1. Startseite
  2. Rhein-Main

„Das Jugendparlament ist ein Treiber für die Stadt“

Erstellt:

Von: Diana Unkart

Kommentare

Noah Said.
Noah Said. © Privat

Noah Said hat das Wiesbadener Gremium durch die Pandemiezeit geführt. Die Idee des Nachtbürgermeisters wurde umgesetzt.

Dass Kompromissfindung schwieriger ist als gedacht, hat Noah Said während seiner Zeit als Vorsitzender des Wiesbadener Jugendparlaments gelernt. Das Gremium hat in den vergangenen Jahren einiges angestoßen. Die Idee eines Nachtbürgermeisters geht zum Beispiel auf das Jugendparlament zurück. Gerade erst haben die beiden Nachtbürgermeister ihre Arbeit aufgenommen.

Warum scheiden Sie aus?

Ich war, als ich gewählt wurde, 19 Jahre alt. Inzwischen bin ich 21 und gehe sozusagen aus Altersgründen in Rente.

Welche Erfahrungen und Erkenntnisse nehmen Sie aus Ihrer Arbeit im Jugendparlament mit?

Ich habe gelernt, dass es schwieriger ist als gedacht, gemeinsame Entscheidung zu treffen und Kompromisse zu schließen. Man glaubt, man hat die beste Lösung, aber andere haben noch bessere. Meine Diskussionsfähigkeit hat sich in den vergangenen zwei Jahren verbessert.

Hat das Jugendparlament politische Einflussmöglichkeiten und werden Sie und Ihre Mitstreiter:innen von der Stadtpolitik ernst genommen?

Also der Respekt für die Jugendlichen ist da. Das Problem sind eher die kommunalen Rahmenbedingungen. Viele Ideen sind aufgrund der Pandemie oder wegen rechtlicher, kommunaler Bedingungen bereits in der Anfangsphase aufgeschoben oder nicht zu Ende gebracht worden. Teilweise haben Antworten der Verwaltung auf unsere Anfragen bis zu einem Jahr gedauert. Bei zwei Jahren Amtszeit ist das für viele demotivierend. Die Stadt sollte Ideen von jungen Leuten offener begegnen.

Welche Vorteile hat die Stadt durch die Arbeit des Jugendparlaments?

Die Ideen des Jugendparlaments sind ein Treiber für die Stadt. Zum Beispiel in Sachen Klimaschutz oder Nachtleben. Das Jugendparlament nimmt die Ideen und Wünsche der Jugendlichen auf und trägt sie weiter. Die meisten Politikerinnen und Politiker sind älter und nicht so nah dran an den Themen, die Jugendliche beschäftigen.

Was hat das Jugendparlament in der zurückliegenden Wahlperiode erreicht?

Wir haben vor allem Vorhaben umgesetzt, die wir selbst realisieren konnten. Zum Beispiel gibt es jetzt kostenlose Menstruationsprodukte an Schulen. Einen Nachtbürgermeister einzusetzen, war eine Idee des Jugendparlaments. Gerade haben die beiden ihre Arbeit aufgenommen. Wir wollten 2021 einen autofreien Superblock-Sonntag initiieren, den hat Corona leider verhindert.

Welche Themen wird das neue Jugendparlament angehen müssen?

Wenn die Pandemie weitergeht, wird ein Thema sicher die psychische Beratung von Kindern und Jugendlichen sein. Stadtbegrünung ist ein weiteres Thema. Alles, was mit dem Klimawandel zu tun hat. Buslinien sind auch immer auf der Liste genauso wie die Freizeitangebote. Weil Angebote für Jugendliche oft nicht wirtschaftlich effizient sind, gibt es zu wenige oder werden Vorschläge von Jugendlichen nicht umgesetzt.

Repräsentiert das Jugendparlament Jugendliche aller Schulformen oder vorrangig eine Bildungselite?

Das Ziel war es, dass sich die Mitglieder des Jugendparlaments eben nicht nur aus bestimmten Schulformen und sozialen Schichten rekrutieren. Ich denke, das ist auch gut gelungen. Wir erreichen Schüler:innen in vielen Schulen. Für das neue Jugendparlament haben wir mit 142 einen neuen Bewerber:innen-Rekord und eine noch diversere Bewerber:innen-Struktur.

Bleiben Sie auch künftig politisch aktiv?

Politik ist ein spannendes Feld, nicht immer einfach und man muss viel Zeit investieren. Aber ja, für mich ist es ein Traum, oben mitzumischen.

Interview: Diana Unkart

Auch interessant

Kommentare