Silberne Bein“ von Landgraf Friedrich II. Es wurde aus Holz gefertigt und glänzt. Ob es 1674 entstand, darin sind sich die Restauratoren nicht sicher - denn der Landgraf hatte diverse Gehhilfen. Sicher ist: Dieses hat er benutzt, als er in Homburg repräsentierte oder anderswo zu Felde zog - und vielleicht auch, als er seine 30 Jahre ältere Gattin freite.

Das „Silbern“ könne sich auf eine „silberne Zunge“ bezogen haben, erklärt Ausstellungsplaner Yannick Schwarz, was „ehrlich“ meinte, also: so gut wie echt. Silber sei in der Prothese jedenfalls nicht enthalten, das hätte man sonst bei der Restaurierung gesehen. Zwölf Jahre lag das Relikt im Depot. Nun ist es aus der Nähe zu sehen - samt Zehenscharnier und Aufhängung, die innen hautfreundliche Baumwolle enthält. Die gab es damals nur in Asien.

Friedrich II. - das ist der mit der Lockenmähne, der quasi aus dem Sandsteinportal in den oberen Schlosshof hineinreitet und dessen schwarze Büste lange im Café im Schlossfoyer stand. Er steht im Mittelpunkt der neuen Dauerausstellung in der Bibliothek über der Romanischen Halle. Noch nie kam man dem Erbauer des Schlosses so nahe.

Die 150 Exponate - viele hat man noch nicht gesehen - wurden direkt in den Bücherregalen platziert. „So kann die Bibliothek als solche wirken“, erläutert Kirsten Worms, Direktorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessens (SG). Besucher können sie selbst per Knopfdruck kurz anleuchten. Eine launige Erläuterung ist - bewusst analog - auf einem Stehpult zu lesen. Zu sehen sind neben dem Bein unter anderem eine Lebendmaske Friedrichs II., eine Wetterfahne vom Weißen Turm von 1704, ein militärisches Planspiel und ein Schnupftuch Landgraf Ludwigs.

Die Idee, die Landgrafen mit einer eigenen Schau zu würdigen, sei gekommen, nachdem 2021 die kaiserlichen Gemächer im Königsflügel wiedereröffnet wurden, berichtet Ulrich Haroska, der Leiter der SG-Restaurierungsabteilung hat die Projektleitung inne. Die Landgrafen prägten immerhin 244 Jahre das höfische Leben in Homburg.

Bibliothek und die benachbarte Ahnengalerie wurden restauriert, in „Rehgrau“ und „Teegrün“ gestrichen und frisch illuminiert. Nun dürften die Räume wieder wirken, wie Landgräfin Eliza und Baumeister Georg Moller sie 1831 erdacht hatten.

Rundgang und Stammbaum digital

Das Digitale hält im Schloss mehr und mehr Einzug. Unter www.schloesser-hessen.de werden bereits eine baugeschichtliche Zeitreise und ein Rundgang durch den Königsflügel angeboten, die man vom heimischen Computer oder übers Handy unternehmen kann. Wie in der bereits laufenden Ausstellung zur Baugeschichte im Erdgeschoss gibt es hier auch digitale Medienstationen: In der Bibliothek beweist ein Film, dass der Hundertfächerschrank tatsächlich 100 einzelne Laden hat. Und nebenan in der Ahnengalerie können an einem Stehpult die neu sortierten Gemälde angeklickt werden. Biografien und ein Stammbaum geben Auskunft über die verzweigte Familiengeschichte der einstigen Herrscher.

Und die birgt Interessantes. So konnte Friedrich II. den Grundstein fürs Schloss nur legen, weil der kriegsbegeisterte Invalide diverse Mitgiften einstrich. Seine Ehen sind Thema einer Podiumsdiskussion am 18. Oktober. Ein Gemälde gibt Rätsel auf: Es zeigt seine drei Ehefrauen und Kinder, die seltsam rumpflos wirken. „Das werden wir noch untersuchen“, so Haroska.

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