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Das neue Philipp-Reis-Haus

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Museumsleiterin Erika Dittrich und Fotograf und Filmer Reiner Harscher stehen am Modell der alten Hugenottenstraße. Das Modell ist auch für Menschen mit Sehbeeinträchtigung gut nutzbar. Schuricht
Museumsleiterin Erika Dittrich und Fotograf und Filmer Reiner Harscher stehen am Modell der alten Hugenottenstraße. Das Modell ist auch für Menschen mit Sehbeeinträchtigung gut nutzbar. Schuricht © ksp

Erster Blick ins das ausgebaute Museum / Von Dienstag an geöffnet

FRIEDRICHSDORF - Täuscht es, oder liegt in der „Zwiebackabteilung“ wirklich der Duft von Einback in der Luft? „Das ist tatsächlich so“, bestätigt Dr. Erika Dittrich. „Schon bei der Planung dieser Abteilung wusste ich: Hier soll es nach Einback duften“, erzählt die Stadtarchivarin und Leiterin des Philipp-Reis-Hauses und Hugenottenmuseums. „Ich wusste, dass es Duftdesigner gibt, die alle möglichen Düfte kreieren“, doch „Einback“ hatte niemand im Sortiment. Sie gab nicht auf und fand einen passenden Fachmann. „Ich hatte extra Einback als Duftprobe verschickt.“ Daraus wurde exklusiv für die Stadt der Einback-Duft designt, der jetzt durch den Raum im neu gestalteten Stadtmuseum weht.

Das ist nur eine von vielen originellen sinnlichen Spielereien, die Dittrich mit ihrem Team, zu dem Museumsgestalter Thomas Scheuermann aus Bierstein und Rolf Palm aus Schlüchtern gehören, umsetzte. Dittrich kann es kaum erwarten, bis die ersten Besucher endlich das Museum für sich entdecken können. „Von Dienstag an haben wir geöffnet, ich bin schon sehr aufgeregt, weil ich nicht weiß, wie unser neues Konzept und die Neugestaltung beim Publikum ankommen wird“, sagt Dittrich. Einen ersten Eindruck bekommt ein ausgewählter Kreis am morgigen Sonntag im Rahmen einer Preview.

Fläche verdoppelt, Technik modernisiert

Schon gleich hinter dem Eingang werden die Besucher den frischen Wind spüren: „Wir haben jetzt endlich ein großzügiges Entrée mit Empfangsbereich, Garderobe und Aufzug“, berichtet Dittrich. Witziges Element ist der Tresen, der in Form eines Telefonhörers (Modell „Graue Maus“) gestaltet ist. Auch neuste Technik kommt im Foyer zum Einsatz. In Kooperation mit Seulberger Fotografen und Filmer Reiner Harscher ist die Idee eines großen Touchscreens entwickelt worden. Harscher hat zu jeder Museumsabteilung einen passenden Kurzfilm gedreht. „Sie sind Appetithäppchen“, so Harscher.

Da der Touchscreen schwenkbar ist, kann man ihn auch so drehen, dass Passanten darauf aktuelle Infos zum Museum lesen können. Auch beim Rundgang durch den neuen Museumsteil im ersten Obergeschoss ersetzen teilweise Bildschirme die Texttafeln. Die Räume sind der Stadtgründung und Ankunft der Hugenotten gewidmet und geben Einblicke in die Baugeschichte der Hugenottenkirche und die Handwerkskünste. Auch berühmten Persönlichkeiten wie Eduard Désor und Marie Blanc ist eine liebevoll gestaltete Stube gewidmet. Ganz neu und endlich groß raus kommen die Themenwelten der Zwieback-, Nudel- und Hutfabriken. Immer wieder gibt es Mitmach-Stationen. Kinder dürfen unter die Färber gehen, sich mit Bauklötzen ihre eigene Stadt bauen oder im „Salon-Mikroskop“ den Gletscherfloh aufspüren.

Roter Faden für das rundum erneuerte Museum war für Dittrich, die Stadtgeschichte für den Besucher sinnlich erfahrbar zu machen, „und das für alle Generationen.“ Endlich, fügt sie hinzu, konnte sie die unzähligen Kisten, in denen die vielen Exponate schlummerten, aus dem Schlaf wecken. „Wir haben jetzt viel mehr Platz“, sagt sie. Eine Herausforderung war, so Dittrich, alle Themen auf die kleinen Räume zuzuschneiden. Dank des Umbaus und der Erweiterung hat sich die Museumsfläche mehr als verdoppelt. „Es ist schön, dass viele Objekte jetzt in einem würdigen Rahmen zur Geltung kommen können“, freut sie sich. Das wird für die Exponate und die neuen Aktivstationen zum Erleben der Friedrichsdorfer Geschichte genutzt.

Zum neuen Konzept gehört auch die Inklusion. „Das Museum soll auch für Menschen mit Beeinträchtigungen erlebbar sein“, wünscht sie sich. „Da gibt es noch einiges nachzurüsten, das ist aber ein komplexes Thema, mit dem ich mich in den kommenden Wochen in Ruhe auseinandersetzen werde“, meint sie. Erste Schritte sind schon gemacht: „Wir haben ein Modell der Hugenottenstraße, wie sie früher ausgesehen hat, bauen lassen. Die vielen Färberhäuschen haben wir rot markiert. Damit auch Menschen mit Sehbeeinträchtigung diese ertasten können, haben wir der Farbe Sandkörner beigemischt.“

Für die 450 000 Euro teure Komplettsanierung hat die Stadt die Mittel bereitgestellt. Zudem schlagen 250 000 Euro für die Einrichtung zu Buche. Diese Kosten hat sich die Stadt mit dem Land geteilt. Wer das neu gestaltete Museum in der Hugenottenstraße erkunden möchte, kann das ab sofort jeden Dienstag und Donnerstag zwischen 10 bis 17 Uhr tun. Nach der großen offiziellen Eröffnung am 1. Februar 2023 wird das Museum zusätzlich an jedem ersten Sonntag im Monat seine Pforten öffnen. Der Eintritt ist frei.

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