Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Peale’s Mastodon“ gehört seit 150 Jahren dem Hessischen Landesmuseum in Darmstadt. Das Mammutskelett hat eine außerordentliche Geschichte. Foto: Renate Hoyer
+
„Peale’s Mastodon“ gehört seit 150 Jahren dem Hessischen Landesmuseum in Darmstadt. Das Mammutskelett hat eine außerordentliche Geschichte.

Von der Documenta bis zur Mammut-Schau

Das bringt das Ausstellungsjahr in Hessen

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
    schließen

2022 ist in Kassel wieder die Documenta. Doch das Jahr hat in Hessen noch viel mehr Kunst zu bieten.

Nach Kassel sollte man viel öfter fahren. Die Wasserspiele im Bergpark von Schloss Wilhelmshöhe sind Weltkulturerbe, im Schloss selbst ist eine der besten Sammlungen Alter Meister Europas zu sehen, und das Hessische Landesmuseum am Brüder-Grimm-Platz zeigt herausragende kultur- und landesgeschichtliche Sammlungen, nicht nur aus Nordhessen. Gedränge gibt es dort selten.

Das dürfte in diesem Jahr wenigstens zeitweise ganz anders werden – 2022 ist wieder ein Documenta-Jahr, die dann 15. seit der Gründung der größten Ausstellung für Gegenwartskunst weltweit im Jahr 1955. Kassel wird also, wenn es die Corona-Lage denn zulässt, vom 18. Juni bis 25. September zum Pilgerort für die internationale Kunstszene.

Im Juli öffnet zudem die historische Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe nach großer Restaurierung und teilweisem Wiederaufbau nach den Weltkriegszerstörungen. Die prunkvolle Anlage von 1793 ist eines der ersten Beispiele für die Mittelalterbegeisterung in Deutschland.

Ob bis zur Documenta-Eröffnung im Sommer wieder unbeschwertes internationales Reisen möglich sein wird? Das ist eine der vielen offenen Fragen, die zurzeit niemand beantworten kann. Erstmals wird die 100 Tage dauernde Riesenschau auch nicht von einzelnen Kurator:innen organisiert, sondern von dem indonesischen Kunstkollektiv „Ruangrupa“.

Wird das interessant oder beliebig? Davon müssen sich die Besucherinnen und Besucher selbst ein Bild machen, Kassel ist ja hervorragend erreichbar, und Eintrittskarten kann man bereits buchen. Sehenswert sind sicher die Orte der Ausstellung, in diesem Jahr neben dem Fridericianum, der Documenta-Halle und dem Ottoneum auch auf einem alten Fabrikgelände und im Hallenbad Ost im Stadtteil Bettenhausen.

Blockbuster in Frankfurt

Viel Publikum dürften auch die beiden Blockbuster-Ausstellungen des Jahres in Frankfurt erwarten lassen, Chagall in der Kunsthalle Schirn und Renoir im Städel. Impressionismus ist bei Ausstellungen ja stets eine sichere Bank, und „Renoir. Rococo Revival“, der Titel neckisch in der englischen Schreibweise, dürfte zuverlässig die Massen anziehen. Leihgaben kommen vom 2. März bis zum 19. Juni dank der guten Beziehungen des Museums aus der ganzen Welt, unter anderem aus Washington, Paris, London, New York und Los Angeles.

Mit einer Ausstellung über den italienischen Barockmaler Guido Reni, „Die Schönheit des Göttlichen“ vom 23. November bis zum 5. März 2023, und einer Schau zu frühen Meisterwerken des Kupferstichs vor Dürer in der Graphischen Sammlung vom 28. September bis zum 8. Januar 2023 zeigt das Städel aber auch zweimal große Klassik. Dass es in diesem Jahr landesweit so wenig Altmeisterliches zu sehen gibt, ist sicher der Pandemie geschuldet. Vieles wurde in den beiden vergangenen Jahren verschoben oder ganz abgesagt. Die vielleicht spannendste Schau des Jahres im Städel ist nun aber doch noch zu sehen, vom 20. Juli bis zum 16. Oktober. Die längst überfällige (Wieder-)Entdeckung der aus der Schweiz stammenden, lange in Frankfurt und Hofheim lebenden Ottilie W. Roederstein lohnt sich nicht nur wegen der Biografie der offen lesbisch lebenden Malerin, die zu ihrer Zeit als Künstlerin hoch geschätzt wurde, sondern auch wegen der Qualität ihrer Werke. Obwohl das Städel mit 28 Werken neben dem Stadtmuseum Hofheim und dem Kunsthaus Zürich eine der größten Sammlungen Roedersteins besitzt, waren in den letzten Jahren kaum einmal Bilder von ihr in der Dauerausstellung zu sehen.

Die Kunsthalle Schirn bekommt zum 1. Juli einen neuen Leiter, Sebastian Baden von der Kunsthalle Mannheim. Das dortige Ausstellungsprogramm war hochkarätig und vielfältig; man darf also gespannt sein, was er für Frankfurt plant. Die Schirn bietet aber auch jetzt schon einiges: Vom 4. März bis zum 6. Juni ist hier „Kunst für keinen. 1933–1945“ zu sehen – wobei der Titel heute fast schon paradox ist. Die Künstlerinnen und Künstler, die sich in der Nazizeit in die „innere Emigration“ zurückzogen, werden heute jedenfalls hoch geschätzt.

Eine biografische Ausstellung über den Schweizer Künstler Ugo Rondinone (*1964) ist vom 24. Juni bis 18. September ebenfalls in der Schirn zu sehen, mit Skulpturen, Videos und Gemälden. Rondinone schafft dafür eigens eine riesige Installation für die Galerie und die Rotunde des langgezogenen Baus.

Ein besonderer Besuchermagnet dürfte die große Chagall-Ausstellung „Welt in Aufruhr“ vom 4. November bis zum 19. Februar 2023 werden. Dem den Nazis besonders verhassten Künstler gelang 1941 die Flucht in die USA. Bereits zuvor hatte er sich in seinen Bildern intensiv mit der zunehmenden Gewalt und dem mörderischen antisemitischen Hass auseinandergesetzt. Die Ausstellung in der Schirn will das beleuchten.

Große Namen in Wiesbaden

In Kassel ist die Documenta 15 schon beinahe zu Ende, wenn das Museum Wiesbaden, auch eine der großen Kunstsammlungen im Lande, Ernst Wilhelm Nay vom 16. September bis zum 5. Februar 2023 eine große Retrospektive widmet. Nay (1902—1968) wurde dank seiner Teilnahme an den ersten drei Documenta-Ausstellungen international berühmt und gilt heute als einer der teuersten deutschen Künstler der Nachkriegsmoderne. Es ist Nays erste Einzelausstellung im Museum Wiesbaden, entstanden in Zusammenarbeit mit der Hamburger Kunsthalle und dem Duisburger Museum Küppersmühle.

Mit Frank Stella (*1936), dem Träger des Alexej-von-Jawlensky-Preises für sein Lebenswerk, zeigt das Museum Wiesbaden vom 10. Juni bis zum 9. Oktober einen der international bekanntesten Künstler der Gegenwart. Zu sehen sind unter anderem seine berühmten Streifenbilder – welch ein Kontrast zu den Werken alter Kunst und der klassischen Moderne!

Auch der Jugendstil ist seit der großzügigen Stiftung der Sammlung Nees 2019 in Wiesbaden reich vertreten. Die berühmte Bäder- und Kurstadt feiert ein „Jahr des Wassers“, an dem sich das Museum Wiesbaden vom 13. Mai bis zum 22. Oktober mit der Kunstausstellung „Wasser im Jugendstil — Heilsbringer und Todesschlund“ beteiligt. Es ist eine Kooperation mit dem Sprudelhof in Bad Nauheim, Europas größter erhaltener Jugendstil-Badeanlage. Die naturhistorischen Sammlungen tragen „Vom Wert des Wassers — Alles im Fluss?“ zum Jahresthema bei, zu sehen vom 22. April bis zum 5. Februar 2023.

Naturgeschichte in Darmstadt

Die besondere Mischung von Natur und Kunst, die in Wiesbaden zu erleben ist, prägt auch das Hessische Landesmuseum in Darmstadt, das neben einer kleinen, auch international herausragenden Kunstsammlung auch große und hochbedeutende naturgeschichtliche Exponate zeigen kann. Das wissenschaftsgeschichtlich wohl interessanteste Stück des Museums ist das riesige Skelett eines amerikanischen Mammuts, „Peale’s Mastodon. Seine Entdeckung 1739 am Ohio River löste in den Jahrzehnten danach eine wissenschaftliche Diskussion in Europa und den 1776 gegründeten jungen Vereinigten Staaten aus, an der sich auch der große deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt intensiv beteiligte. Nun wird vom 25. März bis zum 19. Juni die Geschichte des „American Heiner“ erzählt.

Ruangrupa, ein Kollektiv aus Indonesien, soll die diesjährige Documenta kuratieren. v.l.n.r. Daniella Fitria Praptono, Julia Sarisetiati, Ade Darmawan, farid rakun, Iswanto Hartono, Mirwan Andan, Reza Afisina, Indra Ameng, Freund*in, Ajeng Nurul Aini.
„Chagall. Welt im Aufruhr“ läuft in der Frankfurter Schirn. „Der Engelssturz“, 1923-33-47, Kunstmuseum Basel, Depositum aus Privatsammlung, Bild: VG Bild-Kunst, Bonn 2021,

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare